31.01.2020 - 10:30 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Skisaison fällt wohl ins Wasser

Die Liftbetreiber und Rennteams in den verschiedenen Abteilungen in der Region warten auf Schnee. Doch der ist nicht in Sicht.

Im Ski- und Snowboardzentrum Fahrenberg steht der Lift heuer still. Die Wintersaison fällt aus.
von Elisabeth DobmayerProfil

Der Glücksrausch, slalomwedelnd den Fahrenberg hinunterzusausen, kann heuer nicht gestillt werden. „Skifahren fällt für den Turnverein Vohenstrauß als Betreiber des Ski- und Snowboardzentrums Fahrenberg in diesem Winterhalbjahr definitiv aus“, versprüht TV-Vorsitzender Klaus Nigg kaum mehr Zuversicht auf den Einsatz des Lifts. Zwar habe man bei den niedrigeren Temperaturen zwischen Weihnachten und Neujahr voller Hoffnung auf die bevorstehende Wintersaison eine Nacht lang die Beschneiungsanlage in Betrieb genommen, jedoch danach gleich wieder aufgegeben, da es wieder wärmer wurde, auch in den Nächten. Klaus Nigg als Verantwortlicher will erneut die Gemeinden um finanzielle Unterstützung bitten, was schon einmal nach einer miesen Saison der Fall war. Neben dem Landkreis Neustadt/WN hätten jedoch nur die Gemeinden Vohenstrauß, Waldthurn und Pleystein auf dieses Bittschreiben positiv reagiert. Klar, dass diese Vereine den größten Nutzen aus dieser Anlage ziehen und den besonderen Wert erkennen, insbesondere in der Nachwuchsarbeit. „Wenn wir wenigstens den Schulen wieder die Skikurse ermöglichen hätten können“, wünschte sich Nigg. Zumindest sollten alle Kinder das Skifahren erlernen. Was sie später damit machen und ob sie sich einen Skiurlaub leisten können, bleibe ja jedem Heranwachsenden selbst überlassen. Doch wenn kein Schnee liegt, können wir auch den Schulbetrieb nicht bedienen. Je weniger junge Leute allerdings auf die Ski steigen, umso weniger frönen sie der Passion Alpin Ski und kommen in die Vereine.

Wenn es zukünftig mit derart schlechten Bedingungen am Fahrenberg weitergeht, werde sich auch der verantwortliche Turnverein Gedanken machen müssen. Bis eine Piste freigegeben wird, steckt der Verein viel Geld in den Betrieb. Auf Dauer könne das nicht gelingen, ist Nigg sicher.

Früher konnten Skisportler um diese Zeit im Januar ihre Bretter anschnallen und den Abhang hinunter sausen. Derzeit ist kein Schnee in Sicht und die Piste nur leicht überzuckert. Nicht einmal der Gipfel ist ganz weiß und genauso mau schaut es bei all den anderen Skiliftbetreibern zum Beispiel am Wurmstein bei Flossenbürg aus. Der ausbleibende Winter verlangt den aktiven und engagierten Skiabteilungen viel Kreativität ab, wenn sie ihrem Sport nachgehen wollen. Oberpfalzmedien hat bei einzelnen Abteilungen in der Region nachgefragt. Es gilt Alternativen zum Schneesport zu finden.

Ski-Abteilungsleiter Martin Schaller vom TV Floß versicherte: „Wir verstehen unsere Vereinsarbeit schon im regionalen Handeln, Sport vor Ort und kurze Wege.“ Wobei die jungen Leute und Erwachsenen im Alter von 18 bis 30 Jahren vermehrt am Wochenende in die Berge ausweichen. „Mit Skifahren im Schnee gewinnt man dem Winter die schönen Seiten ab.“ Der Zuspruch für die Kinderskikurse des TV Floss ist ungebrochen, wenn auch nur auf kurzfristige Sicht. Schaller weiß aber auch, dass sich die Winter aufgrund der klimatischen Veränderungen wandeln werden und damit unausweichlich der Wintersport. „Die Zunahme der Mountainbiker ist sicher ein erstes Indiz“, erkennt Schaller. „Die Natur gibt uns die Möglichkeit den Outdoorsport zu betreiben, wir müssen uns deswegen einfach anpassen.“ Klar sei ihm aber, dass maschinell erzeugter Schnee über die Schneekanonen zwar unterstützen kann, „doch nur auf weißen Bänder Skifahren ist sicher nicht die Zukunft“, sagte Schaller. Wenn die Sportler des TV Floß zu Renntrainings oder zu Aus- und Fortbildungen für den Skisport unterwegs sind, gewährt der Verein einen Zuschuss. Private Unternehmungen auf die Skipisten werden allerdings nicht unterstützt.

