19.11.2018 - 13:32 Uhr
WackersdorfOberpfalz

Die Deutschen in Brasilien – wie sie ihre Kirche aufbauten

Wolfgang Döbrich kennt sich aus mit der Geschichte der evangelischen Kirche in Brasilien. Deutsche haben daran einen wichtigen Anteil. Die kleine Glaubensgemeinschaft ist jedoch in einer schwierigen Lage.

Pfarrer Alfredo Malikoski (links) begrüßte den früheren Kirchenrat Dr. Wolfgang Döbrich als Referenten beim "Wackersdorf-Treff".
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Der promovierte Theologe, der in Feldafing am Starnberger See lebt, war Gast des "Wackersdorf-Treffs" in den Gemeinderäumen der evangelischen Friedenskirche an der Sportplatzstraße. Die Grundlage seines Vortrags waren die Ergebnisse seiner Dissertation "190 Jahre Kirche gestalten. Die Deutschen in Brasilien - wie sie ihre Gesellschaft und Kirche aufbauten". 1824 landeten die ersten Segelschiffe mit deutschen Auswanderern in Brasilien. Es werden rund 300 000 Menschen - eine im Vergleich mit Nordamerika kleine Zahl, wohin etwa sechs Millionen ausgewandert sind. Mit den Migranten kam ihr Glaube in die neue Heimat.

Im katholischen Südamerika mussten die evangelischen Einwanderer ihr eigenes Kirchenwesen aufbauen. Als die Siedler um 1860 von deutschen Diplomaten "entdeckt" werden, geraten sie in den Sog des deutschen "Volksdenkens". Nach Jahrzehnten der Rückbindung an die alte Heimat mit ihrer Entwicklung vom Deutschen Bund bis zur Bundesrepublik Deutschland, und nach der Erfahrung der Geschichte Brasiliens vom Kaiserreich bis zur präsidialen Republik besannen sich die deutsch- evangelischen "Synoden" auf ihre Aufgabe vor Ort. Dies umso mehr, als Brasilien besonders in den Jahren der Militärdiktatur umgewandelt und auf den Weltmarkt ausgerichtet wurde.

Mit 700 000 Menschen ist die "Evangelische Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien" (IECLB) vergleichsweise klein, ihre Struktur ist geprägt von einer sehr flachen Hierarchie, aber einer extremen räumlichen Dehnung. Teilweise sind im Amazonasgebiet die Zuständigkeitsgebiete einzelner Pfarrer so groß wie Bayern: "Die sind dort den ganzen Tag unterwegs zu den Gläubigen." Döbrich wies darauf hin, dass "in den entstehenden gewaltigen Metropolen sowie in den riesigen Neusiedlungsgebieten das mitteleuropäische Modell der Volkskirche nicht mehr funktionierte".

In den letzten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts fand die "Evangelische Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien" aber durch Reformen, die vor allem mit Kirchenpräsident Prof. Dr. Brakemeier verbunden sind, eine neue "brasilianische" Gestalt. "Der IECLB gelingt es heute, ihren Platz im brasilianischen Markt der Religionen zu behaupten", war sich der Referent sicher.

Er wusste auch: "Neuerdings kommen Impulse aus Brasilien zu uns. Die Erfahrungen der Brasilianer können die Reformbemühungen der 'Lutherischen Communio' weltweit befruchten."

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