Vohenstrauß
21.10.2022 - 13:36 Uhr
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Vohenstrauß interessiert sich für Windräder zur Wasserstoffproduktion

Der "Böhmische" Ostwind könnte sich für Vohenstrauß endlich rentieren. Die Kommune überlegt, sich mit vier Windrädern am Wirtschaftsprojekt "BayH2" zu beteiligen. Stadträte und etliche Zuhörer sind sehr interessiert.

Fünf Windräder sind am Horizont zu erkennen. Vier davon stehen auf Vohenstraußer Gemeindebereich. Das erste von links steht bereits auf Moosbacher Grund und Boden. Es ist vom Parkplatz an der Neumühlstraße am Bocklradweg in Vohenstrauß, wo das Bild aufgenommen worden ist, rund 3,8 Kilometer entfernt. Bild: Primus Energie GmbH/exb
Fünf Windräder sind am Horizont zu erkennen. Vier davon stehen auf Vohenstraußer Gemeindebereich. Das erste von links steht bereits auf Moosbacher Grund und Boden. Es ist vom Parkplatz an der Neumühlstraße am Bocklradweg in Vohenstrauß, wo das Bild aufgenommen worden ist, rund 3,8 Kilometer entfernt.

Wenn Bürgermeister Andreas Wutzlhofer zu einer außerordentlichen Stadtratssitzung einlädt, muss die Tagesordnung entsprechend wichtig sein. Tatsächlich elektrisiert das Thema derzeit viele Kommunen, nicht zuletzt, weil es dazu einen klaren Auftrag der Staatsregierung gibt: Die Windkraft muss in Bayern mehr Fahrt aufnehmen. Die Vohenstraußer stehen dazu aktuell in Verhandlungen mit der Firma Primus Energie GmbH aus Regensburg. Primus-Projektleiter Andreas Scharf stellte am Donnerstag das Vorhaben ausführlich vor.

Das Grundprinzip des Projekts "BayH2" basiert auf einer Stromproduktion aus Wind und Sonne, erzeugt vor Ort in den bayerischen Kommunen. Aus den erneuerbaren Energien wird regenerativer Wasserstoff für die bayerische Wirtschaft hergestellt. Projektpartner von Primus Energie ist zum einen Vattenfall. Der Konzern stellt die Technologie bereit und übernimmt den Betrieb der Anlagen. Zum andern wird das Unternehmen Bayernoil in Vohburg bei Ingolstadt den grünen Wasserstoff herstellen. Bereits im kommenden Jahr soll dort der größte Elektrolyser Deutschlands entstehen. Mit dem gewonnenen Wasserstoff werden emissionsarme Kraftstoffe erstellt, die im Tank von Flugzeugen landen. Wasserstoffnetze versorgen Fabriken und nicht zuletzt würden Wasserstoff-Tankstellen errichtet, die vor allem den Schwerverkehr umweltschonender machen.

Kommune profitiert mehrfach

Die bayerischen Gemeinden, die Flächen für Windkraft in diesem Projekt bereitstellen, würden laut Scharf mehrfach profitieren. Neben Einnahmen aus Gewerbesteuer und Flächenverpachtung fließt auch noch Geld über die Kommunalabgabe. Mit der Beteiligung von Bürgern an den Windkraftanlagen wollen die Projektplaner laut Scharf mehr Akzeptanz in der Bevölkerung erlangen. "Das Rädchen dreht sich, und ich verdiene Geld", werden die beteiligten Bürger denken, wenn sie auf die Windräder blicken. Außerdem werde Vattenfall einen attraktiven Bürgerstromtarif anbieten. Weiterer Nebeneffekt: "Wenn neue Wohngebiete ausgewiesen werden, können wir die mit erneuerbaren Energien versorgen", betonte der Projektleiter. Das Ziel sei, Wertschöpfungs- und Energieketten zu schließen.

Vohenstrauß verfüge mit über 6,2 Meter pro Sekunde über einen sehr guten Windwert. Geplant seien vier Anlagen, die sich in den Waldgebieten rechts und links der Kreisstraße zwischen Vohenstrauß und Böhmischbruck befinden. Es handle sich hauptsächlich um Kommunalwald oder Flächen der Bayerischen Staatsforsten, die als Partner ebenfalls an dem Projekt beteiligt seien. Die Höhe der Windräder beträgt 250 Meter. Die Flügel haben eine Länge von 80 Metern.

