18.07.2019 - 11:06 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Schließung des Krankenhauses Vohenstrauß vorerst abgewendet

Das Gerücht macht im Landkreis-Osten die Runde: Das Krankenhaus Vohenstrauß sollte vorübergehend geschlossen werden. Darüber wurde Ende Juni tatsächlich gesprochen, räumen die Verantwortlichen ein. Doch diese Variante sei zunächst einmal vom Tisch.

Das Krankenhaus Vohenstrauß ist ein Belegkrankenhaus mit 45 Betten, wo laut Homepage der Kliniken AG jährlich 1500 Patienten internistisch und chirurgisch versorgt werden. Vor wenigen Wochen war die vorübergehende Schließung ein heiß diskutiertes Thema.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Die Information erreichte Oberpfalz-Medien Anfang der Woche: Die Kliniken Nordoberpfalz AG habe in der jüngsten Aufsichtsratssitzung Pläne diskutiert, die akutstationäre Versorgung am Krankenhaus Vohenstrauß ab 1. August für drei Monate stillzulegen, um zu sehen, ob es ohne den Standort gehe. Das Personal hätte in dieser Zeit nach Weiden verlagert werden sollen. Dagegen habe sich Landrat Andreas Meier aber heftig gewehrt.

Auf Nachfrage bestätigen das sowohl Kliniken-Vorstand Josef Götz als auch Aufsichtratsmitglied Meier. Götz möchte das Thema jedoch nicht allzu hoch hängen: "Wir diskutieren über viele Vorschläge, das war einer davon." Fest stehe aber, dass "alle unsere Standorte in den kommenden Jahren ihr Leistungsportfolio verändern werden müssen. Wichtig ist, dass dabei die Versorgungssicherheit der Bevölkerung gewährleistet bleibt".

Grundsätzlich plane die Kliniken AG mit allen Standorten, für die Schließung eines Hauses brauche es dagegen eine politische Entscheidung, erklärt Götz. Dieser Beschluss sei in Sachen Vohenstrauß von ihm nicht zu haben, betont Meier: "In einer Situation, in der ein stärkeres, finanzielles Engagement des Landkreises Neustadt eingefordert wird, stellt die Schließung unseres letzten verbliebenen Krankenhauses für uns eine rote Linie dar, bei deren Überschreitung mit keinerlei Kompromissbereitschaft oder freiwilligen Zugeständnissen seitens des Landkreises mehr zu rechnen wäre", erklärt er schriftlich auf Anfrage. Schützenhilfe habe er vom Personalrat erhalten.

Meier fordert eine "zukunftsfähige Lösung". Die könnte er sich so vorstellen: Sein Landkreis beteilige sich an Umbauten oder technischer Aufrüstung des Hauses Vohenstrauß in Richtung Telemedizin oder 5G-Breitbandtechnik als Modellprojekt in Zusammenarbeit mit der OTH. Gleiches gelte für den Standort Eschenbach, wo neue Techniken in der Alters- und Demenzmedizin zum Einsatz kommen könnten und auch für den Ausbildungsstandort "New Life" in Neustadt/WN.

In der Zwischenzeit werden die Rahmenbedingungen für die Kliniken AG immer ungemütlicher. Jüngst empfahl die Bertelsmann-Stiftung die massenhafte Schließung kleiner Krankenhäuser quer durch Deutschland. Bereits zum 1. Juni hat die Kliniken AG die akutstationäre Versorgung in Waldsassen beendet. Das Haus konzentriert sich seitdem ganz auf Reha-Patienten.

In der bundespolitischen Diskussion und in den Medien tauchen derweil Vorschläge auf, die ambulante pflegerische Versorgung zugunsten der ärztlich-stationären auszubauen, um so Geld zu sparen. "Wir sind an solchen Konzepten dran", erklärt Götz, doch das sei nicht so einfach. Häufig werde dabei Dänemark als Vorbild genannt. "Der Vergleich hinkt. Dort greift die Versorgung viel mehr ineinander über, in Deutschland ist sie strikt nach Sektoren getrennt." Über allem stehe aber das Prinzip, dem Bedarf der Bürger Rechnung zu tragen.

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"Krankenhaus darf nicht leer stehen"

Der Schreck, dass sein Krankenhaus vorübergehend auf der Kippe stand, ist dem Vohenstraußer Bürgermeister Andreas Wutzlhofer nach dem NT-Bericht vom Freitag noch anzumerken. Er sehe durchaus ein, dass sich Klinikstrukturen in der Region ändern müssten, fordere aber wie Landrat Andreas Meier „zukunftsfähige Lösungen“. „Eine vorübergehende Schließung während der belegungsschwachen Sommermonate wäre der sichere eSchritt zur endgültigen Schließung.“ Das will Wutzlhofer auf keinen Fall. „Das Haus darf nicht leer stehen bis irgendein Modellprojekt eingeleitet wird. Das kann Jahre dauern.“ Er appelliert daher an das Landratsamt und seine Kreistagskollegen, zu einem Verlustausgleich für das Krankenhaus Vohenstrauß bereit zu sein, wie es der Kreis Tirschenreuth beim Haus Waldsassen gemacht habe. (phs)

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