30.08.2019 - 12:05 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Schräg und bloß nicht professionell

Schräg wollen sie sein – und Spaß haben. Die „Schrägschrauben“ haben auch nach 20 Jahren noch den Dreh raus und schrauben nun an ihrem Jubiläums-Special.

Die Schwestern Regina Diegel und Monika Helmstreit (von links) sind seit 20 Jahren als "Schrägschrauben" unterwegs.
von Christine Walbert Kontakt Profil

Die Vorfreude ist den Komödiantinnen anzumerken. Als könnten sie es kaum erwarten, auf die Bühne zu gehen und loszulegen. Dabei sind die beiden Schwestern Monika Helmstreit und Regina Diegel, die 1977 mit ihrer Familie von Essen in die Oberpfalz zogen, auch nach 20 "Schrägschrauben"-Jahren vor jedem Auftritt immens nervös und tigern im Vorfeld einige Kilometer auf und ab, um auf Betriebstemperatur abzukühlen.

Ihre Bühnenklamotten sind längst Markenzeichen: Im mintgrünen Strick-Ensemble der Schwiegermutter aus den 70ern beziehungsweise im Trenchcoat und roten Filzhut sind sie komplett schräg. "Tja, die Figuren auf der Bühne sind in all den Jahren nicht älter geworden, nur wir haben uns mittlerweile den Figuren angeglichen", fasst Monika Helmstreit die Entwicklung der "Schrägschrauben" amüsiert zusammen.

Nachdem die beiden bei einer Veranstaltung des Deutschen Gewerkschaftsbunds zum Weltfrauentag im Jahr 1989 im Postkeller in Weiden mit einigen lustigen Szenen sehr gut angekommen waren, schrieben sie für das nächste Jahr ihr erstes Bühnenprogramm "Klassentreffen". In den Anfangsjahren waren die "Schrägschrauben" zu fünft unterwegs: Neben Mutter Christa Diegel und Tante Marlies Mülhaupt stand Erika Tessmann mit den Schwestern auf der Bühne. Der Ruhrpott-Slang und teils selbst komponierte Lieder gehörten von Beginn an zu jedem Programm. Vor etwa 13 Jahren holten sich die "Schrägschrauben" musikalische Begleiter dazu. Die "Musiküsse" Bernhard Helmstreit am Bass und Wolfgang Dirscherl am Klavier, der mittlerweile durch Gitarrist Christian Denz ersetzt wurde, machen Stücke wie "Salatblues" oder "Männerhirn" erst zum Genuss. Trotz Strick-Dreiteiler und Trenchcoat wird mit weiblichen Reizen nicht gegeizt. Glücklich dürfen sich die Zuschauer schätzen, die zum Beispiel die Bauchtanz-Einlage der beiden hautnah miterleben durften.

Kreativer Ausgleich

Im wahren Leben sind bei der 56-jährigen Monika Helmstreit, die mit ihrer Familie in Vohenstrauß wohnt, und ihrer vier Jahre jüngeren Schwester Regina Diegel aus Weiden eher sachliche Kompetenz gefordert. "Kreativen Ausgleich" finden die Verwaltungsfachwirtin und die Disponentin, indem sie als "Schrägschrauben" auf alles los- und eingehen, was ihnen debattierwürdig erscheint. Beim "Klassentreffen" oder "Ich versteh nur Bahnhof" tauchen die beiden Frauen als Anna und Berta tief in die Unwägbarkeiten des alltäglichen Lebens ein. Männer kommen dabei meist nicht gut weg. Das Motto "Ein Mann muss schön sein, klug sind wir selber" bringt es auf den Punkt. Als Prototypen müssen die nie anwesenden Ehemänner von Anna und Berta (Friedhelm und Micky) herhalten.

Saßen früher hauptsächlich Frauen im Publikum, klopfen sich mittlerweile immer häufiger auch männliche "Schrägschrauben"-Fans auf die Schenkel. Zumindest in ihrem Hauptwirkungskreis in der Oberpfalz schätzt Monika Helmstreit den Männer-Anteil auf 30 bis 40 Prozent. Eins ist den "Schrägschrauben" wichtig: "Wir stellen niemanden bloß und nehmen uns Frauen auch selbst oft auf's Korn. Auf der Bühne sind wir beide nicht die hellsten Kerzen auf der Torte."

Zur Stoffsammlung machen sie im Alltag einfach die Augen auf. Ein gemeinsamer Wellness-Urlaub der Schwestern müsse ja schließlich irgendwie verarbeitet werden. Monika Helmstreit: "Früher hat unser Vater oftmals Vorlagen geliefert. Heute sind es unsere Männer oder welche aus dem Bekanntenkreis."

"Der Anspruch an uns selbst war schon immer sehr hoch", meint Monika Helmstreit. Die Damen sind sich jedoch einig: "Wir wollten nie professionell auf die Bühne, sondern immer nebenbei. Wir verstehen es als großes Kompliment, wenn man uns sagt, dass man merkt, dass wir Spaß haben." In den ersten Jahren absolvierten die "Schrägschrauben" bis zu 25 Auftritte im Jahr. "Später haben wir dann auf etwa zehn pro Jahr reduziert."

Bei Rita Süssmuth

Skurrile Erlebnisse wie der Auftritt in einer Metallbaufirma blieben nicht aus. "Die dachten wohl, dass wir gut zu Schrauben passen", lacht Monika Helmstreit. Ein Highlight in ihrer Kabarettkarriere war das Gastspiel zur Abschiedsfeier der ehemaligen Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth in Berlin.

Der Blick geht jetzt schräg nach vorn in die Zukunft: "Wir arbeiten an einem neuen Programm, das wir im März in Schwandorf vorstellen werden." Ans Aufhören denken die "Schrägschrauben" erst, "wenn wir merken, dass wir nicht mehr so spritzig sind und die Leute uns nicht mehr sehen wollen".

Monika Helmstreit (links) und Regina Diegel sind seit 20 Jahren als "Schrägschrauben" auf den Bühnen in ganz Deutschland unterwegs.
Die "Schrägschrauben" waren in den Anfängen vor 20 Jahren zu fünft auf der Bühne, hintere Reihe von links: Christa Diegel, Marlies Mülhaupt und Erika Tessmann, unten von links: Regina Diegel und Monika Helmstreit.
Die beiden Schwestern Regina Diegel und Monika Helmstreit (von links) feiern das 20-jährige Bestehen der "Schrägschrauben" mit einer Best-of-Programm am 12. Oktober in Schirmitz.
Best-of-Programm:

Unter dem Motto "Ein Mann muss schön sein, klug sind wir ja selber" sind die Schwestern Monika Helmstreit und Regina Diegel nun bereits seit 20 Jahren als "Schrägschrauben" auf Deutschlands Bühnen unterwegs. Das Jubiläum wird mit einem Best-of-Programm am Samstag, 12. Oktober, um 20 Uhr in der Mehrzweckhalle in Schirmitz gefeiert. Unterstützt werden die Schwestern von ihren "Musiküssen" Bernhard Helmstreit, Christian Denz und Wolfgang Dirscherl, der es sich nicht nehmen lässt, als ehemaliges Ensemble-Mitglied diesen Abend der Kolpingsfamilie Schirmitz mitzugestalten. (ck)

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