23.09.2018 - 16:32 Uhr
WackersdorfOberpfalz

Drei Hausecken stützt die Frau

"Lebensmittel verramscht man nicht", schreibt Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber dem Handel ins Stammbuch. Wie die Staatsregierung die Produzenten unterstützen will, erläutert sie im Erlebnispark Wasser-Fisch-Natur.

Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (vorne, Mitte) trägt sich nach einem Rundgang im Erlebnispark „Wasser-Fisch Natur“ ins goldene Buch der Gemeinde Wackersdorf ein. Flankiert wird sie dabei von Landrat Thomas Ebeling, Bürgermeister Thomas Falter, Christina Bauer, Manfred Wendl und Landtagsabgeordnetem Alexander Flierl (alle CSU, von links).
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

(ch) Lediglich zwei Prozent der Bayern seien in der Landwirtschaft beschäftigt, stellt Kaniber bei der CSU-Veranstaltung am Samstag vor rund 120 Gästen klar, "die restlichen 98 Prozent erklären den Landwirten, wie sie arbeiten sollen." Das könne nicht gutgehen. Die Politik müsse in der Gesellschaft für Verständnis und Wertschätzung der Arbeit der Land-, Forst und Teichwirte werben. Dazu gehöre, dass gute Lebensmittel ihren Preis haben - auch damit Metzger, Bäcker und der Wirt auf dem Dorf noch eine Chance haben. Um das Bewusstsein für die Arbeit der Landwirte zu schaffen, sei der Erlebnispark Wasser-Fisch-Natur ein tolles Beispiel, sagte die Ministerin nach einem Rundgang durch die Anlage.

Vorhaben wie das Verbot der Anbindehaltung bei Milchkühen oder - ganz aktuell - das baldige Verbot der Ferkelkastration ohne Betäubung würden es der bäuerlich geprägten Landwirtschaft immer schwerer machen. Dabei seien die kleinen Höfe eher in der Lage, Krisen zu bewältigen als riesige Betriebe wie in Ostdeutschland, sagte die Ministerin.

Direkt- und Ausgleichszahlungen an die Landwirte seien unabdingbar, um die bäuerliche Struktur in Bayern zu erhalten. Dies werde die Staatsregierung "bis zum Ende verteidigen", sagte Kaniber. Anders als die Oppositionsparteien, die Zahlungen laut Kaniber an weitere Vorschriften binden oder wie die FDP gleich auslaufen lassen wollen. Einen Seitenhieb ernteten aber auch die Landwirte: Als die Staatsregierung die Futtermittel-Zuschüsse wegen der Sommerdürre beschlossen habe, seien die Preise um 100 Prozent gestiegen, kritisierte sie die mangelnde Solidarität. Es müsse deutlicher werden, dass die Bauern die wichtigsten Landschaftsschützer seien, sagte Kaniber. "Warum soll ein Landwirt Interesse daran haben, seinen Boden zu vergiften? Das ist seine Lebensgrundlage", sagte Kaniber. Beinahe jeder zweite Bauer in Bayern sei im Vertragsnaturschutz tätig. Wer sonst solle denn Blühstreifen säen und die Landschaft pflegen, fragte die Ministerin.

Der Freistaat werde außerdem die Forschung fördern, um schnellstmöglich Antworten auf die Probleme des Klimawandels zu finden. Der Tierschutz sei wichtig, griff sie ein weiteres Thema auf. Gleichwohl gelte es auch, Weidevieh oder Fische zu schützen. Bislang geschützte Räuber wie Wolf oder Otter richteten Schäden an. "Bayern ist für mich eine Region, in der der Wolf nicht bleiben kann", stellte die Ministerin klar. Und: Es müsse auch möglich sein, den ein oder anderen Otter zu entnehmen, wo er Schaden anrichtet.

Eine Lanze brach Kaniber für die Frauen in der Landwirtschaft: "Drei Ecken eines Hauses trägt die Frau, eine der Mann." Mit Erlebnisbauernhöfen, der Direktvermarktung und vielfältigem ehrenamtlichen Engagement seien sie die Stütze der ländlichen Region. Diese Region zu stärken, sei wesentliches Ziel der Staatsregierung. Auch, was die Entwicklung von Bauland in den Kommunen anbetrifft. "Innen statt außen" müsse das Ziel sein, auch um landwirtschaftliche Flächen zu sparen. Deshalb gelte es, Brachflächen in den Dörfern zu aktivieren.

Die Ministerin trug sich im Erlebnispark ins Goldene Buch Wackersdorfs ein. Begleitet wurde sie von Bürgermeister Thomas Falter, Landrat Thomas Ebeling, Landtagsabgeordnetem Alexander Flierl und den Listenkandidaten der CSU, Christina Bauer (Bezirkstag) und Manfred Wendl (Landtag).

Bayern ist für mich eine Region, in der der Wolf nicht bleiben kann.

Michaela Kaniber, Bayerische Landwirtschaftsministerin

Ministerin Michaela Kaniber machte sich mit CSU-Vertretern auf einen Rundgang durch den Erlebnispark, der in diesem Jahr schon von über 50000 Gästen besucht wurde.

Im extra aufgebauten Zelt stellte Ministerin Michaela Kaniber die Pläne der Landwirtschaftspolitik der Staatsregierung vor.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp