Bianca Härtl hat bis zu ihrem 30. Lebensjahr als zahnmedizinisch-technische Assistentin gearbeitet. Nach einer Operation stellten sich Lähmungserscheinungen ein, die sie in den Rollstuhl zwangen. Bei einer Podiumsdiskussion des CSU-Kreisverbandes am Freitag in den Räumen des Autohauses Maschek in Wackersdorf berichtete sie vom jahrelangen Kampf gegen die bürokratischen Hürden und den langen Weg zurück in die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.
Heute ist die 49-jährige Beauftragte für die Belange von Menschen mit Behinderung im Städtedreieck und hat sich zur „Fachkraft für Inklusion“ ausbilden lassen. „Menschen mit Handicap wünschen sich einen offenen Umgang miteinander“, sagte Bianca Härtl in der Diskussionsrunde. Berührungsängste seien der häufigste Grund für die Ausgrenzung. Sie wünscht sich deshalb „feinfühligere Reaktionen“ der Mitmenschen. Als Kreisvorsitzende des Bayerischen Landessportverbandes betonte Bianca Härtl die Integrationspotenziale durch Sport.
Zugang zum Stadtpark
In der von Fabian Borkner moderierten Diskussion wies Schwandorfs zweiter Bürgermeister Andreas Wopperer darauf hin, dass nicht nur behinderte Menschen auf Barrierefreiheit angewiesen seien, sondern auch ältere Mitbürger und Eltern mit Kinderwagen. Die Stadt Schwandorf baue derzeit im Oberpfälzer Künstlerhaus einen Aufzug ein und errichte einen barrierefreien Zugang zum Stadtpark. Wopperer verspricht sich von der Errichtung eines Familienzentrums eine Möglichkeit des Austausches.
Wackersdorfs Bürgermeister Thomas Falter hält es für wichtig, einen breiten Konsens in der Gesellschaft zu finden und das ehrenamtliche Engagement zu fördern. Die Nachbarschaftshilfe sei in seiner Gemeinde eine wichtige Säule der gegenseitigen Unterstützung.
Selbstbewusstsein förderm
Jemand, der geistig und körperlich behinderte Jugendliche auf dem Weg zur gesellschaftlichen Teilhabe begleitet, ist Anna Mehrer. Sie ist Trainerin der Integrationsgarde der Faschingsgesellschaft „Schwandoria“ und bereitet die 20-köpfige Gruppe auf öffentliche Auftritte vor. Sie beobachtet, „wie die Betroffenen immer selbstbewusster werden und die Anerkennung genießen“.
Der Geschäftsführer des Autohauses Maschek, Reiner Hochmuth, setzt behinderte Menschen dort ein, „wo es vom Betriebsablauf her möglich ist“. Er erwartet von den politischen Entscheidungsträgern „mehr Vertrauen in die Unternehmen und den Abbau bürokratischer Hürden“. Hochmuth widerspricht dem Vorurteil, dass Menschen im Rollstuhl weniger leistungsfähig seien.
Taxifahrer Thomas Merl stellte ein Fahrzeug zum Transport von Rollstuhlfahrern vor und demonstrierte mit Bianca Härtl die praktische Handhabung. Sie selbst ist nicht auf ein Taxi angewiesen, sondern kann mit Unterstützung selbständig vom Rollstuhl auf den Beifahrersitz ihres Autos wechseln. Die Veranstaltung diente der Integration. Nach der Podiumsdiskussion kamen bei einem Imbiss Menschen mit und ohne Beeinträchtigung ins Gespräch.













Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.