16.06.2019 - 12:39 Uhr
Oberpfalz

Vorsicht Zecke! Was Sie über die kleinen Blutsauger wissen sollten

Die Hochsaison der Zecken ist da und mit ihr eine tropische Unterstützung: Die gefährliche Hyalomma-Zecke hat bereits den Winter in Deutschland überwunden. Wie man sich schützen kann? Alle wichtigen Infos über Zecken finden Sie hier.

Eine Zecke krabbelt über den Arm einer Person auf der Suche nach der perfekten Einstichstelle.
von plzkProfil

Die häufigste Zeckenart in Deutschland ist die gewöhnliche "Ixodes ricinus" (gemeiner Holzblock). Sie ist der Überträger von gefährlichen Krankheitserregern wie FSME und Borrelien.

Aufgepasst beim Ausflug ins Grüne: Da lauern die kleinen Blutsauger, versteckt in den Gräsern.

Die Zecke ist ein weltweit verbreiteter Parasit, der sich von menschlichem und tierischem Blut ernährt. Ein Blutverlust ist dabei für den Menschen kein Problem. Die Zecke hat vielmehr als Überträger von Krankheitserregern eine zweifelhafte Berühmtheit erlangt.

Ein Mythos, der sich hartnäckig hält: Zecken klettern auf Bäume, um sich von dort auf Tiere und Menschen herabfallen zu lassen. Das stimmt nicht. Tatsächlich werden Zecken von Gräsern oder Büschen unbemerkt abgestreift, wo sie in der Lauerstellung in Höhen zwischen 40 und 80 Zentimetern auf einen sogenannten "Wirt" warten. Die Blutsauger sind aber nicht nur auf Gräsern und im Unterholz zu finden, sondern auch im eigenen Garten oder in den Stadtparks. Anders als die Ixodes-Zecken krabbeln Auwald-, Relikt- und die tropischen Hyalomma-Zecken aktiv auf den Menschen zu.

Durch die Stiche der einheimischen Zecke können gefährliche Krankheitserreger übertragen werden, gegen die man sich regelmäßig impfen lassen sollte. Hinzukommt jetzt aber eine völlig neue Zeckengattung: Die Hyalomma-Zecke ist eigentlich in Teilen Asiens, Afrikas und Südeuropas verbreitet. Durch Zugvögel gelangte sie nun auch in einige Regionen Deutschlands. Die Tiere sind etwa doppelt so groß wie die gewöhnliche Zecke. Charakteristisch sind ihre gestreiften Beine, mit denen sie schnell auf ihre Beute zukrabbeln können. Auch die Hyalomma-Zecke kann gefährliche Krankheitserreger wie das Krim-Kongo-Virus in sich tragen. Das löst beim Menschen das schwere bis tödliche Krim-Kongo-Hämorrhagische-Fieber aus und kann Blutungen verursachen.

Die gewöhnliche Ixodes-Zecke (links) liegt neben der großen Hyalomma-Zecke aus Teilen Asiens und Afrikas (rechts).

Borelliose ist eine Bakterieninfektion, die durch die kleinen Blutsauger auf Menschen oder Säugetiere übertragen werden kann. Auf den Stich folgen oft erst nach Wochen flächige Hautrötungen (Wanderröte) mit grippeähnlichen Symptomen wie Kopf-, Gliederschmerzen und Fieber. Mögliche Spätfolgen der Infektion sind Missempfindungen, Lähmungen, Nervenschmerzen oder Gelenkentzündungen. Aufgepasst: Für eine Borelliose-Erkrankung gibt es keine Impfung zur Vorbeugung. Deshalb sollte man die Einstichstelle gut beobachten und bei auffälligen Veränderungen sofort einen Arzt aufsuchen, damit so früh wie möglich eine Antibiotika-Behandlung vorgenommen werden kann.

Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist eine gefährliche Virusinfektion, die auf den Menschen durch Zeckenbisse übertragen werden kann. Die grippeähnlichen Symptome können sich mehrere Tage oder Wochen nach dem Stich bemerkbar machen: Kopfschmerzen, Fieber und Schnupfen. Die Infektion kann später auf Hirnhaut, Gehirn und Rückenmark übergehen und dauerhafte Schäden wie Lähmungen, Koordinationsstörungen und ernsthafte psychische Veränderungen verursachen. Der einzige Schutz vor einer Infektion: eine regelmäßige Impfung.

