29.06.2020 - 12:14 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Zahlenmensch mit Lebensfreude: Sparkassenchef Josef Pflaum geht in den Ruhestand

"44 Dienstjahre sind doch genug." Kann man so sehen, auch wenn man erst 61 Jahre alt ist, wie Josef Pflaum. Der Vorstandschef der Vereinigten Sparkassen hat viel erlebt und im Ruhestand viel vor.

Josef Pflaum hat nicht nur die Zickzacklinien von Börsencharts im Kopf, sondern auch eine Ader für weiche Linien. Sein Vohenstraußer Amtszimmer ziert ein selbst gemaltes Ölbild, mit dem er dem Expressionisten Franz Marc huldigt.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Ein paar Tage Resturlaub, dann ist der 31. Juli da. Das ist Pflaums letzter Arbeitstag. Danach wird Gerhard Hösl auf dem Chefsessel der Vereinigten Sparkassen Neustadt-Eschenbach-Vohenstrauß Platz nehmen. Zudem rückt Firmenkundenbetreuer Hans Zach in den Vorstand auf. Ihr Job: Das Kreditinstitut durch die Auswirkungen der Coronakrise führen, die keiner so recht vorhersehen kann.

Pflaum bleibt das erspart. Doch seit seiner Lehre, die 1978 begann, hat auch der passionierte Karateka (3. Dan) turbulente Zeiten geschultert. Dafür sprechen Zahlen. 1978 gab es in Bayern 152 eigenständige Sparkassen, heute sind es 64. Pflaums Institut, das 1976 aus einer Dreier-Fusion hervorging, hat sich in diesem Umfeld stets behauptet. "Es gibt genug Geld in der Region", ist dem gebürtigen Pleysteiner um das Geschäftsmodell nicht bange, auch wenn es sich massiv verändere. Corona habe den Trend vom Schalter ins Internet zwar beschleunigt, doch auch online müssten die Kunden ja betreut werden.

"Kunde ist bekannt"

Geldanlage per Video oder Chat könnte die neue Normalität werden, auch wenn es schwer vorstellbar scheint. Ähnlich wie heute die Zeit, als Pflaum bald nach der Ausbildung in Eslarn als Vertreter seines Mentors Helmut Kleylein erste Kredite vergeben durfte. "Kunde ist bekannt, Ruf und Charakter einwandfrei." So dürre Worte reichten Anfang der 1980er in einer Land-Filiale als Kriterium für ein Darlehen.

Doch ganz so einfach war es nie. "Manchmal ist ein Nein gegenüber dem Kunden besser als ein Ja", betont Pflaum. Aufrichtigkeit und Zuverlässigkeit sind für den Sparkassenboss zeitlose Tugenden. Die zahlen sich aus. Seit der Pleysteiner Ende 2004 das Vorstandsruder übernahm, stellten die Vereinigten Sparkassen dreimal den besten Bank-Azubi der Republik. So etwas macht stolz, zumal wenn der Chef selbst eine Vergangenheit als Dozent an der Sparkassen-Akademie in Landshut hat. Das war unter anderem Pflaums Sprungbrett in den Vorstand, den von 2000 bis 2004 Max Köhler führte. Vorsichtig formuliert, fremdelten aber die Verwaltungsräte mit dem Bayreuther. Nach vier Jahren verlängerten sie Köhlers Vertrag nicht mehr. Pflaum trat in die Verantwortung, Gerhard Kneidl stand ihm bald darauf zur Seite. "Ich bin heute dankbar für jeden einzelnen Tag", blickt er 16 Jahre später auf seine Laufbahn zurück. In der machte die Provinzsparkasse 2005/2006 Furore, als die Anlageberater Uwe Bergold und Christian Wolf einen Edelmetallfonds auflegten, der die unsichere Börse aufmischte und es in den Wirtschaftsteil internationaler Blätter schaffte. Zugleich wuchs der Druck, das Filialnetz von 54 Geschäftsstellen im Jahr 2003 auf aktuell 20 zu straffen. Von einst 421 Mitarbeitern sind noch 257 übrig.

Das Desaster um Lehman Brothers und die Finanzkrise 2008 hat das Institut gut überstanden, auch wenn zwischenzeitlich immer wieder von neuen Fusionen geraunt wurde. "Auf unserer Seite lag der Druck nicht", verweist Pflaum dazu auf Anfragen aus Weiden. Das Thema sei zurzeit aber weit weg.

Erste Station Waidhaus

Genauso wie die Anfänge des Banklehrlings, der nach der Bundeswehr in der Filiale Waidhaus anfing. Mit dem Bus oder per Anhalter kam er an seinen Arbeitsplatz. Später, in der Hauptbuchhaltung in Eschenbach, übernachtete der Lehrbub einige Wochen in der Hausmeisterwohnung, weil es umständlich war, jeden Tag ins heimatliche Pleystein zu pendeln.

Geschadet hat es nicht. Nach der Qualifikation für den gehobenen Dienst verlagerte sich der Lebensmittelpunkt Pflaums mehr und mehr nach Vohenstrauß, wo er heute im Ortsteil Papiermühle lebt. Zunächst Schalterleiter, stieg er unter seinem Förderer Hermann Opitz zum Chef der Kreditabteilung auf. 2000 wurde er Gebietsdirektor für den gesamten Altlandkreis.

Bei aller fachlichen Qualifikation legt Pflaum Wert auf Kundennähe. "Man muss Lebensfreude pflegen", ist der verheiratete Vater von zwei erwachsenen Kindern überzeugt. Kontaktfreudig, offen für Neues: Pflaum lebt die Beispiele in seinen Hobbys vor. Tennis, Musik, Malen, Lesen, Yoga, Reisen - klingt alles nicht nach einem unausgefüllten Ruhestand. Falls doch, wird die Langeweile mit einem gezielten Karategriff auf die Matte befördert.

Hintergrund:

Die Vereinigten Sparkassen sind eines der größten Geldinstitute der Nordoberpfalz. Das Geschäftsgebiet reicht von Erbendorf über die Grenze zu Tschechien bis nach Auerbach und Neuhaus/Pegnitz. Träger sind elf Kommunen und der Landkreis Neustadt/WN. Den festen Verwaltungsrat bilden die Bürgermeister aus Auerbach, Eschenbach, Neustadt/WN, Vohenstrauß und der Neustädter Landrat. Dazu kommen weitere Mitglieder, die ein Zweckverband und die Regierung der Oberpfalz bestimmen. Die Eigenkapitalquote liegt augenblicklich bei stattlichen 18,22 Prozent. Ende 2019 lag die Bilanzsumme bei 1,46 Milliarden Euro, der ausgewiesene Bilanzgewinn bei 1,77 Millionen Euro. (phs)

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Neustadt an der Waldnaab

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