04.01.2019 - 12:09 Uhr
VohenstraußOberpfalz

"Ich bin totaler Faschingsmuffel"

Der Vorsitzende des Vohenstraußer Faschingsvereins (VFV), Gerald Grosser, organisiert gerne Feiern, würde aber selbst nicht als Besucher auf einen Ball gehen. Im Interview spekuliert er über die Gründe für den Erfolg des Verbands.

Die Vereinsmitglieder Claudia Stahl und Daniel Meidenbauer arbeiten an der Saaldekoration.
von Dominik Konrad Kontakt Profil

Der Inthronisationsball des VFV ist bereits mehr als eine Woche vor dem 12. Januar ausverkauft. Die Veranstaltung wird immer beliebter. Für Vorsitzenden Grosser ein Zeichen der guten Arbeit seiner Truppe.

ONETZ: Im vergangenen Jahr war der Inthronisationsball des Vohenstraußer Faschingsvereins ein Besuchermagnet. VFV-Mitglieder erkannten sich an gehörnten Blechhelmen. Bürgermeister Andreas Wutzlhofer flüchtete vor grimmigen Wikingerfrauen. Lag der Erfolg am Thema?

Gerald Grosser: Nein. Die Besucher konnten sich eigentlich unter „VFV-Saga“ nicht viel vorstellen. Im vergangenen Jahr waren wir am Abend der Veranstaltung ausverkauft. In diesem Jahr sind wir das jetzt schon.

ONETZ: Das bedeutet noch einmal eine deutliche Steigerung.

Der jetzige Vorstand ist das vierte Jahr gewählt. In der Zeit haben wir scheinbar einiges gut gemacht. Ich wurde damals gefragt, ob ich wieder kandidieren will. Vor der Wahl haben wir vier Klausurtagungen gemacht und uns überlegt, wie wir uns aufstellen könnten. Wir haben einfach gute Leute. Vielleicht geht der Erfolg auch auf den Service und das Angebot zurück. Unser Hauptziel ist, den Fasching zu gestalten. Wir haben jedes Jahr ein komplett anderes Motto mit anderer Deko und anderem Bühnenbild, und ich glaube, da liegen wir nicht so komplett falsch.

ONETZ: Der Verein hat mit der Stadthalle einen Veranstaltungsort, den er gepachtet hat und für den er selbst verantwortlich ist.

Ja, nach langem Hin und Her seit 2007. In diesen über zehn Jahren standen einige Umbauten an, die wir zusammen mit der Stadt angegangen sind. Ein paar Beispiele: Wir haben die Toiletten saniert, ein Behinderten-WC geschaffen, einen zweiten Ausschank eingerichtet, die Technik stetig verbessert und ein Stuhllager geschaffen. Außerdem lag das Lokal zuletzt brach. Für uns war das problematisch, weil wir ja für unsere Veranstaltungen keine Küche hatten. Ein Ball oder eine Hochzeit ohne Essen sind halt schlecht. Wir haben es mit Catering probiert, das hat auch funktioniert. Dann haben wir mit der Stadt geredet: "Das Lokal steht leer, die Küche steht leer." Der Andi (Bürgermeister Andreas Wutzlhofer, Anm. d. Red.) hat irgendwann auch gesagt, „das ist nicht gut“, und seit Januar 2017 haben wir die komplette Stadthalle mit Lokal gepachtet.

Du kannst in der fünften Jahreszeit von deinem Alltag weggehen und einfach feiern. Das kann jeder, egal, was er beruflich macht.

Gerald Grosser, Vorsitzender des Vohenstraußer Faschingsvereins

ONETZ: Wie groß ist das finanzielle Risiko durch Pacht und Veranstaltungen?

Wir planen von Veranstaltung zu Veranstaltung. Allerdings ist es im Fasching natürlich schon gefährlicher: Du hast fünf Veranstaltungen. Das heißt, du musst fünfmal Band und fünfmal Personal bezahlen. Wenn was nicht läuft, könntest du draufzahlen. Aber die Veranstaltungen im Jahr planen wir so, dass wir nicht kaputt sind, wenn eine in die Hose geht. Wir machen keine Veranstaltung von der wir sagen, wenn keiner kommt, haben wir 20.000 bis 30.000 Euro Verlust.

ONETZ: Bietet die Faschingszeit eine Chance, mit Vollgas ins neue Jahr zu starten?