Eine Impfung gegen den Krankheitserreger FSME sollte alle drei bis fünf Jahre erneuert werden.

Allen Menschen, die in FSME-Risikogebieten leben, wird eine Impfung dringend empfohlen. Der Impfstoff ist ein sogenannter Totimpfstoff und besteht aus inaktivierten FSME-Viren. Diese können keine Erkrankung mehr auslösen, aktivieren aber dennoch das Immunsystem, das spezifische Antikörper gegen die Viren entwickelt. Kommt es zu einer echten Infektion mit dem gefährlichen Virus, ist das Immunsystem vorbereitet und startet mit der Produktion der Antikörper, um den Eindringling vor einer Erkrankung zu zerstören. Die Impfung sollte je nach Alter im Abstand von drei bis fünf Jahren aufgefrischt werden.

Risikogebiete der FSME-Krankheitserreger in Deutschland

Die Mehrheit der FSME-Fälle verteilt sich auf die bekannten Risikogebiete: Besonders in Bayern und Baden-Württemberg sind Erkrankungen keine Seltenheit mehr. Aber auch in einzelnen Regionen im Süden Hessens, in Sachsen und in Thüringen, in in Mittelhessen, im Saarland und in Rheinland-Pfalz häufen sich die Infektionen. Seit Februar 2019 gibt es mit dem Landkreis Emsland in Niedersachsen das erste Risikogebiet in Norddeutschland.

FSME war im vergangenen Jahr deutlich auf dem Vormarsch: In Deutschland wurden mit 583 überdurchschnittlich viele Erkrankungs-Fälle gemeldet. Damit ist ein neuer Höchstwert (seit 2006 mit 546 Fällen) erreicht. Außerdem kamen neue Risikogebiete und ein Sprung nach Norden hinzu, wie das Robert-Koch-Institut berichtet. Eine Mehrzahl der Erkrankungen wird in den Monaten Mai bis Oktober gemeldet.

Ein solches Schild sollte unbedingt ernst genommen werden: in den vergangenen Jahren wurde eine Zunahme von Hirnhautentzündungen durch FSME beobachtet.
  • Die wohl wichtigste Regel zuerst: Nach einem Aufenthalt im Freien den Körper vor allem an den bevorzugten Stichstellen gründlich nach Zecken absuchen: Schamgegend, Oberschenkelinnenseite, Bauchnabel und Umgebung, unter den Brüsten, Achselhöhlen, Schultern, Hals und Nacken, Haaransatz, hinter den Ohren, in der Kniekehle und in der Armbeuge. Das sofortige Absuchen ist deshalb sehr wichtig, weil Zecken nicht gleich zustechen, sondern erst nach einer geeigneten Stelle suchen.
  • Besonders auf die kleinen Larven und Nymphen achten: Sie sind sehr klein, hellbraun und können leicht übersehen werden, da sie auf der Haut zuerst wie Sommersprossen aussehen können.
  • Socken über die Hosen stülpen, lange Ärmel und Hosen sowie festes Schuhwerk tragen.
  • Zeckenschutzmittel mitnehmen: Das wirkt allerdings nur beschränkte Zeit und ist als einzige Maßnahme wenig zuverlässig.
  • Beim Wandern und Spielen möglichst nicht an Sträuchern und Büschen entlang streifen.
  • Kinder oder Haustiere immer gründlich untersuchen, wenn sie vom Spielen im Freien wieder ins Haus kommen.
Wenn die Zecke sich mit Blut vollsaugt, steigt ihr Gewicht. Ist die Zecke vollgesogen, lässt sie sich vom Wirt abfallen.
Was tun, wenn es schon passiert ist?:

Zuerst sollte man den Blutsauger mit einer Pinzette entfernen, um das Infektionsrisiko zu minimieren. Am Besten zieht man sie nahe der Hautoberfläche, also an ihren Mundwerkzeugen (niemals am vollgesogenen Körper) langsam und gerade aus der Haut heraus. Die Zecke sollte auf keinen Fall dabei gedreht werden, da man das Tier nur unnötig reizt. Das könnte dazu führen, dass es seinen Speichel und somit mögliche Infektionserreger abgibt. Danach ist es wichtig, die Einstichstelle und mögliche Symptome zu beobachten.

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