Vohenstrauß
12.04.2024 - 10:01 Uhr
OnetzPlus

Neuer "Streifzug" zum Jubiläum der Stadt Vohenstrauß ein besonderes Geschenk

Eigentlich gibt es den Heimatkundlichen Arbeitskreis Vohenstrauß nicht mehr. Trotzdem hat sich ein bewährtes Team noch einmal zusammengeschlossen, um zum Doppeljubiläum in Vohenstrauß und Waldau die 45. Ausgabe der Streifzüge zu gestalten.

Die Großgemeinde Vohenstrauß feiert in diesem Jahr gleich zwei mächtige Jubiläen: 900 Jahre Stadt Vohenstrauß und 800 Jahre Waldau. Grund genug für den eigentlich nicht mehr existierenden Heimatkundlichen Arbeitskreis (HAK), mit dem bewährten Redaktionsteam einen Beitrag mit einem neuen Streifzug zu leisten. „Leicht war es nicht“, wie sich Kreisheimatpfleger Peter Staniczek bei der Präsentation des 138-seitigen Büchleins ausdrückte.

Neben Staniczek waren Heiner Aichinger, Rudolf Großmann und Karl Ochantel in dem Team aktiv. Den Einband ziert einerseits die Urzelle der Pfarrei, die heutige Simultankirche, und andererseits die mächtige Burg, die als Markenzeichen über Waldau thront. Im Vordergrund die Benefiziumskirche St. Johannes Nepomuk und rechts davon das stattliche Anwesen derer von Heemskerck. Das Hochmittelalter, die Zeit der Salier und Staufer, ist geprägt durch das Rittertum, das Lehnswesen und den Investiturstreit, führte Staniczek aus. Der Nordgau ist Königsland, die Herrschaft wird durch Grafen ausgeübt, und es gibt Kolonialland, das von deren Ministerialen besiedelt, verwaltet und geschützt wird. Die Grafen, ihre Vasallen und Ministerialen sind schlecht zu fassen, meist als Zeugen bei Rechtsgeschäften des Königs, als Teilnehmer von Kriegszügen nach Böhmen oder ins Heilige Land.

Kaum schriftliche Quellen

Weil es nur wenige schriftliche Quellen gibt, bleibt viel Raum für Fehldeutungen und Spekulationen, machte der Kreisheimatpfleger deutlich. Selbst die großen bayerischen Geschichtsschreiber wie Johannes Thurmair, genannt Aventinus, oder Wiguleus Hund waren nicht dagegen gefeit. „Die Biografien von Adelsgeschlechtern wurden geschönt, Urkunden schon mal gefälscht, Fehler immer wieder abgeschrieben. Mündliche Überlieferungen leiden häufig an Ungenauigkeit oder an Ausschmückungen, je weiter der Geschichtsschreiber von den Ereignissen zeitlich entfernt ist.“

Ein für die Heimat bedeutsames historisches Ereignis war die Weihe zweier Kirchen „unam in Luckenberge et alteram in Vohendrezze“. Franz-Josef Lang, Kultur- und Heimatwart aus Irchenrieth, hat eine umfangreiche wissenschaftliche Arbeit mit dem Titel „Bischof Otto I. von Bamberg – Kirchenweihe in Leuchtenberg und Vohenstrauß anno 1124“ verfasst und sie dem Streifzug zur Verfügung gestellt. Die Gebietsreform von 1972 machte es möglich, dass sich Vohenstrauß in diesem Jahr gleich mit zwei Jubiläen schmücken und feiern kann, so der Kreisheimatpfleger bei der Präsentation.

Spannende Geschichte in Waldau

„Auch die Herrschaft Waldau hat eine spannende Geschichte mit klangvollen Namen aufzuweisen, die großen Einfluss auf die Kultur-, Denkmal- und Geschichtslandschaft unserer Stadt und unseres östlichen Landkreises im Oberpfälzer Wald hinterlassen haben.“ Peter Staniczek greift diese Geschichte detailliert auf und hielt darüber bereits einen Vortrag im Pfarrheim, der auf riesiges Interesse stieß. Karl Ochantel widmet sich den Waldauer Rittern und den Kapuzinern. Die Geschichte der Familie von Lilien als Besitzer von Schloss und Herrschaft Waldau 1801 bis 1879 zeichnet Titus Freiherr von Lilien-Waldau auf, der heute in Berlin lebt. Über den Grabstein von Hans und Eleonore von Lilien-Waldau bei der Altenstädter Kirche weiß Elfriede Strobel einiges zu berichten.

Mit der Grundsteinlegung und Kirchenweihe 1912 in Waldau befasst sich Karl Ochantel, der auch von einem Missionsglöckchen wusste, das 1921 in Waldau läutete. Er erinnert sich ebenso an die Besichtigung der alten Kirchenburg nach dem Krieg 1951. Staniczek wiederum zeichnet die Burg und Herrschaft Waldau exakt nach. Zuletzt wird der 45. Streifzug mit interessanten Luftaufnahmen illustriert, die sich im Besitz der Stadt befinden.

Hintergrund:

Streifzüge des HAK

  • Erstausgabe: Streifzüge gibt es seit 1986, der erste erschien unter dem Titel „400 Jahre Friedrichsburg“.
  • Umfang: Jeder Streifzug enthält alle bisherigen Autoren und Titel der Beiträge
  • Aktuelle Ausgabe: 45. Band ist druckfrisch zum Stadtjubiläum aufgelegt worden, erhältlich im Heimatmuseum.
Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.