04.09.2019 - 14:46 Uhr
WackersdorfOberpfalz

Deponie bei Wackersdorf wird rekultiviert: Grüne Wiese auf schwarzer Asche

Schneekanonen, mitten im Sommer? Beim Thema Arbeitssicherheit setzen die Verantwortlichen bei der Rekultivierung des Westfelds auch auf ungewöhnliche Lösungen. Der betriebene Aufwand ist enorm.

von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Das Westfeld liegt westlich der Gemeindeverbindungsstraße Wackersdorf-Oder, Auf etwa 80 Hektar wurde hier ab 1930 zunächst Braunkohle für das Dampfkraftwerk Dachelhofen abgebaut, Das Loch wurde mit Abraum, mit Kraftwerks- und Rostaschen, Filterstäuben und in Teilbereichen mit Bauschutt der abgerissenen Brikettfabrik und des Bayernwerks verfüllt. Seit 2013 wird das Gelände aufwendig rekultiviert. Das ist Aufgabe der Uniper, Rechtsnachfolger der Bayerischen Braunkohleindustrie (BBI). Die Gesamtkosten gibt Projektleiter Andreas Stake mit 36 Millionen Euro an. Bis Ende 2022 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Ziel: Die Deponie soll abgedichtet werden, damit möglichst kein Wasser mehr durch die Ablagerungen sickert und ins Grundwasser gelangen kann. Kraftwerks-Aschen enthalten unter anderem Schwermetalle.

Naturschutz im Blick

Bevor die Bagger anrollten, war schon ab 2005 der Naturschutz dran: Flora und Fauna wurden kartiert, Tiere umgesiedelt, Ersatzbiotope geschaffen (wir berichteten). Die rekultivierte Landschaft solle einen ökologischen Mehrwert gegenüber dem vorherigen Zustand bieten, sagten Stake und Uniper-Pressesprecher Jan Kiver am Dienstag vor Ort. Es entstehen Magerrasen, wertvolle und artenreiche Lebensräume für Tiere und Pflanzen. Im fertigen Abschnitt 1 sind die blühenden Wiesen schon zu sehen. Büsche und Bäume dürfen hier nicht wachsen. Die Wurzeln könnten die Dichtschicht in etwa 1.20 Meter Tiefe verletzen. Sie besteht unter anderem aus Bentonit, einem Tonmineral. Zweimal im Jahr wird gemäht. Ob hier eines Tages Schafe oder Ziegen zur Landschaftspflege weiden, ist noch offen, sagt Stake.

Lkw, Raupen und Bagger rollen derzeit rund um den tiefsten Punkt der Deponie. Hier wird das Abwasser gesammelt und einer Kläranlage zugeleitet. Die Färbung stammt laut Kiver nicht von Rotschlamm, sondern von eisenhaltligen Ablagerungen in der Deponie. Die Baustelle ist aus Sicherheitsgründen abgesperrt, bis hin zum Besucherpfad des nördlich gelegenen Geotops "Wackersdorfer Braunkohle". Dessen Gelände selbst werde von den Arbeiten aber nicht berührt, so Stake. "Das Geotop steht nach den Arbeiten wieder genauso zur Verfügung wie vorher."

Eine Schneekanone hält Staub nieder, teils mussten die Arbeiter auf der Baustelle mit Masken arbeiten, sagte Bauleiter Paul Zant von der ausführenden Firma Kassecker (Waldsassen). Für ihn ist es eine besondere Baustelle: Als Schwandorfer kennt er die Gegend natürlich genau. Rund 80 000 Kubikmeter Erdreich (180 000 Tonnen) werden allein im 50 000 Quadratmeter großen Bauabschnitt 2 des Westfelds aufgebracht, um die ehemalige Deponie abzudecken und zu flachen Hügeln zu profilieren, erklärte Stake. 80 000 Kubikmeter, das sind über 30 Olympia-Schwimmbecken voll. Die Erde stammt aus der Region. Gräben und Becken werden mit 30000 Tonnen Wasserbausteinen gesichert.

Bauabschnitt 1 (20 Hektar) ist weitgehend fertig, Bauabschnitt 2 soll bis Ende 2020 abgeschlossen sein. Parallel laufen derzeit die Vorbereitungen für den dritten Abschnitt am ehemaligen Westfelddamm, direkt an der Straße. Hier war einst der Kohlebunker. Das war das Zwischenlager, in dem nach dem BBI-Aus tschechische Kohle bis zum Transport ins Kraftwerk Dachelhofen vorgehalten wurde. Die Entwässerung wird neu geregelt, der "Grubenwassergraben Nord" wird auch dem Hochwasserschutz für das Areal rund um den Bauhof dienen. Hier sollen Rückhaltebecken entstehen.

Nutzung offen

2022 soll die Rekultivierung abgeschlossen sein. Und dann? Ziel sei, das Gelände zugänglich zu machen, sagen Stake und Kiver. Eine Nutzung? Das Gerücht um einen Golfplatz hält sich nachhaltig, aber es sei nichts dran, sagte Daniel Fendl, geschäftsleitender Beamter der Verwaltungsgemeinschaft Wackersdorf/Steinberg, Das Westfeld liegt auf Gebiet beider Gemeinden. "Wir planen hier momentan garnichts", so Fendl. Bis das Areal nutzbar wäre, werden ohnehin noch Jahre vergehen.

Mit dem Westfeld ist die Beseitigung der Bergbaufolgen im Revier noch nicht abgeschlossen. Im Bereich des ehemaligen Tagebaus "Steinberg West" nahe des Loiblweihers liegen Altlasten. Welche und wo genau, wird derzeit untersucht.

Der erste Teil der Rekultivierung

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