07.06.2019 - 10:55 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Straßenbreite genießt oberste Priorität

Der Stadtrat befasst sich mit der Neugestaltung der Pleysteiner Straße. Es wird einige Änderungen geben. Platz für einen breiteren Gehweg oder einen Fahrradstreifen ist jedoch nicht.

Zwischen der Friedhofsmauer (links) und den Parkplätzen sehen Planer und Stadtverwaltung keine Möglichkeit für eine Verbreiterung des Gehwegs auf über zwei Meter.
von Josef ForsterProfil

Nachdem das Architekturbüro Liebl & Partner aus Tännesberg die Umgestaltung der Bahnhofstraße planen und begleiten durfte, dankte Hubert Liebl in der Stadtratssitzung am Donnerstag für das erneute Vertrauen beim Ausbau rund um den Haupteingang des städtischen Friedhofs. Die vorgesehene Fläche für eine Durchgrünung und den Ausbau der Verkehrsflächen erstrecke sich bis zum bereits ausgebauten Teil des Einmündungsbereichs in die Siedlerstraße. Rund um den Kreuzungsbereich mit der Wallstraße schlug Liebl großflächige Pflasterbereiche vor. Ein „Naschgarten“, der sich zum „Insektengarten“ entwickeln könne, schwebte dem Architekt für die aktuell von einem angrenzenden Autohaus genutzte Fläche vor. Nach ersten Gesprächen mit den Betroffenen gingen die weiteren Planungen für dieses städtische Grundstück nun jedoch in Richtung eines „Multifunktionsgeländes, auf dem wahrscheinlich auch wieder Autos stehen werden“.

In die Wallstraße hinein erstrecke sich das Sanierungsgebiet bis zum Beginn der ausgewiesenen Spielstraße. Großräumig um den zentralen Friedhofszugang präsentierte der Planer üppig bestückte Grünzonen auf beiden Seiten der Pleysteiner Straße. Seine Zusammenstellung der aktuellen Kostenermittlung wies insgesamt rund 1,25 Millionen Euro auf, wobei auf die Stadt 260 000 Euro als Eigenanteil entfielen. Der größere Restbetrag kommme durch Zuschüsse aus der Städtebauförderung und durch bayerische Gemeindeverkehrsmittel wieder herein. Eine Fahrradspur vermisste Dorit Schmid (Freie Wähler) im Entwurf. „Wir sind überall am unteren Limit“, sagte Liebl hinsichtlich der geringen Planungsfläche zwischen der Zufahrt zum Freibad und der Siedlerstraße. „Das kann ich unmöglich gutheißen“, ergänzte Bürgermeister Andreas Wutzlhofer unter Hinweis auf den reduzierten Straßenraum.

Der Architekt begründete seine Entscheidung mit der geringen Breite von nur zwei Metern allein für den Gehweg. Alles andere zöge einen gänzlichen Verzicht des bereits sehr schmal geplanten Grün- und Baumstreifens gegenüber nach sich: „Der Querschnitt gibt das nicht her.“ Johann Gösl (FDP/Unabhängige Wähler) bat „zumindest entlang der Parkplatzreihe um eine Änderung in einen kombinierten Geh- und Radweg bis auf Höhe der Zufahrt zum Freibad“. Diesem Wunsch erteilte Wutzlhofer zunächst keine Absage. Weil aber die Friedhofsmauer auf ganzer Länge auch hier den zur Verfügung stehenden Raum begrenze, ginge diese Lösung zu Lasten der Parkplätze. Aufgrund „immer größer und breiter werdenden Autos“, riet der Bürgermeister davon ab. Dazu bestätigte der Architekt die vorgesehene Breite von ebenfalls nur zwei Metern für den Gehweg in diesem Bereich. Einzig zwischen der Wallstraße und dem Friedhofseingang weite sich der Gehweg auf 2,50 Meter.