Grundsätzlich sparen wir im Vorjahr die Gelder für den Fasching. Die Vorleistung ist enorm, übrigens für jeden Faschingsverein. Du musst für alle Garden Kostüme beschaffen, vom Hut bis zu den Schuhen. Du brauchst ein Bühnenbild, du brauchst eine Saaldekoration. Wenn ein Fasching super läuft, hast du den Effekt, dass du die Ausgaben wieder reinspielst. Und dementsprechend hast du dann, wenn es läuft, einen guten Start, das ist schon richtig. Aber wir versuchen uns möglichst nicht davon abhängig zu machen, wir schauen, dass wir eine solide Basis haben. Wir bezahlen auch nur das, was nötig ist.

ONETZ: Lebt Fasching nicht vom Prunk, von der Übertreibung, also davon, etwas zu machen, was nicht unbedingt sinnvoll oder nötig ist?

Ich bin totaler Faschingsmuffel. Ich habe mir nie was aus Fasching gemacht. Ich würde mich nicht verkleiden und auf einen Ball gehen. Als Vorsitzender bekomme ich das Gewand gestellt. Aber ich organisiere Fasching gerne, und ich finde, er macht schon Sinn. Du kannst in der fünften Jahreszeit von deinem Alltag weggehen und einfach feiern. Das kann jeder, egal, was er beruflich macht. Wir wollen Stadt und Region was bieten. Wir haben ja noch richtige Bälle, mit toller Musik, Auftritten, …

ONETZ: Das Motto in diesem Jahr lautet „Games of Nations“. Es wird also sportlich. Können Sie schon eine Überraschung zum Programm verraten?

Nein. Wenn ich das verraten würde, wäre es keine Überraschung mehr auf den Bällen. Es dreht sich tatsächlich viel um Sport und dessen Interpretation auf tänzerische Weise. Wir wollten es eigentlich „Olympiade“ oder Olympische Spiele“ nennen, aber da hätten wir eine teure Lizenz kaufen müssen.

ONETZ: Wie tief stecken Sie selbst in den Vorbereitungen?

Wir haben eine klare Aufteilung. Ich kümmere mich um die Stadthalle und das Drumherum sowie die Bands. Bei Katja Ring läuft alles zusammen, was sich um den Fasching dreht. Aline Schneider hat die Verantwortung für die Kostüme. Tobias Plödt und Thomas Daschner kümmern sich um die Shows, angefangen von der Proklamation bis zum Kinderfasching. Der technische Leiter ist in diesem Jahr Thomas Grundler und zuständig fürs Bühnenbild, Andy Fritsch für die Licht- und Soundtechnik. Der Rest des Vorstands kümmert sich um alles, was wir sonst noch brauchen. Wir sind derzeit jeden Tag in der Stadthalle. Es ist jeden Abend Training, und jeden Tag wird geschraubt, gesägt, gehämmert und gemalt, bis am Mittwoch hoffentlich alles steht. Freitag ist Generalprobe, Samstag der Inthroball.

ONETZ: Ab dem 12. Januar gibt es ungefähr alle zwei Wochen eine große Party. Wie viel Routine ist das inzwischen für den Verein?

Gewisse Abläufe sind sehr routiniert. Allerdings muss sich der VFV jedes Jahr auf ein neues Thema vorbereiten. Bis Juli wird das Motto gefunden, dann brauchst du die Musik, dann muss dir einfallen, was man dazu tanzen kann. Dann setzt du dich mit den Trainern zusammen. Das Thema "Wikinger" im vergangenen Jahr war ganz schwierig, hat aber funktioniert. Die Techniker müssen sich das Bühnenbild überlegen. Manche Dinge kannst du wiederverwenden. Ab September trainieren die Garden. Aber jeder weiß natürlich, wie ein Ball abläuft, und es gibt ein starkes Team. Es gibt keine Probleme, nur Lösungen.

Zweite VFV-Vorsitzende Katja Ring (rechts) und Beisitzerin Kathrin Wutzlhofer arbeiten an den Kostümen.
Jugendgardetrainerin Theresa Rauh (vorne), Michaela Pflaum und Jugendgardetrainerin Anika Windirsch (hinten) bearbeiten die Kostümen der Jugendgarde.
Vorsitzender Gerald Grosser, Sebastian Beierl, Christoph Pschierer, stellvertretender Organisationsleiter Josef Pflaum junior und Beppo Schuller (von links) arbeiten an der Dekoration.
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