17.03.2021 - 16:15 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Warnstreik bei Kennametal in Vohenstrauß

Eine Stunde lang haben Kennametal-Mitarbeiter am Mittwoch ihre Arbeit niedergelegt, um die Forderungen an den Konzern zu formulieren. Sie wollen vier Prozent mehr Lohn und eine Zukunftsperspektive für den Standort.

Am Mittwoch sind an allen sechs Kennametal-Standorten in Bayern Mitarbeiter in einen einstündigen Warnstreik getreten, um ihre Forderungen gegenüber dem Konzern klar zu formulieren. Dazu ist der zweite Bevollmächtigte der IG Metall von der Geschäftsstelle in Amberg, Udo Fechnter (rechts), nach Vohenstrauß gekommen.
von Elisabeth DobmayerProfil

„Leider gibt es noch keinen Impfstoff gegen die Profitgier, und so lange es den noch nicht gibt, müssen wir kämpfen“, gab sich Betriebsratschef Markus Baierl beim Warnstreik von Kennametal in Nähe des Werksgebäudes angriffslustig. 2018 gab es für die Mitarbeiter die letzte Lohnerhöhung. Jetzt wollen sie um eine Anhebung um vier Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten kämpfen. Das Volumen der Einkommenssteigerung soll auch für Maßnahmen zur Beschäftigungssicherung zur Verfügung stehen. Ob der Slogan „Beste Mitarbeiter für besten Arbeitgeber“ auch heute noch bei Kennametal gilt, müsse jeder Teilnehmer des Warnstreiks selbst entscheiden.

Forderungen klar formulieren

In der stockenden Tarifrunde für die Metall- und Elektroindustrie drohte die IG Metall mit weiteren Streiks bei Kennametal. Am Mittwoch traten an allen sechs Kennametal-Standorten in Bayern Mitarbeiter in einen einstündigen Warnstreik, um ihre Forderungen gegenüber dem Konzern klar zu formulieren. Dazu war der zweite Bevollmächtigte der IG Metall von der Geschäftsstelle in Amberg, Udo Fechnter, nach Vohenstrauß gekommen. Im gesperrten Röhrenweg, unmittelbar neben dem Werksgelände, trafen sich rund 50 Mitarbeiter mit dem IG-Metall-Vertreter. Ein starkes Signal setzten auch Bundestagsabgeordneter Uli Grötsch, Bürgermeister Andreas Wutzlhofer, Stadtrat Bernd Koller und der stellvertretende SPD-Ortsvorsitzende Manuel Dippold. Erster Polizeihauptkommissar Martin Zehent verfolgte mit dem Mitarbeiter Verkehr, Polizeihauptkommissar Jakob Stahl, die Veranstaltung am Rande und wies lediglich auf die Einhaltung der geltenden Abstandsregel und Maskenpflicht hin.

Lesen Sie hier einen weiteren Bericht über die Warnstreiks der IG Metall

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Die Mitarbeiter hätten eine ordentliche Entgelterhöhung verdient, denn in der Industrie brumme der Laden, versicherte Fechtner. Viele Betriebe versuchten während der Kurzarbeit durch Corona ihre Fixkosten zu optimieren. Den Mitarbeitern werde vorgegaukelt, dass sie zu teuer seien, aber die Konzerne würden hohe Profite einstreichen. Mit drohenden Produktionsverlagerungen werde auf die Arbeiter Druck ausgeübt. „Der Warnstreik ist ein wichtiges Signal. Wir lassen uns die Butter nicht vom Brot nehmen“, versprühte Fechtner Kampfeswillen. „Es geht um euren Geldbeutel.“ Fechtner rief alle Teilnehmer zum Zusammenhalt auf, „denn dann erreichen wir auch eine ordentliche Regelung“.

Die Arbeitgeber glauben, sie könnten die Mitarbeiter wegen der Corona-Beschränkungen am Arbeitskampf hindern, doch weit gefehlt, sagte Baierl vor den wehenden IG-Metall-Fahnen. Die Arbeitskultur bei Kennametal habe sich in den vergangenen Jahren geändert. Nicht nur in Vohenstrauß, sondern auch an anderen Standorten werde mit Verlagerungen gedroht. China und Vietnam würden billiger produzieren, heiße es. Kennametal sollte sich an die eigenen Werte erinnern, forderte Baierl. Den Vergleich, den Werksleiter Mario Wild gerne mit dem Stuhl und den drei Beinen, einer Art Melkschemel, mit Aktionären, Kunden und Mitarbeitern ziehe, gerate zusehends ins Wanken. Wenn das Stuhlbein der Aktionäre immer länger und das der Mitarbeiter immer kürzer werde, dann stimme das Gleichgewicht nicht mehr und „die Kuh kann nicht mehr gemolken werden“, zog Baierl einen Vergleich.

Kein Corona-Bonus

Kennametal greife sogar den Tarifvertrag an. Die Beschäftigten hätten keinen Corona-Bonus erhalten. „Vielmehr hat es den Anschein, dass sich das Management im Home-Office den Corona-Bonus von uns holt.“ Für das laufende Jahr soll es keine Lohnerhöhung geben, und auch die Differenzierung von Urlaubs- und Weihnachtsgeld stehe auf dem Spiel, wetterte Baierl. „Wir haben positive Ergebnisse in unserem Betrieb, liefern beste Qualität, haben die beste Produktivität und wir haben eine motivierte Belegschaft.“ Letzteres, obwohl man der Belegschaft schon viel zugemutet habe, wie die Versetzung in Halle D mit Lohnverlust, Wegfall der Mannlosprämie und Entfall der Ergebnisbeteiligung. Deshalb forderte der Betriebsratschef eine Zukunftsperspektive für den hiesigen Standort und eine Beschäftigungssicherung sowie bundesweit vier Prozent mehr Lohn und außerdem eine Verbesserung der gekündigten Tarifregelungen zur Beschäftigungssicherung durch Modelle der Arbeitszeitabsenkung mit einem Teilentgeltausgleich.

„Wir stehen hier für nachhaltige Geschäftsstrategien, statt für kurzfristige Profite und wir wollen sichere und faire Arbeit.“ Es sollte das Ziel des Konzerns sein, nicht nur die Gewinnmaximierung zu verfolgen. „Kennametal macht starke Gewinne. Andere Firmen würden sich die Finger abschlecken. Aufgrund der Profitmaximierung wollen sie uns klein halten, das ist nicht fair.“ Mit der Bereitschaft zum Warnstreik demonstrieren die Mitarbeiter ihre Entschlossenheit, führte Baierl aus. „Vier Prozent mehr Lohn, das ist nur fair!“ Uli Grötschs Vater hatte fast sein ganzes Leben lang hart in diesem Betrieb gearbeitet. „Lasst euch nicht unterkriegen“, sagte der Bundestagsabgeordnete. Gerade in Corona-Zeiten müsse die Kaufkraft gestärkt werden, und die Belegschaft dürfte sich nicht einschüchtern lassen.

Am Mittwoch traten an allen sechs Kennametal-Standorten in Bayern Mitarbeiter in einen einstündigen Warnstreik, um ihre Forderungen gegenüber dem Konzern klar zu formulieren. "Wir wollen vier Prozent mehr - das ist nur fair", waren sich die Streikenden sicher, die sich über den ganzen Röhrenweg verteilten, der ganz offiziell für eine Stunde gesperrt war.

„Leider gibt es noch keinen Impfstoff gegen die Profitgier, und so lange es den noch nicht gibt, müssen wir kämpfen“

Kennametal-Betriebsratschef Markus Baierl

Kennametal-Betriebsratschef Markus Baierl

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