03.02.2019 - 11:45 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Segen für Herzstück der Vohenstraußer Wehr

Zur Segnung der neuen Vohenstraußer Drehleiter waren viele hochrangige Vertreter der Feuerwehr aus dem Landkreis gekommen. Stadtpfarrer Dieter Schinke spekulierte darüber, das Gerät mit Dekan Alexander Hösl hoch vom Korb aus zu segnen.

Die neue Drehleiter der Stützpunktwehr stand mit Stadtwappen sowie mit Nelken- und Rosengirlanden an der Front bereit. Unternehmensvertreter Tobias Lützner aus Bindlach (Zweiter von links) überreichte einen überdimensionierten Schlüssel an Bürgermeister Andreas Wutzlhofer (Zweiter von rechts). FFW-Vorsitzender Peter Grosser (links) und Stadtkommandant Mario Dobmayer (rechts) flankieren die beiden.
von Elisabeth DobmayerProfil

Im Feuerwehrhaus am Fluderweg war regelrecht Volksfeststimmung auszumachen. Grund war die kirchliche Segnung der neuen Drehleiter DLAK-23/12, eines der technisch ausgereiftesten Einsatzfahrzeuge im Landkreis Neustadt/WN. Landrat Andreas Meier hatte sich mit den Kreistagsfraktionsvertretern und den Bürgermeistern der umliegenden Gemeinden auf dem Weg nach Vohenstrauß gemacht. Die Roggensteiner Jugendkapelle unter Leitung von Josef Wolfrath spielte auf, und der Vorsitzende der Stützpunktwehr, Peter Grosser, freute sich über die prominenten Gäste. Selbst Ehrenkreisbrandrat Richard Meier und Ehrenkreisbrandinspektor Johann Rewitzer befanden sich unter den mehreren Hundert Besuchern. Vor allem die Vertreter der Feuerwehren aus Oberköblitz und Wernberg aus dem Nachbarlandkreis Schwandorf begrüßte der Vorsitzende.

"Es ist ein Tag des Ehrenamts und des sozialen Diensts", fand Dekan Alexander Hösl, da am selben Tag auch das neue Hospiz in der Kreisstadt den Segen erhalten hatte. Der evangelische Stadtpfarrer Dieter Schinke hätte sogar erwartet, dass er mit seinem Amtsbruder im Korb der Drehleiter hoch hinausgefahren worden wäre, um von dort den Segen zu spenden. Wegen des kalten Windes draußen sei es aber bestimmt besser, den Segen in der Halle zu erbitten. Den Feuerwehrleuten galt dann hauptsächlich der Segen, den die beiden Stadtpfarrer im Verlauf der Feierstunde erbaten.

Segen auch für Wehrleute

Schinke zitierte aus der Rettungsgeschichte des Alten Testaments: "Einer trage des anderen Last und wer Hilfe braucht, dem soll Hilfe gewährt werden. Wenn heute Feuerwehren von Passanten angegriffen werden, müssen alle dafür eintreten, dass die Feuerwehren einen wichtigen Dienst für die Gemeinschaft verrichten, und dass sie diesen Dienst für andere Menschen auch ungefährdet verrichten können", mahnte er. Die Fürbitten übernahmen Magdalena Süss und Markus Weig von der Feuerwehrjugend.

Wurde vor 28 Jahren die Anschaffung der Vorgängerdrehleiter noch heiß diskutiert, gab es diesmal keine Fragen. Einen Extraapplaus gab es für den Landkreis und die Bezirksregierung für die großzügig gewährten Zuschüsse. Die Freude und der Stolz standen Bürgermeister Andreas Wutzlhofer als oberster Dienstherr der Feuerwehren ebenfalls im Gesicht. Das neue Einsatzgerät sei das neueste Produkt aus der rund 200-jährigen Entwicklungsgeschichte der Drehleitern und übe eine große Faszination aus.

Wutzlhofer erinnerte wie nachfolgend auch Stützpunktkommandant Mario Dobmayer an den holprigen Weg der Ausschreibung und Beschaffung bis zum Eintreffen der Drehleiter. "Mit der neuen Drehleiter können wir feststellen, dass wir in unserem Bestreben, die Sicherstellung des Feuerschutzes und der technischen Hilfeleistung zu optimieren, wieder einen Schritt vorangekommen sind", sagte das Stadtoberhaupt. Mit der Schlüsselübergabe verband der Bürgermeister den Wunsch mit der Gewissheit, "dass die neue Drehleiter DLAK 23/12 in bewährte und sachkundige Hände kommt". Zwei Drittel der Einsätze werden laut Stadtkommandant Dobmayer überörtlich gefahren. Er erklärte den Gästen auch die Ausstattung. Das meisterhafte Fahrzeug kann sogar mit einem Scheinwerferlicht von 150 000 Lumen ein taghelles Licht an die Einsatzstelle bringen. Allein das Beschaffer-Team um den Kommandanten investierte 900 Ehrenamtsstunden. Hinzu kommen 150 Ausbildungsstunden am Fahrzeug, um jeden Handgriff sicher ausführen zu können und sich mit der Technik vertraut zu machen.

Eine Herausforderung

"Ein geiles Teil", fand Landrat Meier als er kurz und bündig gratulierte. Als Feuerwehrmann wisse er, was diese technische Ausstattung mit viel Raffinesse bedeutet. Vor allem wolle er aber der Bevölkerung zu dieser Drehleiter im Landkreisosten gratulieren. Wegen des großen Einsatzgebiets gewährte der Landkreis einen erhöhten Zuschuss. Für Landrat Meier wäre es mit seiner Höhenangst ein Alptraum gewesen, hätte er mit dem Drehkorb hoch hinausfahren sollen, gestand er unter dem Schmunzeln der Gäste. "Dieses Fahrzeug ist eine Herausforderung aber auch eine Aufgabe, mit der die Feuerwehrleute zurecht kommen müssen." Alle sollten immer wieder gesund von ihren Einsätzen zurückkehren, wünschte er.

