19.06.2020 - 10:22 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Urlaub 2020: "Ausruhen daham"

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Rein in den Flieger und weit, weit weg. Dieser Plan ist heuer schwer umsetzbar. Viele Urlauber steuern stattdessen heimische Regionen an oder machen es sich auf Balkonien gemütlich. Wie planen Leiter von Tourismusbüros ihre Ferien?

Wohin soll man reisen, wenn man von seinem Balkon aus solch einen Ausblick genießt? In der Oberpfalz - wie hier in Leuchtenberg - kann man sich auf Balkonien sehr gut entspannen.
von Christine Walbert Kontakt Profil

Fragt man Jutta Schmid, Tourismusbüroleiterin in Tännesberg, nach ihren Urlaubszielen 2020, dann muss sie nicht lange überlegen: „Balkonien“. Bei all den Auflagen und Beschränkungen in den Hotels habe sie keine Lust auf eine große Reise. Ihre Kinder haben ihr zum Geburtstag drei Tage am Brombachsee geschenkt. Diesen Kurztrip werde sie Ende August natürlich antreten. „Ansonsten halten wir es sehr gut daheim aus. Es gibt so viele schöne Fleckchen und Möglichkeiten bei uns. Ich werde die freie Zeit daheim genießen und zur Ruhe kommen“, ist sich Schmid sicher.

Petra Reil ist für den Tourismus der Gemeinde Waldthurn verantwortlich. Ihr machte die Pandemie einen dicken Strich durch die Rechnung, was ihre diesjährigen Urlaubspläne anbelangt: „Wir wären Anfang April nach Florida geflogen. Das mussten wir dann ja leider absagen. Von dem Geld aus dem nicht angetretenen Urlaub habe ich mir ein E-Bike gekauft." Anstelle von Florida geht es für die Familie Reil nun fünf Tage an den Bodensee, wo wunderschöne Radwege auf die Ausflügler warten.

Bocklradweg enorm beliebt

„Ich bin nicht die große Urlaubsfahrerin“, gibt die Pleysteiner Tourismusbüroleiterin Maria Herrmann-Preßl zu. Wie geplant werde sie Ende September ihre Ferien in einer Region der neuen Bundesländer verbringen. „Da wollten wir eh schon lange mal hin. Wo genau, wissen wir noch nicht. Das kann das Erzgebirge sein oder das Deutsche Seenland." Ohne Zweifel gebe es laut Herrmann-Preßl seit der Corona-Pandemie den Trend zum Urlaub daheim: „Es kommen ganz viele Einheimische zu uns ins Tourismusbüro und fragen nach Wanderkarten und Prospekten“. Von ihrem Haus aus habe sie einen guten Blick auf den Bocklradweg. Die beliebte Strecke sei heuer noch stärker frequentiert als in den vergangenen Jahren.

Claudia Rieß kümmert sich berufsmäßig um die Urlaubsgäste in Moosbach. Ihre eigenen Ferienpläne sind sehr überschaubar – und das nicht erst seit den Beschränkungen durch Corona: „Ich mache es wie in den letzten Jahren und genieße meinen Urlaub daheim in meinem Rosengarten. Das ist mein großes Hobby. Und da will ich nicht zwei Wochen wegfahren.“ Wenn überhaupt, werde sie höchstens einen Kurzurlaub im Bayerischen Wald verbringen. Radfahren und Wellness stehen bei ihr dann im Vordergrund.

Umplanen musste dagegen Gabriele Buchbinder, Leiterin des Tourismusbüros in Eslarn. „Wir wären heuer nach Spanien geflogen. Jetzt bleiben wir im Lande“. Im Juli werde sie viel mit dem Motorrad unterwegs sein, im Herbst dann eher auf Wanderwegen. „Es ist ja Wahnsinn, war wir hier bei uns an Möglichkeiten haben“, schwärmt die Böhmischbruckerin. Und so erkundet sie die nähere Umgebung mit dem Rad. „Einmal an einer Abzweigung anders abgebogen, und du bekommst gleich etwas Neues zu Gesicht.“ Sie kümmere sich auch leidenschaftlich gerne um ihren Gemüsegarten, den sie neu angelegt hat. „Der wäre ohne Corona bestimmt nicht zustande gekommen“, gibt die Tourismusexpertin offen zu.

Reisen innerhalb Deutschlands

Keinerlei Fernweh verspürt die Waidhauser Tourismusbüroleiterin Heike Bauriedl. Das liege aber keineswegs an Corona. „Wir haben heuer einfach gar nichts geplant. Das steht alles noch in den Sternen. Vielleicht machen wir im Herbst eine Städtereise – aber dann innerhalb Deutschlands.“ In ein Flugzeug werde sie sich aber keinesfalls setzen. „Ich werde radfahren und spazierengehen. Einfach Ausruhen daham!“

Auch der junge Tourismuschef der Stadt Vohenstrauß, Christoph Maier, hat kein Problem damit, seinen Urlaub heuer größtenteils daheim zu verbringen. „Wir wären heuer mal nach Rust in den Europapark gefahren. Jetzt werden wir eventuell einen Wochenendtrip im Bayerischen Wald anpeilen, wenn dann wieder Wellness-Urlaub möglich ist. Das ist ja alles noch sehr unsicher. Aber das Ganze ist nicht tragisch für mich. Ich bin kein Mensch, der große Reisen braucht.“ Nebenbei gebe es für ihn auch noch genug zu tun auf dem Bauernhof seiner Eltern, „also langweilig wird es mir bestimmt nicht“, schmunzelt der 24-jährige Vohenstraußer.

Die Moosbacher Tourismusbüroleiterin Claudia Rieß liebt ihren Garten und verbringt deshalb auch ihren Urlaub größtenteils zu Hause.

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