Wackersdorf
12.03.2019 - 15:06 Uhr

Bel Ami mit Genie-Status

Im Saal der evangelischen Friedenskirche geht der 20. Wackersdorf-Treff über die Bühne. Referent Arne Langbein stellt dabei eine Geistesgröße vor, die nicht nur zu seiner Zeit für kreativen Aufruhr sorgte – Friedrich Schleiermacher.

Über den Theologen Friedrich Schleiermacher sprach Pfarrer Arne Langbein beim 20. Wackersdorf-Treff im Saal der Friedenskirche. Bild: exb
Über den Theologen Friedrich Schleiermacher sprach Pfarrer Arne Langbein beim 20. Wackersdorf-Treff im Saal der Friedenskirche.

Im Saal der evangelischen Friedenskirche ging der 20. Wackersdorf-Treff über die Bühne. Referent Arne Langbein stellte dabei eine Geistesgröße vor, die nicht nur zu seiner Zeit für kreativen Aufruhr sorgte - Friedrich Schleiermacher. Langbein blendete zurück an den Beginn des 19. Jahrhunderts und präsentierte Schleiermacher als aufstrebenden Theologen, der zwar nicht schön war, aber hochintelligent, der klein war von Wuchs, aber ein Herzenseroberer - kurzum ein Bel Ami mit Genie-Status. Trotzdem kennt ihn fast niemand mehr. Dem wollte der Pfarrer abhelfen, der sich seit Jahren mit diesem intellektuellen Superstar der bürgerlichen Gesellschaft der Zeit von Goethe und Napoleon beschäftigt.

Schleiermacher sah sich als Vertreter einer dritten Position im geistigen Ringen seiner Epoche. Da waren zum einen der aufkommende Industriekapitalismus und seine spektakulären Erfindungen wie Dampfmaschine und Eisenbahn. Dessen Verteidiger und Parteigänger stellten den Menschen in den Mittelpunkt, der sich ohne Gott in einer kalten Welt auf dem Weg der Selbstvervollkommnung befindet; auf der anderen Seite die wirkungsmächtige philosophische Mode der Romantiker, die die Welt "wiederverzaubern" wollten. Sie kamen ebenfalls ohne höhere Fügung aus.

Auch Schleiermacher sah zuerst den Menschen, erkannte aber auch dessen "Gefühl für das Göttliche". Dass er dabei den Glauben über das Bibellesen und die Kirchenstrukturen stellte, machte ihn seiner eigenen Theologenfraktion suspekt, wie Langbein wusste. Aber oft sind es die Querdenker, deren Ansichten die Zeiten überdauern, während man von den anderen nie mehr wieder etwas hört. "Dabei hätte ich sein Jubiläum beinahe selbst verpasst", gestand der Pfarrer und spielte damit auf den 250. Geburtstag Schleiermachers an, der in den Herbst 2018 fiel. Die Deutsche Post hatte übrigens dran gedacht: Sie gab aus diesem Anlass eine 70-Cent-Briefmarke heraus.

Noch immer verbindet man mit Schleiermacher dessen bekanntestes Werk "Über die Religion. Reden an die Gebildeten unter ihren Verächtern". Es wurde 1799 veröffentlicht und legte den Grundstein für seinen Ruf als "Kirchenvater des 19. Jahrhunderts". Schleiermacher erklärt darin seine Sicht darüber, was Religion ihrem Kern nach ist: Gefühl und Anschauung des Universums. Sie besteht unabhängig von Moral und Metaphysik. Auch die Ansätze einer Kirchenlehre und einer religiösen Bildungslehre werden behandelt.

Die neue Vertrauensfrau des evangelische Kirchenvorstands, Brigitte Lang, wies zum Abschluss darauf hin, dass sich der Wackersdorf-Treff in den vergangenen sechs Jahren zu einem Erfolgsmodell entwickelt habe. Ins Leben gerufen hatte den Treff 2013 der damalige Pfarrer Milton Jandrey, ein Brasilianer, der in der Schwandorfer Pfarrei Dienst tat.

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