23.12.2018 - 09:49 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Stimmung passt nicht ins Paket

Erst wenn die Lieferzeit bis zum Heiligabend nicht mehr ausreicht, kommen die Kunden in das Geschäft von Klaus Ringholz. Zur Weihnachtszeit wird die Auswirkung des wachsenden Onlinehandels auf kleine Läden besonders deutlich.

Silbrig-weiße Dekoartikel sind in diesem Jahr gefragt.
von Dominik Konrad Kontakt Profil

Das Weihnachtsgeschäft von Klaus Ringholz hat erst einige Tage vor Weihnachten begonnen. "Das verschiebt sich immer weiter nach hinten", sagt der Inhaber von "Uhren Bauer". Seit vielen Jahren spürt er den Einfluss des Internethandels. Inzwischen wird es immer deutlicher. Uhren und Schmuck sind typische Weihnachtsgeschenke. "Zu dieser Zeit war eigentlich vor ein paar Jahren Ausnahmezustand."

Doch die Leute kaufen lieber Online. Oder kurz vor Weihnachten kommen die Spätzünder, sagt Ringholz, weil das Paket nicht mehr rechtzeitig vor Weihnachten ankommen wird. "Man merkt ganz klar, die junge Kundschaft fehlt. Auch meine drei Söhne bestellen im Internet. Denen sage ich: 'Ihr sägt an eurem eigenen Ast.'" Auch Maria Lang, Inhaberin von drei Geschäften in Vohenstrauß, merkt den Umbruch. "Die Digitalisierung ist nicht aufzuhalten. Diese Geschäfte hier wird es bald nicht mehr geben. Aber man muss halt trotzdem bemüht sein und das Beste draus machen."

Bei den Spielwaren etwa sind zu Weihnachten weiterhin Plüschtiere, etwa von "Sterntaler" beliebt. Auch eine Kugelbahn von Haba kommt unter den Christbaum. Und Spiele und Spielfiguren sind gefragt. Typische Weihnachtsgeschenke sind auch Hochstühle und Lammfell-Fußsäcke. Im Sportgeschäft verkaufen sich um die Weihnachtszeit Skier und Skihelme, in "Leder Lang" gehen laut Inhaberin Geldbeutel, Schmuckkoffer, Handtaschen und Schultaschen über die Theke. Einiges verkauft Familie Lang inzwischen aber auch selbst Online. Auf Amazon oder auf dem eigenen Internet-Shop.

Etwas weniger getroffen vom Online-Boom ist die Buchhandlung Rupprecht. Filialleiter Johannes Beugler sagt, das Buch ist weiterhin Geschenk Nummer eins. Viele Kunden lassen sich beraten. Krimis, etwa von Nele Neuhaus oder Thriller von Sebastian Fitzek landen oft unterm Baum. Auch Biographien sind inzwischen gefragt. "Sie sind romanhaft und oft ansprechend geschrieben", weiß der Buchhändler. Beliebt ist etwa "Becoming" von Michelle Obama. Bei den Jugendbüchern schneidet "Thalamus" von Ursula Poznanski gut ab. Außerdem beliebt: "Gregs Tagebuch". "Das läuft und läuft", sagt Beugler.

Im Haushaltswarengeschäft "Ernst Stahl" haben die Kunden vor allem Deko-Artikel gekauft. "Vasen, Schalen, Engel und so weiter", sagt Inhaber Gerhard Stahl. In diesem Jahr macht er als Trend im Dekobereich weiß-silber aus. Geschenkt werden auch Elektrogeräte wie Kaffeemaschinen, Wasserkocher, Allesschneider oder Schnellkochtöpfe. Bei "Grießl Raum & Design" sind zur Weihnachtszeit Tischdecken, Kissen, Handtücher und Bettwäche verkauft worden. Außerdem begehrt: die Marke "PIP Studio". Von Porzellan bis Bademantel wird dort alles in Pastellfarben mit Blumenmustern angeboten. "Darüber freut sich jedes Mädchen", sagt Grießl.

"Ich bin überzeugt, dass der Schmuckverkauf zurückgegangen ist", sagt die Inhaberin von Optik Fuß, Sabine Fuß. Hauptsächlich würden die Männer bei ihr für die Frauen kaufen. Da sei das Verhalten ganz unterschiedlich: "Sie lassen sich gerne beraten, kaufen auch ein Set." Manche wüssten sofort, was sie kaufen wollen, manche Männer seien sehr unsicher und stünden drei Stunden bei ihr im Geschäft. Obwohl Fuß laut eigener Aussage schon etwas vom Weihnachtsgeschäft gespürt hat, geht der Verkauf ihrer Einschätzung nach besonders in den vergangenen zwei Jahren spürbar zurück.

Schmuckverkäufer Ringholz hat das Geschäft inzwischen abgehakt. Er denkt ans nächste Jahr: "Trotz Internet braucht man einen Service", sagt er. "Die Uhren im Internet passen nicht. Im vergangenen Jahr haben wir bei 30 Uhren die Bänder gekürzt, die die Leute im Internet bestellt haben. Früher waren das in der Zeit drei oder vier."

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