13.07.2018 - 00:15 Uhr
WackersdorfOberpfalz

Genie der Menschlichkeit

Albert Schweitzer sei ein „Genie der Menschlichkeit“ gewesen, urteilt Siegfried Kratzer. In seinem Vortrag beim evangelischen Wackersdorf-Treff weist der Referent auch auf Musikalität des Nobelpreisträgers hin.

Siegfried Kratzer sprach beim Wackersdorf-Treff der evangelischen Kirchengemeinde über Albert Schweitzer (1875 bis 1965).
von Externer BeitragProfil

Der gut besuchte Wackersdorf-Treff, zu dem zwischenzeitlich auch Katholiken kommen, begann mit einer Gratulation. Pfarrer Alfredo Malikoski wies darauf hin, dass die Krankenschwester und Erzieherin Noeli Falcade Geburtstag habe. Sie gehört zur Delegation aus Brasilien, die derzeit Gast der Schwandorfer evangelischen Kirchengemeinde ist, und war mit den anderen Brasilianerinnen bei der Veranstaltung im Saal der Friedenkirche anwesend.

Siegfried Kratzer, ein ehemaliger Seminarrektor und langjähriger Vorsitzender des Evangelischen Bildungswerks Amberg, ist ein Spezialist in Sachen Albert Schweitzer, den er in frühen Jahren als Bach-Organisten kennengelernt hat. In einem anschaulichen Vortrag mit vielen Bildern, die der 71-Jährige zum Teil selbst in Schweitzers Heimat im Elsass gemacht hat, wurde das Leben des weltberühmten Pastorensohns anschaulich.

Obwohl Schweitzer mit vielen bedeutenden Ehrungen ausgezeichnet wurde – unter anderem erhielt er Mitte der fünfziger Jahre den Friedensnobelpreis – war er ein streitbarer Geist. Der Theologe und Mediziner galt den einen als Glaubenszweifler, den anderen als Kommunist. Er selbst verstand sich als Mahner, der sowohl kirchliche Dogmen hinterfragte wie er auch leidenschaftliche Plädoyers für Abrüstung im Kalten Krieg und die Bewahrung der Natur veröffentlichte. Heute würde er wohl mit den Grünen sympathisieren.

In Erinnerung geblieben ist der 1965 verstorbene Schweitzer als Arzt im Urwald, der Ortsname Lambarene ist für immer mit ihm verknüpft. In diesem Ort im westafrikanischen Gabun hat er ein Krankenhaus geleitet. Er war ein Tat-Mensch, der sich von Ideologien nicht vereinnahmen ließ. „Ehrfurcht vor dem Leben“ war seine Maxime, wie Kratzer ausführte - bis dahin, dass er als 50-jähriger zum Vegetarier wurde.

Die Kirchen brachte der Theologe Schweitzer gegen sich auf, weil er die Göttlichkeit Jesu leugnete. „Er bricht mit dem Absolutheitsanspruch des Christentums“, machte der Referent deutlich, „und er forderte den Dialog mit allen Religionen“; gerade heutzutage wieder von eminenter Bedeutung.

Weil Schweitzer, so wie Kratzer auch, ein Orgelspieler war und beide Bach verehrten und verehren, lud der EBW-Vorsitzende am Ende seines Vortrags zu einem kleinen Konzert in die Friedenskirche ein. Dabei spielte er eine Fuge des Barock-Komponisten, die auch Schweitzer immer gerne angestimmt hatte. Wie Kratzer erläuterte, sei eine Fuge eine musikalische Komposition, in der ein Thema (eine Melodie) erst eingeführt und dann in anderen Stimmen wiederholt wird.

Langer Applaus dankte dem Referenten und Musiker. Eingeleitet wurde der Wackersdorf-Treff wie immer mit einem gemeinsamen Essen im Saal der Friedenskirche.





Zum Abschluss seines Vortrags über Albert Schweitzer spielte Siegfried Kratzer auf der Orgel der Wackersdorfer Friedenskirche.

Albert Schweitzer (* 14. Januar 1875 in Kaysersberg im Oberelsass bei Colmar; † 4. September 1965 in Lambaréné, Gabun) war ein deutsch-französischer Arzt, Philosoph, evangelischer Theologe, Organist, Musikwissenschaftler und Pazifist. Schweitzer, der „Urwaldarzt“, gründete ein Krankenhaus in Lambaréné im zentralafrikanischen Gabun. Er veröffentlichte theologische und philosophische Schriften, Arbeiten zur Musik, insbesondere zu Johann Sebastian Bach, sowie autobiographische Schriften in zahlreichen und vielbeachteten Werken. 1953 wurde ihm der Friedensnobelpreis für das Jahr 1952 zuerkannt, den er 1954 entgegennahm.

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