Der Vohenstraußer Abteilungsleiter des Ski-Rennteams, Markus Baierl, bringt die missliche Schneelage auf den Punkt: „Das tut uns einfach weh.“ Euphorisch waren die Wintersportler im vergangenen Jahr am Beginn der Saison in den Herbstferien auf dem Stubaier Gletscher unterwegs, um sich fit zu machen. Eineinhalb Tage investierten die jungen Übungsleiter in die Verbesserung der Technik und zwei Tage mit Kurzkippern in die Slalom-Technik und das damit verbundene Stangentraining. „Allerdings war selbst in den Herbstferien auf dem Gletscher wenig Schnee und nicht alle Liftanlagen waren geöffnet, was dementsprechend zu langen Wartezeiten führte.“ Im Dezember nahm eine kleine Gruppe noch einmal die Tour auf den Stubaier Gletscher auf sich. Erst kürzlich wich das Rennteam ins tschechische Skigebiet Klinovec (Keilberg) aus und Mitte Januar war das Rennteam zu einem Tagesausflug am Arber unterwegs. Bei Nebel und leichtem Schneefall sorgten die laufenden Schneekanonen zusätzlich für schlechte Sicht, beklagte der Abteilungsleiter. Weil aber deswegen wenig Skifahrer unterwegs waren, gab es so gut wie keine Wartezeiten an den Sessel- und Gondelbahnen, so dass die Ski-Asse ohne Pausen ausgiebig unterwegs waren. „Die schlechte Sicht, der tiefe Schnee und die hügeligen Pisten machten diesen Ausflug zu einer intensiven Trainingseinheit.“ Eigentlich wollte Markus Baierl noch eine Trainingseinheit am Tegernsee anleiern, aber daraus wurde wegen der schlechten Ausgangslage mit der weißen Pracht nichts mehr. „Da leidet dann schon die Motivation darunter.“ Weil das Team ganz verstreut von Waidhaus bis Weiden wohnt, fahre man nicht gemeinsam sondern jede Familie auf eigene Faust. „Ohne die Unterstützung der Eltern wäre das Training in dieser Form einfach nicht machbar“, versichert Baierl, der das Engagement ungemein schätzt. Schwierig sei es auch alle unter einem Hut zu bringen, da einige Eltern am Wochenende Dienst zum Beispiel als Ärzte am Klinikum leisten müssen. Trotzdem freuen sich die Rennteams über jeden Start den sie noch hinlegen können. Das Ausweichen auf weitentfernte Skigebiete bedeutet natürlich einen viel höheren Aufwand für Trainer und Eltern.

Die Pleysteiner TSV-Nachwuchsrennläufer gehen es etwas ruhiger an. Abteilungsleiter Christian Enslein hält die Jugendlichen bei der wöchentlichen Skigymnastik in der Turnhalle bei Laune. Zwar sei man auch im Arbergbiet unterwegs gewesen, doch selbst da hätten nicht alle Lifte wegen der niedrigen Schneelage geöffnet. Gefahren wird auf eigene Kosten und privat. Froh wäre er gewesen, wenn wenigstens auf dem Fahrenberg die Kinderliftanlage genutzt werden hätte können, um den Kleinsten die ersten Schritte auf den Brettern zu ermöglichen.

Nicht einmal der Kinderskilift im Ski- und Snowboardzentrum Fahrenberg, den der TSV Pleystein betreibt, geht in Betrieb. Die Schneeauflage reicht einfach nicht aus.
Keine Arbeit für den Pistenbulli.
Der Blick vom Fahrenberg über den Skilift macht die schlechte Ausgangslage für Skisportler deutlich.
Heuer wurden nicht einmal die Bügel in die Liftanlage eingehängt. Die Aussichten waren einfach zu schlecht.
Skifahrer würden sich die weiße Pracht wünschen.
So könnte der Betrieb laufen.
Die Skiläufer des TSV Pleystein trainierten auf dem Arber.
Die Skiläufer des TSV Pleystein trainierten auf dem Arber.
Die Skiläufer des TSV Pleystein trainierten auf dem Arber.
Das Vohenstraußer Rennteam war zum Training auf dem Stubaier Gletscher. Doch auch hier liegt wenig Schnee.
Nachwuchsläufer beim Üben.
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