23.01.2019 - 16:55 Uhr
VorbachOberpfalz

Im Feuer: Der neue "Lösch-Tanker"

Schon die erste Jahreshauptversammlung wird für den neuen Vorsitzenden der Vorbacher Feuerwehr zur Bewährungsprobe: Der Kauf eines Löschfahrzeugs vom Typ LF 20 löst eine lebhafte Debatte aus.

von Robert DotzauerProfil

Gespannt wartet die Feuerwehr auf die nächste Gemeinderatssitzung. Am heutigen Donnerstag soll nach dem Ausschreibungsverfahren der Vergabebeschluss für ein Tanklöschfahrzeug LF 20 fallen, teilte Bürgermeister Werner Roder mit. Der "Lösch-Tanker" kostet rund 400 000 Euro.

Kommandant Johann Groher war in seinem Bericht auf das lange Kapitel "LF 20" eingegangen. Die Bedeutung dieses Themas zeigte sich in der Bestellung eines Fahrzeugausschusses vor knapp zwei Jahren. Groher berichtete von einer ersten Vorstellung der Feuerwehrwünsche unter dem Leitgedanken "Agenda 2023" am 16. November 2017 im Gemeinderat. In den folgenden Monaten habe sich der Ausschuss zusammen mit Führungskräften der Wehren auf Landkreisebene über die Anforderungen an ein neues Löschfahrzeug unterhalten, auf Gemeindeebene Gefahrenquellen untersucht und an einer Besprechung mit der Regierung teilgenommen.

Zudem habe sich der Ausschuss nach dem Beschluss des Gemeinderats für ein LF 20 von den Qualitätsmerkmalen der Rosenbauer- und Magirus-Fahrzeuge überzeugt. Der Kommandant nannte insgesamt 15 Besprechungen und Fahrten einschließlich einer Magirus-Werksbesichtigung in Ulm. Nun hofft er nach den Vorgaben einer EU-weiten, zeitraubenden und

Ausschreibung auf eine Vergabe.

Norbert Speckner nutzte in der Aussprache einen Rückblick "auf die vielen Anschaffungen der Wehr" zu Anregungen, wie er sagte. Speckner plädierte für eine großzügige Anschaffungspraxis: "Sparen ist der falsche Weg." Das neue Löschfahrzeug sei eine Investition nicht nur für den Ort Vorbach, sondern für die gesamte Gemeinde. Auch bei einem weiteren Thema ging es um ein "bisschen" Geld: Speckner bedauerte die Diskussion über die Kosten bei Beerdigungen von Feuerwehrkameraden. Man sollte nicht darüber mäkeln, sondern an die Verdienste ehemaliger Wehrmänner denken.

Schlechte Worte meiden

Die Diskussion über die LF-20-Anschaffung beleuchtete auch Ehrenvorsitzender und dritter Bürgermeister Gerd Retzer. Dabei verteidigte er die Rolle von Bürgermeister Werner Roder. "Die kommt in der Debatte viel zu kurz", merkte Retzer an und verwies auf die Bemühungen Roders nicht nur beim Löschfahrzeugkauf. Der Bürgermeister stehe diesen Investitionen offen gegenüber. Deshalb sollte jedermann schlechte Worte über den Gemeindechef meiden. Retzer empfahl, an einem Strang zu ziehen und zusammenzustehen. Das beweise der Gemeinderat mit einstimmigen Beschlüssen.

Mit Blick auf die von dem Gremium beschlossene Machbarkeitsstudie zum Bau eines neuen Feuerwehrgerätehauses kritisierte Tobias Lautner das Informationsdefizit auf seiten der Feuerwehr. Dieses erzeuge ein schlechtes Stimmungsbild. Lautner empfahl dem Bürgermeister, die Feuerwehrspitze besser einzubinden.

Studie noch nicht in Arbeit

Diese Rüge veranlasste Werner Roder zu einer Klarstellung. "Die Arbeiten zur Machbarkeitsstudie haben noch gar nicht begonnen", teilte er mit. Das beauftragte Architekturbüro Lenk sei im Dezember vergangenen Jahres noch intensiv damit beschäftigt gewesen, alle Planunterlagen für das Mietwohngebäude der Gemeinde zu erstellen, um keine Förderfristen zu versäumen. Die Architektin habe mit viel Einsatz der Kommune eine Menge Geld gespart, betonte der Bürgermeister.

Auf die Schritte zur Anschaffung eines neuen Löschfahrzeugs für die Wehr eingehend, stellte Roder klar, dass er gleich drei unterschiedliche Aussagen von Feuerwehr-Experten zur Bedarfsnotwendigkeit bekommen habe. Die Großinvestition von 400 000 Euro im Blick habe, er deshalb erst recht kritisch nachgefragt und schließlich einen Fachmann der Regierung zu Rate gezogen. Dieser sei zu der Empfehlung gelangt, zur Brandschutz-Absicherung der Firma Novem ein LF 20 zu kaufen.

Hinter diesem Rat der Regierung stehe er, machte Roder deutlich: Alles andere sei "Gegackere". Nachdem im Gemeinderat, bei der Feuerwehr, beim Kreisbrandrat und bei der Regierung abgewogen und entschieden worden sei, forderte Roder dazu auf, aufzuhören, falsche Informationen zu verbreiten.

Hintergrund:

Novem-Brandschutz gibt den Ausschlag

Die Anschaffung eines Löschfahrzeugs vom Typ LF 20 mit Löschwassertank ist in der Gemeinde nicht unumstritten. Ein 500-Einwohner-Dorf mit einem „Lösch-Tanker“, der für gewöhnlich nur in Gerätehäusern von Stützpunktfeuerwehren bereitsteht: Ist das notwendig?, fragt man sich teilweise hinter vorgehaltener Hand.

Ein klares „Ja“ kommt von Bürgermeister Werner Roder und von Kommandant Johann Groher. Beide beziehen sich auf Expertenmeinungen. Vor allem der Brandschutz bei der Firma Novem bedürfe eines Tanklöschfahrzeugs dieser Größenordnung, heißt es.

Doch entgegen der Hoffnungen des Kommandanten, der in der Jahreshauptversammlung im vergangenen Jahr noch auf eine finanzielle Beteiligung der Firma Novem an der 400 000-Euro-Investition zu hoffen wagte, erfüllten sich nicht. In einer der jüngsten Gemeinderatssitzungen gab Bürgermeister Werner Roder die ablehnende Haltung des Unternehmens zur Mitfinanzierung bekannt.

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