22.07.2021 - 14:27 Uhr
WackersdorfOberpfalz

Fehrer schließt: 175 Mitarbeiter verlieren Arbeit

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Schockstarre beim Automobilzulieferer Fehrer in Wackersdorf: Am Mittwochmittag verkündet die Geschäftsführung die Schließung des Standorts. 175 Mitarbeiter verlieren ihre Arbeit. Die Entwicklung hat sich abgezeichnet.

Die Geschäftsleitung von Fehrer hat am Mittwoch bekannt gegeben, den Standort in Wackersdorf schließen zu wollen.
von Vanessa Lutz Kontakt Profil

"Es schmerzt sehr und es ist ein herber Schlag für die Mitarbeiter und ihre Familien", sagt Georg Haller, Betriebsratsvorsitzender des Wackersdorfer Automobilzulieferers Fehrer, im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Am Mittwoch um 13.30 Uhr hatte die Geschäftsführung ihre Belegschaft zu einer Informationsveranstaltung zusammengerufen - und dort verkündet, dass der Standort 2022 schließen wird. Das traditionsreiche Werk mit Hauptsitz in Kitzingen ist seit 1997 auch in Wackersdorf vertreten.

Betriebsrat Haller selbst ist seit 2000 dabei – wie viele seiner Wackersdorfer Kollegen schon fast von Anfang an. Sie haben den Aufbau des Standortes miterlebt, sind dem Unternehmen deshalb tief verbunden, wie es aus Mitarbeiterkreisen von Fehrer heißt. Das Durchschnittsalter des Teams ist eher hoch, sagt Haller. Für viele der Facharbeiter könnte es schwer werden, beruflich wieder Fuß zu fassen.

"Herrscht Schockstarre"

"Bei den Kollegen herrschte am Mittwoch Schockstarre", sagt er. Das bestätigt auch Olga Redda, Vorsitzende der IG Metall in Regensburg. Noch hätten sich wenige Mitarbeiter bei ihr gemeldet. Normal sei das aber, sagt sie. "Es braucht erstmal ein wenig Zeit, so eine Nachricht zu verdauen."

Gerüchte habe es immer wieder gegeben, dass der Fehrer-Standort in Wackersdorf geschlossen wird, sagen Haller und Redda. Teilweise sei das auch offen von der Geschäftsführung kommuniziert worden. Ein konkretes Datum sei allerdings nie genannt worden. Am 1. Juli bekam der Betriebsrat schließlich eine Mitteilung über die geplante Informationsveranstaltung zur Schließung. "Es hat eine gewisse Vorlaufzeit für die Mitarbeiter gegeben", stellt Haller klar. Auf Nachfrage bestätigt Zweiter Bürgermeister Thomas Neidl ebenfalls, dass die Gemeinde vorab über die Schließung informiert gewesen sei.

Kaum Aufträge

Die Automobilindustrie strauchelt - und diese Entwicklung hat auch Fehrer gemerkt, wie Haller sagt. "Von der Geschäftsführung hieß es am Mittwoch, es gebe kaum Aufträge mehr für uns", so Haller. Viele Sitzsystem-Lieferanten seien ins Ausland abgewandert und könnten somit ganz andere Preise für ihre Produkte verlangen. Auch der Sitzhersteller Lear war von dieser Entwicklung betroffen: 2019 musste die Firma im Innovationspark Wackersdorf endgültig ihre Pforten schließen und verlagerte die Produktion ins tschechische Tachau (Tachov).

Lear gab 2015 den Rückzug aus Wackersdorf bekannt

Ganz gelten lassen möchte das IG Metall-Vorsitzende Olga Redda die Begründung der Geschäftsführung so nicht: Der Standort Wackersdorf sei als Kapazitätswerk eingestuft worden. Das bedeutet, dass immer dann, wenn es zu Problemen in osteuropäischen Fehrer-Werken gekommen ist, Fehrer in Wackersdorf eingesprungen ist. Dem Kunden jedoch, Redda nennt BMW und Renault, seien allerdings ungarische oder tschechische Preise genannt worden. Jahrelang sei das gut gegangen – doch das große Lohngefälle habe dem Wackersdorfer Standort keine guten Zahlen beschert.

"Stehen Einzelschicksale"

Zweiter Bürgermeister Thomas Neidl bedauert die Entscheidung von Fehrer zur Standortschließung. "Hinter allen 175 Mitarbeitern stehen natürlich auch Einzelschicksale." Nun würden Gespräche anlaufen, das Landratsamt, die Gewerkschaft, der Betriebsrat und die Gemeinde seien allesamt an Bord, um eine möglichst gute Lösung zu finden.

Klar ist für Betriebsrat Haller eines: "Wir werden um jeden Mitarbeiter kämpfen, mit allen Mitteln, die uns zur Verfügung stehen." Das Beste wolle man für alle herausholen – und dieses Versprechen habe er seinen Kollegen auch am Mittwoch gegeben. "Noch stehen wir allerdings ganz am Anfang."

Bereits am Mittwoch nach der Veranstaltung habe es eine Zusammenkunft zwischen Gewerkschaft und Geschäftsleitung gegeben, erste Termine seien vereinbart worden. "Wir wollen für eine Lösung, für einen Erhalt kämpfen", sagt Olga Redda von der IG Metall. Parallel sollen Gespräche über einen Sozialplan laufen. Die Geschäftsführung war für eine Stellungnahme bis Redaktionsschluss nicht zu erreichen.

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Amberg
Hintergrund:

Die Firma Fehrer

  • Die Fehrer Gruppe ist einer der weltweit führenden Spezialisten für Komponenten im Fahrzeuginnenraum, heißt es auf der Homepage des Unternehmens. Seit Oktober 2014 gehört Fehrer zur weltweit aufgestellten AUNDE Group, welche zu den 100 größten Automobilzulieferern zählt.
  • Das Unternehmen wurde im Jahr 1875 in Kitzingen gegründet, seit 1997 existiert der Standort in Wackersdorf.
  • 175 Mitarbeiter sind im Wackersdorfer Innovationspark angestellt, das Team ist gleichermaßen männlich und weiblich besetzt, wie Olga Redda von der IG Metall sagt. Viele sind von Anfang an in Wackersdorf dabei. Der Altersdurchschnitt der Mitarbeiter liegt höher.

 

 

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