Der Maibaum im Ortsteil Waldau hat dem Virus getrotzt und steht trotz Corona-Pandemie nach der langen und intensiven Vorbereitungen im Garten von Tim Röbl. Und nicht nur da. Auch in anderen Orten wie in Braunetsrieth oder Straßenhäuser hatten Bewohner diese Idee und verwirklichten ihr ganz eigenes Projekt mit Hoffnungscharakter.
„Los ging es bereits am Dienstag mit dem Ausheben des ein Meter tiefen Lochs. In Vohenstrauß habe ich dann alle nötigen Materialien besorgt, wobei sich die Suche nach einem Kranz als äußerst schwierig herausgestellt hat. Das Schmunzeln vieler Menschen konnte man trotz Mundschutz gut erkennen und selbst ich musste lachen, als ich mehrere Geschäfte erfolglos abgefahren hatte. Dennoch hatte ich den Kranz am Schluss endlich im Kofferraum und konnte heimfahren.“
Im Anschluss an die Vorbereitungen ging es an das Praktische: frische Streu aus dem Wald holen und den Kranz flechten. „Am Mittwochmorgen sind dann mein Opa und ich ins Waldgebiet ‚Elm‘ gefahren und haben dort eine acht Meter lange Fichte abgesägt, natürlich mit Mindestabstand und Mundschutz, was man sich vor einem Jahr niemals hätte vorstellen können.“ Noch am selben Tag schälte Tim Röbl den Baum und grundierte ihn mit weißer Holzacrylfarbe. Unebenheiten sägte er mit der Motorsäge weg und ließ den Baum über Nacht an der frischen Luft trocknen. „Donnerstags ging es dann ziemlich stressig mit dem Projekt weiter, da die Malerarbeiten immer wieder von kurzen Regenschauern unterbrochen wurden und ich den Baum abdecken musste.“ Den bald im Maibaumglanz schimmernden Baum schnürte der junge Mann dann traditionell von links unten nach rechts oben blau-weiß und brachte die Ringe zum Befestigen des Kranzes an. „Einige Stellen mussten aufgrund der zwischenzeitlich niedergegangenen Regenschauer doppelt gestrichen werden, aber nichts desto trotz wurde das Prachtstück pünktlich um 17.30 Uhr fertig“, freute sich der Maibote. „Schnell noch die Bänder, sowie die Oberpfalzfahne angebracht und schon ging der eigentliche Höhepunkt der ganzen Aktion los“, berichtete der Waldauer begeistert.
Wie sonst auf dem Dorfplatz üblich wurde der Maibaum um 18 Uhr mit reiner Muskelkraft der ganzen Familie Röbl in die dafür vorbereitete Halterung gestemmt und mit Pflöcken befestigt sowie begradigt.
„Da aufgrund der aktuellen Pandemie kein Maibaumaufstellen mit der Dorfbevölkerung wie gewohnt stattfinden kann, wollte ich die jahrhundertealte Tradition nicht abbrechen lassen und selbst einen Maibaum im eigenen Garten aufstellen. Und: Da die Corona-Pandemie jeden von uns sehr stark beeinträchtigt, das Leben wie wir es bisher gewohnt waren, komplett verändert hat und die Situation nahezu aussichtslos erscheint, wollte ich mit diesem Maibaum ein Zeichen der Hoffnung und der Freude setzen. Gerade während dieser schwierigen Zeit ist es wichtig, nicht nur Tag und Nacht an das Virus zu denken, sondern sich auch ein Stück Lebensfreude zurückzuholen, welche tief im Inneren verwurzelt ist und wieder mehr zum Vorschein kommen sollte“, betonte Röbl.
Karl Burger in Braunetsrieth eröffnete am 1. Mai seinen privaten „Kleinsten Biergarten Bayerns“, den er seit seinem 75. Geburtstag hat. Das Maibaumaufstellen gehört seit Mai 2018 alljährlich zu seiner Aufgabe. In diesem Jahr scharte sich nur die Familie um den Maibaum. Wenngleich heuer so ein richtiges Mailüfterl zur Eröffnung der Biergartensaison fehlte.
Um ein kleines selbstgeschmücktes Maibäumerl tanzten auch die vier Geschwister Afra, Genoveva, Magnus und Thore Fritz aus Straßenhäuser. Die Älteste ist dank der Katholischen Landjugend Oberlind schon ein richtiger Maibaum-Profi und bedauerte, dass das Maibaumaufstellen heuer nicht erlaubt war. Deswegen ließ sie bei Papa Raphael und Mama Maria Fritz nicht locker, einen eigenen Maibaum im Garten empor zu hieven. Zum Lied „Wenn der Maibaum wieder auf dem Dorfplatz steht“, das der Papa spielte, tanzte das Quartett um das schmucke Bäumerl. So kann Tradition auch auf ganz privaten Plätzen hochgehalten werden.
















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