19.02.2019 - 10:37 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Vohenstraußer Rettungsschwimmer tauchen in Eiswasser

Das Eis auf dem Eglseeweiher wirkt dick und sicher. Doch ob es auch hält, wenn sich Fußgänger darauf trauen würden? Eis ist tückisch. Deshalb übt die Wasserwacht-Ortsgruppe die Rettung aus dem Wasser.

von Elisabeth DobmayerProfil

Die Mitglieder der Vohenstraußer BRK-Wasserwacht versammelten sich bei 8 Grad und Sonnenschein am Eglseeweiher zur Eisrettungsübung. Viele Schaulustige verfolgten vom Ufer aus die Übung.

Witterungsbedingt sind die Übungsmöglichkeiten sehr begrenzt und nur durch aufwändige Sicherungsmaßnahmen möglich. Die technische Leiterin Julia Eger schaffte es aber trotzdem, wieder eine praktische Vorführung zu organisieren. Zuvor unterwies Rettungsschwimmausbilder Andreas Artinger das Team in Theorie und gab praktische Tipps. Rettungstaucher Martin Frischholz hatte vor der Aktion die Eisfläche überprüft. Er war überrascht, dass der Weiher noch so dick zugefroren war. "Das war selbst von außen nicht erkennbar." Er öffnete die 20 Zentimeter dicke Eisfläche mit der Motorsäge und schnitt einen gehörigen Block heraus "Wir wollen mit dieser Übung den praktischen Kenntnisstand auffrischen und den Umgang mit der Ausrüstung üben", erklärte Artinger. Im Notfall müsse alles sehr schnell gehen: Wasserrettungsanzüge überstreifen und den Eisrettungsschlitten bereit machen. "Professionelle Zusammenarbeit ist oberstes Gebot der Retter", meinte der Rettungsschwimmer.

Sicherheit hat Vorrang

Frischholz tauchte anschließend im nur 2 Grad Celsius kalten Wasser ab und mimte einen Verunglückten. Die Rettungsschwimmer Corbinian Kraus, Markus Weig und Adrian Walbrunn, die sich auch bei der Stützpunktwehr engagieren, wussten sofort, was zu tun ist. Am Uferrand sicherten die aktiven Wasserwachtmitglieder Andreas Beierl, Ulrike Groß und Edeltraud Pilfusek die Rettungsaktion ab. Das Anleinen und die Rettungsweste haben für die Helfer auch im Ernstfall absolute Priorität zur Eigensicherung.

Vor einem Einsatz muss immer auch die Situation am Gewässer inspiziert werden: Zu- und Ablauf, Hindernisse, die unbekannte Wassertiefe oder Eisdicke. Nachdem sich etliche Zuschauer am Übungsort einfanden, nutzten die Rettungsschwimmer die Situation und klärten auch Passanten über das Verhalten und die Gefahren an winterlichen Gewässern auf oder gaben entscheidende Tipps. "Die Eisdecke ist von außen schwer einzuschätzen", erklärte Frischholz. Potentielle Schlittschuhläufer oder Eisstockschützen sollten es derzeit nicht darauf ankommen lassen und sich auf die Eisfläche trauen. "Da bestünde absolute Lebensgefahr", wissen die Experten. Insbesondere an bewachsenen Randbereichen und nahe an Abflüssen könnte man sehr schnell ins Wasser einbrechen. "Sich selbst zu befreien, ist dann sehr schwierig und kräftezehrend bis unmöglich", versichern die Retter.

Ruhe bewahren

Um eine Person tragen zu können, müsste eine Eisschicht mindestens zehn Zentimeter dick zugefroren sein. Faktoren wie Strömungen, Abstand zum Grund, Schneedecke oder die Sonneneinstrahlung sind dabei außerdem entscheidend. So könnten Wasserpflanzen oder Pfähle die Wärme ins Eis leiten. "Brechendes Eis kündigt sich durch Knacken an", sagt Artinger. Ich solchen Fällen raten die Fachleute, sich sofort auf das Eis zu legen, um das Gewicht auf eine größere Fläche zu verteilen und sich auf demselben Weg wieder zurück aus der Gefahrenstelle zu entfernen. Sollte es aber doch passieren und ein Mensch eingebrochen sein, gilt es, Ruhe zu bewahren und um Hilfe zu rufen, aber sich wenig zu bewegen, denn der Körper kühlt im Wasser 27 Mal schneller aus. "Es droht die Gefahr der Unterkühlung und nachfolgend im Wasser unterzugehen."

Bei der praktischen Übung näherten sich die Retter dem Verunglückten blitzschnell über die Eisfläche mit dem Eisrettungsschlitten. Schnell packten ihn die Helfer mit großer Kraft und zogen ihn behände mit Hilfe der Einsatzkräfte am Ufer auf rettenden Boden. "Der Unterkühlte darf nicht bewegt und nur liegend transportiert werden", erklärten die Experten den Zuschauern.

Jeder Teilnehmer der Übung schlüpfte jeweils in die Rolle des Verunglückten als auch des Retters, um jede Position, vor allem auch das Eintauchen in Eiswasser, am eigenen Leib zu fühlen. Mit dem Ergebnis waren die professionellen Retter sehr zufrieden, zeigte es doch die gut eingespielten Abläufe und insbesondere auch, dass das theoretische Wissen praktisch erfolgreich eingesetzt werden kann.

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