Die Stadt Vohenstrauß ist laut Bürgermeister Uli Münchmeier in der komfortablen Lage, künftig im besten Fall sogar drei Wärmenetzbetreiber am Ort zu haben. Die Stadt wolle sich in Sachen Wärmeversorgung möglichst zügig „unabhängig machen von Ölscheichs und geopolitischen Krisen“. Neben der Waldbesitzervereinigung, die an der Erweiterung der Kapazitäten ihres Heizwerks arbeite, seien nun zwei weitere Investoren im Rennen. Hinter dem geplanten Wolf-Wärmenetz Vohenstrauß steht das Ehepaar Sarah und Christian Wolf. Ein weiteres Projekt ist im Gebiet der Baugenossenschaft (Vohenstrauß Ost) geplant. Die Investoren sind hier Hans und Jonas Feneis.
Christian und Sarah Wolf wollen nun richtig Gas geben. Bei einem Infoabend am Mittwoch im Gasthaus „Drei Lilien“ rückten etwa 130 Interessenten eng zusammen. Zum Hintergrund: Familie Wolf wird am Marktplatz 42 ein Mehrfamilienhaus mit 16 Wohneinheiten errichten. Als Wärmenetzbetreiber (Wolf-Projektsachen-GmbH) ist es ihnen möglich, ein KfW-Programm zu nutzen. Allerdings, so erklärte Christian Wolf, brauche es dazu mindestens 17 Anschlussnehmer: „Das war der Anlass für unser Wärmenetzprojekt.“ Der Unternehmer führt in fünfter Generation das Sägewerk Wilhelm Wolf in Hagendorf. Seine Argumente: „Das Heizen mit Hackschnitzeln sei effizient, krisensicher, kostengünstig, nachhaltig, wartungsarm und zukunftssicher.“
Heizzentrale in der Ringgasse
Zusammen mit Simon Achhammer von der Achhammer Engineering GmbH in Barbing stellte Wolf die Grundlagen des geplanten Netzes vor. In einer ersten Abfrage hätten 45 Vohenstraußer Interesse bekundet. Der Wärmebedarf werde 2260 MWh im Jahr betragen. Die Pläne sehen eine Heizzentrale (auf dem ehemaligen Anwesen der Bäckerei Fuchs in der Ringgasse) mit zwei Kesseln mit jeweils 450 kW, neuester Filtertechnik und einem 40-Kubikmeter-Pufferspeicher vor. Als Biobrennstoffe kommen Sägerestholz, Waldrestholz und Straßenbegleitgrün zum Einsatz.
Im ersten Bauabschnitt ist eine über drei Kilometer lange Wärmeleitung vorgesehen, die zunächst einmal bis zum Bauhof reichen wird. Die Stadt, so bestätigte der Bürgermeister, werde neben dem Bauhof auch das Feuerwehrhaus an das Wolf-Wärmenetz anschließen. Gerade die Verlegung der Leitung am Marktplatz hinauf bis zur Schöfer-Kreuzung sei laut Achhammer eine Herausforderung. Man werde stückweise vorgehen. Ein nachträglicher Anschluss eines Anwesens sei zwar möglich, aber mit zusätzlichen Kosten verbunden, zumal es für solche Blindanschlüsse keine Förderung gebe.
Beim Anschluss auf Gebäudeseite seien sowohl statische Heizungen als auch Flächenheizungen möglich. Vorschrift sei laut Achhammer ein hydraulischer Abgleich: "Das System muss funktionieren." Kernstück im Haus sei dann die Übergabestation, die bis zu 50 kW übertragen könne. Achhammer: "Man zahlt aber nur, was man verbraucht." Netzverluste übernehme der Projektbetreiber. Die Nutzungszeit der Hausübergabestation bezifferte der Experte auf rund 30 Jahre. Ein weiterer Vorteil sei, dass der Platzbedarf für die Station sehr gering ist: etwa wie zwei Bierkästen aufeinandergestapelt.
Verschiedene Kostenprognosen
Bei der Kostenprognose spielte Achhammer ein gutes und ein schlechtes Szenario durch. Im guten Fall (mit einer maximalen Förderung in Höhe von 80 Prozent) müsse man rund 4000 Euro an einmaligen Kosten (samt Umbaumaßnahmen im Keller) sowie laufende Kosten pro Jahr (Grundgebühr 59,50 Euro brutto pro kW und Arbeitspreis 13,7 Cent pro kWh) in Höhe von insgesamt 3630 Euro aufbringen. Sind die Rahmenbedingungen schlechter (30 Prozent Förderung und 8000 Euro Umbaukosten), geht Achhammer von einmaligen Kosten in Höhe von 17.500 Euro aus. Die laufenden Kosten blieben die gleichen (3630 Euro).
Seit dem 21. Juli 2026 gelten geänderte Rahmenbedingungen bei der Heizungsförderung. Die Basisförderung liege weiterhin bei 30 Prozent. Bei einem Jahreseinkommen von unter 40.000 Euro könne man laut Achhammer bis zu 80 Prozent Förderung abschöpfen. Bei einem Jahreseinkommen über 40.000 Euro könnten es maximal 70 Prozent sein. Neu sei, dass die Fördersätze und förderfähigen Kosten nicht mehr festgeschrieben sind, sondern alle sechs Monate nach unten gedrückt werden. Insofern sei es wichtig, das Projekt nun zügig anzugehen. Wichtig sei, sich zunächst beim Heizungsbauer zu informieren.
Straffer Zeitplan
Christian Wolf skizzierte den Zeitplan: Bis zum 9. September müssten die Interessenten eine verbindliche schriftliche Rückmeldung geben. Ende 2026 folge der Wärmeliefervertrag mit den Konditionen. Mitte 2027 rechne Wolf mit den Zuwendungsbescheiden für die Förderanträge. Baubeginn sei für Mitte 2027 angesetzt. Anfang 2028 solle die Wärmelieferung starten.
Die Rückmeldungen in den nächsten sechs Wochen würden darüber entscheiden, welche Ausmaße das Wärmenetz Wolf am Ende haben werde: „Das Netz wird wachsen, weil wir stückweise arbeiten. Wie schnell wir sind, hängt auch davon ab, worauf wir in der Erde stoßen.“ In einem weiteren Bauabschnitt sollen die Gebiete „Breite Wiesen“ und „In der Leiten“ angeschlossen werden. Generell gelte: „Je mehr sich anschließen, desto günstiger werden die Konditionen.“ Christian Wolf ist für Fragen erreichbar unter Telefon 09652/82 19 00-0 oder per E-Mail: kontakt[at]wolf-projektsachen[dot]de.
























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