Schon der erforderliche Sicherheitsabstand zur Straße lasse keine andere Möglichkeiten für Fußgänger und Radfahrer zu. „Das wäre zwar wünschenswert, aber es geht aus Platzproblemen nicht“, bekräftigte Wutzlhofer die Argumentation des Architekten und sagte: „Ich beschildere nichts und unterschreibe keine verkehrsrechtliche Anordnung, wenn das rechtlich nicht zulässig ist.“ Stadträtin Schmid sah deshalb die Notwendigkeit, bei kommenden Planungen und weiteren Projekten ein Augenmerk auf Radwege zu legen. „Da brauche ich ein Gesamtkonzept, sonst bleibt das nur Stückwerk. Das ist nichts“, winkte der Bürgermeister ab: „Das ist für mich ein Stück weit Utopie.“

Von der Menge der vorgesehenen Bäume war Gabi Eichl (Freie Wähler) angetan: „Sind die nur ‚pro forma‘ oder werden dieses Mal echte Bäume gepflanzt?“ Liebl bestätigte ihr den Einsatz kleiner Arten, wie beispielsweise der Säulenhainbuche, im Bereich der Bahnhofstraße, was jedoch nach Rücksprache mit der Gartenfachberaterin des Landkreises erfolgt sei. Während Wutzlhofer ergänzte, für die Pleysteiner Straße sei noch keine Entscheidung im Detail getroffen, riet Außendienstleiter Karl Frey sofort ab: „Für richtige Großbäume haben wir im Stadtbereich keine Chance. Der Platz in den Streifenflächen ist nicht da und da kommt auch zu wenig Wasser für große Bäume hinein.“ Ums „Drandenken“ an Leerrohre bat zweiter Bürgermeister Uli Münchmeier (CSU), was Frey für den Gehweg bestätigte. Außerdem wollte Münchmeier wissen, ob hinter dem angekündigten Insektengarten ein „pädagogisches Konzept“ dahinterstehe.

Der Architekt bestätigte ein Vorgehen wie bei der Umgestaltung der Bahnhofstraße. Eine Probebohrung, bei der „belastetes Material“ auf Höhe der Liedlpaintstraße gefunden worden sei, brachte Heinrich Rewitzer (SPD) zur Sprache. „Konkrete Untersuchungen müssen zeigen, in welchem Ausmaß dieses teerhaltige Material ist“, antwortete ihm Liebl: „Es kann sein, dass da alte Restbestände im Untergrund sind. Das muss dann natürlich fachgerecht entsorgt werden.“ Vor der Abstimmung resümierte Wutzlhofer: „Das wird ein gelungenes Werk, aber die Verwirklichung fällt in eine Zeit, wo hochpreisige Bauangebote zu erwarten sind. Dafür kann aber niemand etwas.“ Ein Weitermachen sei begründet, weil es sich um ein Haupteinfallstor der Stadt handle: „Ich denke, das wird eine sehr aufgelockerte, durchgrünte Straßenbaumaßnahme werden. Ich denke auch, dass sich die Stadt den damit verbundenen Eigenanteil leisten kann.“ Beinahe versöhnlich fügte das Stadtoberhaupt nach dem einstimmigen Beschluss hinzu: „Das Radwegekonzept habe ich mir notiert. Mal sehen, was dabei raus kommt.“

Beidseits der Pleysteiner Straße sieht der Entwurf des Architektenbüros großzügige Grünflächen vor. Aus dem städtischen Grundstück, das aktuell ein Autohaus für seine Fahrzeugpräsentation nutzt (links), soll ein Multifunktionsgelände werden.
Aufgrund des begrenzten Verkehrsraums am Auslauf der Pleysteiner Straße erteilten die Verantwortlichen dem Wunsch nach einem Radweg eine Absage.
Ein ausgeprägter Kreuzungsbereich mit großzügigen Pflasterbereichen soll ebenfalls entstehen.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.