11.09.2019 - 16:10 Uhr
WackersdorfOberpfalz

Sichtbares Zeichen der Bergbau-Vergangenheit

Bayerns Repräsentant für den Boden des Jahres 2019 ist der "Wackersdorfer Kippenboden". Dies gab der Leiter des "Geologischen Dienstes" am Landesamt für Umwelt (LfU), Roland Eichhorn, bekannt.

An der Urkundenverleihung "Boden des Jahres 2019" am Ufer des Knappensees nahmen Andreas Stake von der Firma „Uniper“, Landrat Thomas Ebeling, die Bürgermeister Thomas Falter und Harald Bemmerl sowie LfU-Abteilungsleiter Roland Eichhorn (von links) teil.
von Rudolf Hirsch (RHI)Profil

Die Verwaltungsgemeinschaft Wackersdorf-Steinberg am See habe gemeinsam mit der "Uniper Kraftwerke GmbH" das Braunkohleabbaugebiet rekultiviert, das jahrelang die Landschaft prägte, sagte der LfU-Abteilungsleiter bei der Urkundenverleihung am Dienstag am Ufer des Knappensees.

"Heute verbindet ein Netz von attraktiven Wanderwegen die entstandenen Trocken- und Feuchtgebiete", erläuterte Roland Eichhorn die Jury-Entscheidung. Am Ufer des Knappensees mache ein Lehrpfad die bewegte Bergbaugeschichte von der Entstehung der Kohle bis hin zur heutigen Seenlandschaft erlebbar. Der dort entstandene "Kippenboden" wurde daher als bayerischer Vertreter des Bodens des Jahres 2019 ausgezeichnet.

Wo über 75 Jahre lang der Braunkohlebergbau die Landschaft prägte, liege heute ein beliebtes Naherholungsgebiet, betonte Bürgermeister Thomas Falter.

Am 21. September 1982 sei die letzte Kohle gefördert worden. Mit der Flutung der Gruben entstand das "Oberpfälzer Seenland" mit sechs Seen, die eine Gesamtfläche von 650 Hektar und 30 Kilometer Uferzonen haben. "Ich freue mich, dass das Prädikat Boden des Jahres heuer nach Wackersdorf geht", sagte der Vorsitzende des Zweckverbandes "Oberpfälzer Seenland", Landrat Thomas Ebeling. Bei einem Kippenboden handle es sich um Material, das nach der Auskohlung abgekippt, planiert und rekultiviert werde. Mit der Rekultivierung von Kohlengruben befasst sich seit Jahren die Firma "Uniper" als Rechtsnachfolgerin der Bayerischen Braunkohlenindustrie (BBI). Sie ist gerade dabei, das sogenannte Westfeld zwischen Wackersdorf und Steinberg am See abzudichten und zu rekultivieren.

Aus diesem 80 Hektar großen Gebiet sei einst Braunkohle für das Kraftwerk in Dachelhofen gefördert worden, erklärt Projektleiter Andreas Stake. Nach dem Abschluss der Arbeiten im Jahre 2022 werde das Unternehmen 36 Millionen Euro in Natur- und Artenschutzmaßnahmen des früheren Braunkohle-Tagebaugebiets investiert haben.

Bürgermeister Thomas Falter betonte die "bergmännische Identität", die sich der Industriestandort Wackersdorf auch nach der Schließung der Kohlereviere bewahrt habe. Die Marke "Spitzenstandort", mit der sich die Gemeinde gerne schmücke, erstrecke sich auch auf Freizeit, Leben, Gesellschaft und die bergmännische Identität. "Dazu brauchen wir aber Partner", so der Bürgermeister. Das heutige "Oberpfälzer Seenland" würde ohne den damaligen Weitblick der Verantwortlichen der Bayerischen Braunkohlenindustrie nicht existieren, ist Thomas Falter überzeugt. Der nun prämierte Boden erzähle die Geschichte der Region und damit auch der beiden Gemeinden Wackersdorf und Steinberg am See. "Der Boden des Jahres ist ein sichtbares Zeichen unserer Bergbau-Vergangenheit, auf die wir nach wie vor sehr stolz sind", unterstrich auch Steinberger Bürgermeister Harald Bemmerl.

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