24.01.2020 - 14:47 Uhr
VorbachOberpfalz

Neues Gerätehaus: Bürgermeister mit "Wutrede"

Kaum ist der Streit in Vorbach über die Notwendigkeit eines Feuerwehr-Löschfahrzeugs LF 20 verflogen, droht neue Brandgefahr. Die Kameraden äußern Bedenken zur Raumbedarfsplanung für das neue Gerätehaus.

Bürgermeister Werner Roder: "Mehrforderungen gehen immer. Trotzdem sollte man die Kirche im Dorf lassen."
von Robert DotzauerProfil

Für Missstimmung sorgt bei den Brandschützern eine Machbarkeitsstudie des Architekturbüros Lenk vom 10. Oktober 2019, die Bürgermeister Werner Roder nach eigenem Bekunden bereits neun Tage später den beiden Kommandanten zukommen ließ. In einer Stellungnahme an die Gemeinde vom 10. Januar 2020 wertete Kommandant Johann Groher die Studie nur als „relativ gelungen“. Deshalb äußerte er nach einer Aktivenversammlung am 29. Dezember 2019 zusätzliche Wünsche, die in der Jahreshauptversammlung der Wehr allerdings nicht der Aktivensprecher, sondern Bürgermeister Werner Roder verlas.

Das Schreiben enthält Brisantes und gliedert sich in fünf Themenbereiche. Ergänzend zu den Planungen empfiehlt die Feuerwehrführung das Installieren einer Aufhängevorrichtung zum Trocknen von 20-Meter-B-Schläuchen. Bei der angestrebten Zusammenarbeit mit der Schlauchpflegeeinrichtung in Eschenbach kämen die Schläuche im feuchten Zustand zurück, befürchtet der Kommandant. Deshalb müssten sie nachgetrocknet werden. „Eine Verbreiterung der Fahrzeughalle um zirka zwei Meter ist aus diesem Grund sinnvoll“, folgert Groher folgert.

Für nicht ausreichend hält er die Größe des Besprechungsraumes. Nicht 5 Sitzplätze, sondern ein Platzangebot für 15 Personen sei insbesondere bei Nach- und Übungsbesprechungen notwendig. Als wünschenswert nennt er die Größenordnung des aktuellen „Florianswinkels“. Zudem hätte der Chef der Aktiven gerne ein Kommandanten-Büro. „Derzeit lagern die feuerwehrspezifischen Unterlagen in den Wohnungen der Führungskräfte“, argumentiert Groher und verweist auf die gleichzeitige Nutzung privater Computer und Drucker. Ein Konzept zur Folgenutzung des Floriansstüberls im alten Gerätehaus hatte er auch schon parat: Der Kommandant schlug vor, die Räumlichkeit als Sozialraum für die Gemeindearbeiter zu verwenden.

Ein weiteres Anliegen ist den Vorbacher Brandschützern ein größeres Angebot an Pkw-Stellplätzen. Groher plädiert für eine Verlegung der geplanten Parkplätze, um den befestigten Bereich vor dem Gerätehaus besser für Übungen nutzen zu können. Eine Waschhalle steht ebenfalls im Alternativ-Bauprogramm der Wehr. Der Kommandant erinnert daran, dass besonders in den Wintermonaten die Feuerwehrfahrzeuge ordnungsgemäß zu pflegen seien. Dieser Wunsch beinhaltete auch den Hinweis auf einen Dampfstrahler in einer frostfreien Halle. Eine solche Mehrleistung sei zudem eine wesentliche Erleichterung für den Bauhof.

Schließlich begründet Johann Groher die Notwendigkeit eines neuen Schulungsraumes für die Wehr mit einsatztaktischen Überlegungen. Ein stetiges „Hin- und Herwandern“ vom künftigen Feuerwehrhaus in den Gemeinschaftsraum des Gemeindezentrums bezeichnet er als äußerst bedenklich. Der Kommandant beruft sich dabei auch auf die Meinung des Kreisbrandmeisters und verweist auf unnötige und gefährliche Wegstrecken zwischen Gerätehaus und dem jetzigen Tagungs- und Schulungsraum der Wehr.

Er warnte deshalb auch vor baulichen Fehlentwicklungen, wie zum Beispiel bei der Feuerwehr in Speinshart. Auch eine bessere Kommunikation mit der Gemeinde sei wünschenswert, merkte Groher an. Schließlich forderte er eine Planungsbeteiligung aller Aktiven und schlug vor, vor weiteren Planungsschritten neue Feuerwehrhäuser in vergleichbaren Gemeinden zu besichtigen.

Für Bürgermeister Werner Roder waren diese Zielsetzungen „all des Guten zu viel“. Ér ging zunächst auf die vielen Beratungen zur Standortsuche ein, verwies auf die Großbeschaffungen für die Wehr in jüngster Zeit und brachte schließlich Kopien der Machbarkeitsstudie unters Feuerwehrvolk. Wie bereits berichtet, enthält das Konzept zwei große Fahrzeugstellplätze, separate Umkleiden, Duschen, ein Kommandanten-Büro, weitere diverse Räumlichkeiten und Übungsflächen im Freien.

