22.03.2021 - 15:07 Uhr
VorbachOberpfalz

Stromkosten elektrisieren Gemeinderat Vorbach

Normalstrom, 100 Prozent Öko-Strom mit oder ohne Neuanlagenquote: Die Vorbacher Gemeinderäte haben bei der Bündelausschreibung zur kommunalen Strombeschaffung die Qual der Wahl.

Über Vor- und Nachteile von Öko-Strom schieden sich in der Gemeinderatssitzung in Vorbach die Geister. Hingegen herrschte Einigkeit, mit einem Weiterbetrieb der PV-Anlage Sonnenstrom für die Grundschule (im Bild) zu gewinnen. Auch eine E-Ladestation gehört zu den Überlegungen.
von Robert DotzauerProfil

In regelmäßigen Abständen haben sich die Kommunen mit den Bündelausschreibungen für Strom zu befassen. Die Suche nach dem günstigsten Anbieter ist verpflichtend. Bayerns Gemeinden bedienen sich dabei auf Vermittlung des Bayerischen Gemeindetages zur Verfahrenserleichterung der Kubus-GmbH, einem Büro zur Kommunalberatung aus Schwerin. Mit der geballten Verbraucherkraft der bayerischen Kommunen im Rücken verhandelt Kubus mit den Energieversorgern um günstige Strompreise für die Jahre 2023 bis 2025. Im Vorfeld der Verhandlungen ist es Sache der Gemeinden, sich auf Normalstrom oder auf Ökostrom festzulegen. Für den Vorbacher Gemeinderat zuallererst eine finanzielle Abwägung.

Bei einem jährlichen Stromverbrauch von zirka 150.000 Kilowattstunden errechnete die Kämmerei der Verwaltungsgemeinschaft Kirchenthumbach gemäß bestehendem Vertrag für Normalstrom eine Kosteneinsparung von derzeit jährlich zirka 1800 Euro gegenüber Öko-Strom. Für Gemeinderätin Margarete Kreutzer eine klare Sache, für einen Normalstrom-Vertrag zu plädieren. Die CSU-Frau bezweifelte, dass mit der Öko-Strom-Variante tatsächlich grüner Strom in die Gemeinde fließe. Kreutzer verwies auf die nicht schlüssigen Angaben der Anbieter zur Stromgewinnung aus zum Teil unbekannten ausländischen Netzen. Es sei deshalb nicht auszuschließen, dass der Kunde unwissentlich eine fragwürdige ökologische Geschäftspolitik einiger Stromproduzenten unterstütze.

Strom aus zweifelhaften Quellen?

Kreutzer warnte: „Niemand weiß, wer alles bei der Stromlobby dahinter steht.“ Deshalb sei es Geldverschwendung, wenn die Gemeinde einen Mehrpreis für angeblichen Öko-Strom aus zweifelhafter Gewinnung bezahle. Echt sei zum Beispiel Sonnenstrom nur, wenn ihn der Verbraucher selber herstelle und auch abnehme. Kreutzer forderte deshalb einen Beibehalt früherer Grundsätze des Gemeinderates. Diese Meinung unterstützte auch Martin Kräml. „Bei Öko-Strom fließt Geld unkontrolliert in andere Kanäle“, mutmaßte er. Gegensätzlicher Auffassung war Manfred Plößner. „Bei Öko-Strom unterstützen wir die richtige Richtung“. Die Abstimmung ergab eine klare Mehrheit für den Bezug von Normalstrom. Ein Beschluss, der an bisherigen Entscheidungen festhält. Für den Bezug von Öko-Strom stimmten nur Manfred Plößner und Sebastian Pittner.

Ladestation an Schule empfohlen

Um Sonnenstrom ging es auch bei einem weiteren Tagesordnungspunkt. Für die PV-Anlagen auf dem Schulgebäude in Oberbibrach läuft nach 20 Jahren der Stromliefervertrag aus. Auf dem Schuldach sind eine Sioux-Vereinsanlage mit 96 Modulen mit 11,5 kWp Leistung und eine neuere Canadian-Solar-Anlage der Gemeinde mit 48 Modulen mit 8,64 Watt peak installiert. Die Vereinsanlage fällt nach 20 Jahren Betrieb zum 31. Dezember 2021 aus der sogenannten EEG-Förderung. Für die Module der Gemeinde bestehen Einspeisungsrechte bis 2029. Ein Teil der Module war erst vor einigen Jahren erneuert worden. Deshalb verwies der Bürgermeister auf den insgesamt guten Erhaltungszustand.

Was tun mit der alten Sioux-Anlage? Diese Frage stellten sich Bürgermeister und Rat. Die Prüfung durch einen Sachverständigen für Photovoltaik endete mit einer Empfehlung zur Eigennutzung und Einspeisung des selbsterzeugten Stroms für das Schulgebäude und für eine e-Mobility-Ladestation. Weil der Überschuss-Strom großteils nicht mehr verkauft werden könne, sei auch eine Speicherbatterie sinnvoll, so der Experte. Dann stünde der eigene Strom auch bei Schlechtwetter und Abends zur Verfügung. Auch eine minimale Einspeisevergütung des Überschuss-Stromes sei möglich.

Öko-Strom selbst verbrauchen

Bürgermeister Alexander Goller plädierte deshalb dafür, den aus der „Ü20-Photovoltaikanlage“ selbst gewonnenen Öko-Strom unkompliziert selbst zu verbrauchen. Mit einer Zapf- und Ladesäule für einen Elektrobus und für E-Bikes mit Sonnenenergie aus eigener Produktion betrete die Gemeinde zwar Neuland. Das Projekt sei aber auch ein Vorzeigebeispiel. Allerdings sei mit der Strom-Eigennutzung auch die Installation eines Elektrospeichers naheliegend. Der Bürgermeister regte für die neue Nutzung eine umgehende Eigentumsübertragung und eine rechtswirksame Vereinbarung mit dem Bayernwerk als Netzbetreiber an.

In der Diskussion verwiesen einige Gemeinderäte auf den Einklang zwischen wirtschaftlichem Betrieb und einer ökologischen Erfolgsbilanz. Im Zusammenhang mit der Kostenklärung für neue Wechselrichter fand Alexander Thurn eine Übernahme durch die Gemeinde interessant. Manfred Plößner empfahl die Prüfung von Fördermöglichkeiten. Hingegen zeigte sich Martin Kräml von einer E-Tankstelle und Elektroautos wenig begeistert, weil die E-Mobilität keine ideale Öko-Bilanz aufzeige. Deshalb sah Bürgermeister Alexander Goller die Anschaffung eines Elektro-Autos mit einem 100-Prozent-Sponsoring als eine Übergangslösung. „Ein Wasserstoffauto wäre besser“. Den technischen Möglichkeiten Rechnung tragend empfahl Goller ein schrittweises Vorgehen. Weil dieser Tagesordnungspunkt als Vorinformation angekündigt war, erfolgte kein Beschluss.

"Niemand weiß, wer alles bei der Stromlobby dahinter steht."

Gemeinderätin Margarete Kreutzer

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