Im Gegensatz zu Solarparks würden Windkraftanlagen nur wenig Platz verbrauchen. Auf 0,4 Hektar können 6 bis 7 Megawatt Strom gefördert werden, mit denen laut Scharf bis zu 4500 Haushalte versorgt werden können. "Wir planen mit Augenmaß. Man könnte noch viel mehr reinstellen", ist sich Scharf sicher. Der Experte wies darauf hin, dass aufgrund eines neuen Bundesgesetzes der Freistaat bis 2026 einen Anteil von 1,1 Prozent seiner Landesfläche als Vorranggebiete für Windräder ausweisen muss, bis 2032 sollen es 1,8 Prozent sein.

Maßstabsgetreue Ansichten

Genaue Standorte könnten noch nicht genannt werden. Es müsse aber jedem klar sein: "Man wird Energieproduktion in Zukunft sehen. Wir werden uns daran gewöhnen." Der Projektleiter hatte im Auftrag der Stadt etliche Bilder mitgebracht, auf denen die fünf Windräder (eine Anlage des Projekts befindet sich auf Moosbacher Gemeindegebiet) durch ein spezielles Programm in der geplanten Umgebung maßstabsgetreu sichtbar werden.

Scharf legte einen sportlichen Zeitplan vor: Dieses Jahr sollten die planerischen Voraussetzungen geschaffen werden, 2023 werden sämtliche Gutachten eingeholt, 2024 geht das Verfahren im Bundesimmissionsschutzgesetz mit Bürgerbeteiligung über die Bühne und 2025 könnte mit dem Bau der Anlagen begonnen werden. "Meine Wunschvorstellung ist, dass wir 2025 ans Netz gehen", meint der Planer.

Nur wenige Stadträte hatten Fragen. Die doch stattliche Höhe der Windräder kam zur Sprache. Scharf betonte, dass damit eben enorme Leistungen einzufahren seien. Der gewonnene Strom werde durch 20 KV-Kabel im Boden abgeleitet. "Im Notfall bauen wir ein Umspannwerk", erklärte Scharf. Auch hinsichtlich des Brandschutzes konnte der Projektleiter Entwarnung geben. Das Thema werde sehr ernst genommen. Auf die örtlichen Feuerwehren komme keine Mehrbelastung zu.

Bestehende Waldwege nutzen

Für den Transport der Windräder durch den Wald würden vornehmlich bestehende Wege genutzt werden. "Wir werden keine Schneisen durch den Wald legen", bekräftigte Scharf. Auf die Frage "Wie viel kostet eigentlich ein Windrad" meinte der Fachmann: "Momentan so etwa sieben bis acht Millionen Euro. Bis wir so weit sind, werden es zehn Millionen Euro sein." Schall- und Schattengutachten seien ebenso selbstverständlich wie Naturschutzmaßnahmen. Nicht zu befürchten sei auch ein "ständiges Geblinke". Die Anlage würde erst blinken, wenn sich in sieben Kilometern ein Flugobjekt nähert.

Bernd Koller (SPD) fragte nach dem Stoff Schwefelhexafluorid, der angeblich beim Bau von Windkraftanlagen zum Einsatz komme und eine sehr starke Treibhauswirkung habe. Scharf konnte dazu nichts sagen. Er will sich aber bei den Herstellern kundig machen, inwieweit der Vorwurf gerechtfertigt sei.

Meldefläche über gefordertem Maß

Der Stadtrat beschloss im nächsten Tagesordnungspunkt einstimmig, das von Primus-Projektleiter Andreas Scharf vorgestellte, rund 162 Hektar große Gebiet dem Planungsverband Oberpfalz-Nord als geeignete Fläche für Windenergieplanung zu melden. "Damit sind wir auf einem sehr guten Weg, weil wir damit 2,16 Prozent unserer Gemeindefläche als Vorranggebiet gemeldet haben." 2032 seien die Gemeinden aufgefordert, 1,8 Prozent ihrer Gesamtfläche für die Erzeugung von Windenergie zu melden. Ob jedoch auf dieser Fläche die Primus Energie GmbH mit ihrer Planung tatsächlich zum Zug kommen wird, ist laut Wutzlhofer eine andere Frage, die der Stadtrat zu gegebener Zeit beantworten wird.

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