Kreisbrandrat Marco Saller sagte, über Grenzen hinweg werde die Drehleiter im Alarmierungsplan Bedeutung finden, nicht nur im Brandschutz sondern auch in der Personenrettung oder in der Sicherstellung von Rettungswegen. "Viel Spaß mit der neuen Drehleiter." Nach der Bayern-Hymne lud der Bürgermeister alle Gäste zu Freibier in die Fahrzeughalle ein.

Der Weg zur neuen Drehleiter:

Der 9. Februar 2017 gilt als Geburtsstunde der Drehleiter DLAK-23/12, denn damals ergab die Inspektion, dass eine Generalüberholung mit Kosten von über 100.000 Euro an der alten Drehleiter anstünde. Ab diesem Zeitpunkt gab es Überlegungen zur Neuanschaffung. Den erforderlichen Grundsatzbeschluss fasste der Stadtrat am 6. April 2017. Da eine europaweite Ausschreibung erforderlich war, bediente sich die Stadt zur Vorbereitung der Unterlagen eines kompetenten Partners, dem Ingenieurbüro Alexander Diem aus Lappersdorf. Die Kosten betrugen 642.000 Euro. Das Fahrgestell von Daimler Benz kostete 95 000 Euro; der Aufbau kommt von der Firma Rosenbauer mit 582.000 Euro und die Beladung übernahm die Firma Ludwig mit 18.500 Euro. Vor allem Stadtkämmerer Rainer Dötsch und Stützpunktkommandant Mario Dobmayer galt der Dank, die mitverantwortlich für die Neuanschaffung waren. Der Landkreis/WN förderte mit 118.150 Euro und die Regierung der Oberpfalz gab 236.300 Euro. Die Stadt hatte demnach Kosten von 287.000 Euro zu Schultern. Dass die Neuanschaffung eine absolut richtige Entscheidung war, zeigte der 14. August 2018, als ein Servicetechniker der Firma Rosenbauer Risse im Leiterpark feststellte, was die umgehende Stilllegung der Drehleiter zur Folge hatte. Die Zeit bis zur Auslieferung des neuen Rettungsmittels überbrückte die Stadt mit einer baugleichen Ersatzdrehleiter. Kurz vor dem Weihnachtsfest, am 13. Dezember, empfingen die Wehrleute die neue Drehleiter in Vohenstrauß, die dann am 17. Januar offiziell in Dienst gestellt wurde, und bereits zweimal im Einsatz war, bevor nun am Freitag die feierliche Segnung erfolgte.

Der Fauxpas mit dem "Spielzeug":

Bürgermeister Andreas Wutzlhofers erste persönliche Erfahrungen mit einer Drehleiter liegen mittlerweile etwa 28 Jahre zurück, erinnerte er sich. Es handelte sich damals um die nun ausgemusterte Drehleiter Baujahr 1992 mit Kosten in Höhe von 405.000 Euro, die für 9000 Euro in Richtung Dresden verkauft worden ist. Gerade einmal mit 32 Jahren in den Stadtrat und zum Fraktionssprecher gewählt, wurde er zu dieser Zeit mit der Neuanschaffung der Drehleiter konfrontiert. Aufgeboten wurde ein Vorführfahrzeug der Firma Metz. Auch damals waren viele Gäste bei der Feuerwehr versammelt und völlig aus dem Häuschen, was das „Wunderding“ alles konnte, erinnerte der Rathauschef. Viele Leute, Feuerwehrler oder nicht, stellten sich in den Leiterkorb und wurden auf rund 30 Meter Höhe gefahren. Und zu allem Unglück formulierte er damals etwas unbedacht „Ein schönes Spielzeug“. Diese flapsige Bemerkung sollte ihm viele schlaflose Nächte einbringen, da ihm seitens der geballten Feuerwehrkompetenz unmissverständlich zu erkennen gegeben wurde, welche allumfassende feuerwehrtechnische Inkompetenz er mit dieser Aussage bewies. Die Wogen glätteten sich erst wieder, als er Wochen später in die „Höhle des Löwen“ in Form des Feuerwehrstüberls ging und um Nachsicht bat. Danach verließ er sogar als „Verbindungsstadtrat“ zur Feuerwehr das Gerätehaus. Übrigens stammte die erste bekannte Drehleiter aus Frankreich und wurde am 2. Mai 1802 als Prototyp in Paris vorgestellt.

Der evangelische Stadtpfarrer Dieter Schinke und Dekan Alexander Hösl (von links) spenden dem Fahrzeug und allen Feuerwehrkräften, die damit umgehen, den kirchlichen Segen.
Dekan Alexander Hösl besprengt die Teilnehmer üppig mit Weihwasser. Angeblich soll es der Wunsch des Bürgermeisters Andreas Wutzlhofer (Dritter von links) gewesen sein.
Landrat Andreas Meier stellt bei der Gratulation fest: "Ein geiles Teil."
Kreisbrandrat Marco Saller überbringt die Glückwünsche der Mitglieder der Kreisbrandinspektion zur neuen Drehleiter. Nicht nur im Brandschutz sondern auch in der Personenrettung wird das hochtechnische Gerät Einsatz finden.
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