Vohenstrauß
18.10.2024 - 12:28 Uhr
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Selbsthilfegruppe "Leben ohne Sucht" in Vohenstrauß ein Rettungsanker für Betroffene

Manuel Woyschnitzka fand selbst den Weg aus der Sucht und gründete vor 13 Jahre eine Selbsthilfegruppe in Vohenstrauß. Viele suchtkranke Menschen fanden hier Hilfe. Jetzt hat er die Leitung an Patrick Schwab abgegeben.

Wer aus einer Sucht herausfinden will, weiß, wie schwer dieser Weg sein kann. Manuel Woyschnitzka ist diesen Weg vor vielen Jahren gegangen und hilft seit 13 Jahren als Leiter der von ihm gegründeten Selbsthilfegruppe „Leben ohne Sucht“, bekannt in Vohenstrauß und weit darüber hinaus unter L.O.S., Suchtkranken aus ihrer Abhängigkeit. Jetzt will er den Führungsstab weiterreichen, denn seine Familie und seine Freizeit kamen in den vergangenen Jahren viel zu kurz. Patrick Schwab aus Kaimling wird übernehmen.

Manuel Woyschnitzka ist hauptamtlich im Rettungsdienst tätig und auch bei der Stützpunktfeuerwehr sehr aktiv. Man geht dabei oft an seine Grenzen. Bewogen hat ihn damals vor allem, das Thema Sucht in die Öffentlichkeit zu rücken und zu etablieren. „Als Suchtkranker warst du nur der asoziale Penner, Nix-Könner, unterste Schicht“, blickt der 36-Jährige zurück. „Deshalb habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, durch Präventionsarbeit die Bevölkerung aufzuklären, die Sucht als Erkrankung wahrzunehmen, die alle Gesellschaftsschichten treffen kann."

Anderen Menschen helfen

"Es war eine äußerst aufregende Zeit“, sagt er. Seine einschlägigen Erfahrungen mit Suchtmitteln, vor allem Crystal Meth, zeigten ihm, wie schwer es ist, aus der Suchtspirale wegzukommen. Nachdem er es geschafft hatte, wollte er auch anderen Menschen helfen und gründete mit Martin Lang im Jahr 2012 die Selbsthilfegruppe als Anlaufstelle für suchtgefährdete und suchtkranke Menschen.

„Die Gemeinschaft war für viele ein Anker im Lebensalltag“, weiß Woyschnitzka aus seinen Erfahrungen. „Ich wollte mit meiner durchlebten schlechten Vergangenheit als Vorbild für andere handeln.“ Aktuell besuchen 17 Teilnehmer die Selbsthilfegruppe, die sich vierzehntägig im evangelischen Gemeindehaus zusammenfinden. „Eigentlich glaubte bei der Vereinsgründung niemand so recht daran, dass so eine Gruppe notwendig ist. Ich wurde immer belächelt. Selbst der Bürgermeister sah damals keinen Bedarf für eine solche Selbsthilfeorganisation. Überall hieß es, ,Vohenstrauß hat doch kein Drogenproblem`.“

Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. „Am Anfang war der Weg recht mühsam, denn man kann die Abhängigen ja nicht zu einem Entzug zwingen, das muss jeder für sich selbst entscheiden“, sagt Woyschnitzka. Zu Beginn waren es sechs Personen, die regelmäßig kamen. In den 13 Jahren unter seiner Leitung hätten es 43 Personen durch seine Hilfe aus der Sucht geschafft. Insgesamt zählt er 68 Männer und Frauen, die bisher an den stattfindenden Treffen teilnahmen.

Alt und jung betroffen

„Die Gruppe ist ein Rückzugsort für Suchtkranke. Dort erlernen sie Strategien, um mit ihrer Erkrankung umgehen zu können und langfristig trocken oder clean zu bleiben.“ Die Gespräche würden offen geführt, niemand brauche Angst zu haben. In der gemischten Gruppe sind rund 60 Prozent männliche und 40 Prozent weibliche Teilnehmer. Aus allen Gesellschaftsschichten.

In all den Jahren habe er als Suchtberater so viele Schicksalsschläge in den Gruppensitzungen gehört. „Es ist aber wichtig, bei diesem Job die Erlebnisse und Emotionen nicht zu nah an sich heranzulassen, sonst kann man nicht adäquat für die Betroffenen da sein und man rutscht sehr schnell in die Co-Abhängigkeit“, so der bisherige L.O.S.-Leiter. Beispiele, dass es Teilnehmer wirklich aus der Sucht geschafft haben, gebe es, aber aus Datenschutzgründen könne er dazu nicht mehr sagen. Doch genau diese Erfolgserlebnisse hätten ihn immer wieder angespornt weiterzumachen. „Es war herrlich zu erleben, wie aus ehemaligen Suchtabhängigen ohne jegliche Perspektive, plötzlich stolze Familienväter wurden, Betroffene eine Ausbildung absolvierten, ihre MPU (Medizinisch-Psychologische Untersuchung) geschafft haben oder Mütter ihre Kinder zurück bekamen.

Durch seine Einsätze blickte er auch über den Tellerrand hinaus, sammelte Spenden für Obdachlose in Weiden oder initiierte eine Flutopferhilfe in Altenahr. Den Schritt, als Leiter von L.O.S. aufzuhören, habe er sich reiflich überlegt, deswegen gehe er auch mit gemischten Gefühlen, lässt Woyschnitzka durchblicken. „Mein Nachfolger Patrick Schwab aus Kaimling, wird mit seinem Erfahrungsschatz und seiner Empathie stets ein offenes Ohr für die Suchtkranken haben“, ist sich der Scheidende sicher. „Patrick ist genau der Richtige für diesen harten Job.“

Der 33-jährige Patrick Schwab ist Montageleiter im Betrieb seines Vaters und will ebenfalls Vorbild für seine Gruppe sein. Woyschnitzka bedankt sich bei der Stadt Vohenstrauß, bei der Evangelischen Kirchengemeinde und der Caritas Suchtambulanz in Weiden, aber auch bei den Kliniken für die hilfreicheZusammenarbeit in den zurückliegenden Jahren.

Hintergrund:

Kontakt zur Selbsthilfegruppe L.O.S.

  • Die Selbsthilfegruppe „Leben ohne Sucht trifft sich alle 14 Tage freitags um 19 Uhr
  • Treffen im Gruppenraum im evangelischen Gemeindehaus, Sophienstraße 15
  • Neuer Leiter ist Patrick Schwab (33) aus Kaimling
  • Auskünfte unter Telefonnummer 0151/70 271 300
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