08.01.2020 - 14:56 Uhr
WackersdorfOberpfalz

Erinnerung an Missionar in Neuguinea

Wer war Johann Flierl? In Sulzbach-Rosenberg trägt eine Straße seinen Namen - viel mehr wissen nur wenige. Das wird sich ändern, denn seit dem 31. Oktober hat das Johann-Flierl-Museum seine Pforten geöffnet.

Anni Weber (Dritte von links) und Gerda Stollner (rechts daneben) haben ein Museum für den evangelischen Missionar Johann Flierl eingerichtet. Dieses Engagement würdigte Dekanatsmissionsbeauftragte Brigitte Lang (rechts) mit einem Empfang in Wackersdorf.
von Externer BeitragProfil

Johann Flierl - hoch verehrt in der Südsee, in seiner Heimat aber wenig bekannt - ist ein Oberpfälzer Bauernsohn, 1858 in Buchhof bei Fürnried (Landkreis Amberg-Sulzbach) geboren. Nach Lehrjahren in der Neuendettelsauer Missionsanstalt machte sich Flierl 1886 über Australien auf den Weg nach Neuguinea. "Der 12. Juli 1886, der Tag an dem er als erster protestantischer Missionar ankam, ist dort heute noch Flierl-Gedenktag", beschreibt Anni Weber das Ansehen, das Flierl in diesem Land genießt.

Brigitte Lang, die Vertrauensfrau des Schwandorfer evangelischen Kirchenvorstands, ist auch Dekanatsmissionsbeauftragte. Sie lud mit Schwandorfer Mitgliedern des Flierl-Museum-Fördervereins jene beiden Frauen zu einem Empfang in den Wackersdorfer Gemeindesaal ein, die Johann Flierl, dem Begründer der ersten evangelisch-lutherischen Tochterkirche in Papua-Neuguinea, viel Aufmerksamkeit widmen. Neben Anni Weber war das Gerda Stollner; sie haben das Johann-Flierl-Museum ins Leben gerufen, das vor zwei Monaten eröffnet wurde. Mit Fördermitteln der EU konnte das alte Schulhaus in Fürnried saniert werden.

Die Anfänge von Flierls Arbeit waren nicht leicht. Stammesfehden, Blutrache, Geisterglauben und Kannibalismus der Eingeborenen brachten sein Leben nicht selten in Gefahr. Zusammen mit seiner Frau baute er in den folgenden Jahrzehnten 18 Missionsstationen auf, gründete Schulen, Krankenhäuser und Kirchen. "13 Jahre dauerte es bis zur ersten Taufe", weiß Anni Weber, "aber am Ende seines Wirkens hatten sich 50 000 Menschen taufen lassen."

Flierl war Missionar und Doktor, brachte Saatkartoffeln aus der Heimat mit und führte die Arbeit mit Ochsen ein. Vor allem aber besaß sein Leben mit Frau und vier Kindern Vorbildfunktion und überzeugte die Einheimischen von einem friedlichen Miteinander. 1930, mit 72 Jahren, nahm Flierl Abschied von Neuguinea. Heute genießt er weltweites Ansehen, vor allem auch in den USA. 1947 ist Johann Flierl verstorben, wurde in Neuendettelsau begraben. In dem Land, in dem er wirkte, in Papua-Neuguinea, gibt es heute eine Million Lutheraner, bei einer Bevölkerung von 6,9 Millionen Menschen.

Hintergrund:

Flierl-Museum

Um dem großen Interesse auch ausländischer Besucher Rechnung zu tragen, richtete die evangelische Kirchengemeinde Fürnried im ersten Stock des ehemaligen Schulhauses eine Flierl-Dauerausstellung ein. In seinem nah gelegenen Heimatort Buchhof befindet sich ein Gedenkstein. Geöffnet ist das Museum am Mittwoch von 14.30 bis 16 Uhr und am Sonntag von 13.30 bis 16 Uhr. Führungen sind jeden ersten Sonntag im Monat um 14.30 Uhr.

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