Gegenüber dem Status Quo sei dies ein "Quantensprung", wie der Bürgermeister betonte. Gleichzeitig berief er sich auf die Empfehlungen des Fachberaters für Brand- und Katastrophenschutz bei der Regierung der Oberpfalz und verwies auf Abstimmungen mit dem Landratsamt als Baubehörde und mit dem Staatlichen Bauamt wegen der Zufahrtsmöglichkeiten zu den Kreisstraßen. Auf das Unverständnis des Rathauschefs stieß die Funkstille seitens der Feuerwehrführung nach Übermittlung der Machbarkeitsstudie. Nach Darstellung Roders sei das Gesprächsangebot vom Oktober 2019, die Planungsüberlegungen in kleiner Runde fortzusetzen, von ihr nicht angenommen worden. Stattdessen habe der Kommandant für Ende Dezember 2019 zu einer Aktivenversammlung geladen.

Den aus diesem Treffen entstandenen Forderungskatalog ordnete der Bürgermeister in den Bereich eines „Realitätsverlustes“ ein. „Einige wenige haben a bisserl die Bodenhaftung verloren“, merkte er an. Besonders der Ruf nach einer „Festhalle“ oder nach einem „Feuerwehrheim“ stieß dem obersten Chef der Wehr sauer auf. „Das neue Gerätehaus soll das beinhalten, was erforderlich ist, um die Aufgaben der aktiven Wehr sachgerecht erfüllen zu können“, stellte Roder klar. Verärgert erklärte er weiter: „Das Ganze muss auch bezahlt werden.“ Und: „Es gibt auch andere wichtige Aufgaben, die in der Gemeinde anstehen.“

Anschließend beleuchtete der Bürgermeister im Detail die Zusatzwünsche der Wehr. Verständnis zeigte er für die Schlauchtrocknung. Dagegen hielt er einen größeren Besprechungsraum mit Blick auf das nahe Floriansstüberl für überflüssig: „Wir müssen nicht doppelt vorhalten.“ Nach Bewertungen zur Park- und Grünflächennutzung richtete Roder den Blick auf die Wünsche der Wehr nach einer Waschhalle, zweifelte wegen der wenigen Wintereinsätze an deren Notwendigkeit und empfahl, „die Kirche im Dorf zu lassen“. Es dränge sich bei ihm der Eindruck auf, etwas erkennbar „Überzogenes“ zu fordern, um so vielleicht eher Machbares zu bekommen.

Als „nicht erforderlich“ stufte der Rathauschef auch einen neuen Schulungsraum ein. "Wir haben mit dem Gemeinschaftsraum im Gemeindezentrum eine Räumlichkeit für 50 Personen, die vor 7 Jahren mit einem Aufwand von über 110.000 Euro saniert und besonders für Feuerwehrzwecke unter anderem mit Medientechnik, Teeküche und Schankanlage gut ausgestattet wurde“, stellte der Bürgermeister fest. Er warnte zudem vor weiteren strategischen Fehlern bei der Errichtung zusätzlicher öffentlicher Veranstaltungsräume und empfahl frei nach Ludwig Erhard ein „Maß halten“. Schließlich müsse man die riesigen Investitionen auch gegenüber der Wehr in Oberbibrach und der gesamten Bevölkerung vertreten.

Als Kostenschätzung auf Basis der Machbarkeitsstudie nannte Roder einen Betrag von circa einer Million Euro. Mit den jüngsten Anschaffungskosten für Fahrzeuge kam er auf eine Investitionssumme von 1,5 Millionen Euro. „Die Wutrede“ des Bürgermeisters endete mit einem weiteren Gesprächsangebot, um im kleinen Kreis einvernehmliche Lösungen zu finden. Die Alternative sei eine Bürgerbefragung über Standort und Bauumfang des neuen Gerätehauses. Ins Gespräch brachte er ein Ratsbegehren für einen Bürgerentscheid zusammen mit der Kommunalwahl am 15. März 2020. Jedenfalls müsse endlich wieder mehr Ruhe zu diesem Thema einkehren, forderte Roder.

Nach diesem „Vulkanausbruch“ versuchte Kommandant Johann Groher zu beruhigen. „Wir wollen keinen Prunkbau, aber Vorausdenken muss erlaubt sein“, befand der Aktiven-Chef. Zu beachten sei zudem, dass die Feuerwehr zu einer Sache stehe, die zu jeder Tag- und Nachtzeit gebraucht werde. Groher widersprach auch der Darstellung, dass es sich beim Einbau einer Waschhalle um hinausgeworfenes Geld handele. Immerhin könne sie auch vom Gemeindebauhof genutzt werden. Groher verwies zudem auf die Bereitschaft von Eigenleistungen der Wehrmänner.

Auf seiner Seite hatte der Kommandant den Kreisbrandmeister. Rainer Kopp hielt es für unpraktisch, zum Beispiel bei Ausbildungsveranstaltungen zwei Standorte nutzen zu müssen. Manfred Plößner empfahl, in aller Ruhe und ohne Emotionen nachzudenken und mit dem positiven Gedanken nach Hause zu gehen: "Wir bekommen etwas Neues." Norbert Speckner erinnerte an den Nachbarort: „Es gibt auch Oberbibrach.“ Er empfahl ferner, bei künftigen Anschaffungen an den Nachwuchs zu denken, um Kinder bereits frühzeitig an den Feuerwehrdienst heranzuführen.

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