12.07.2019 - 10:54 Uhr
WaidhausOberpfalz

Altzedlischer feiern Heimatgottesdienst

Als 1990 das erste Kirchenfest möglich war, konnte sich niemand vorstellen, das daraus eine ungebrochene Tradition werden sollte. Das Jubiläumsfest wird ein Heimattreffen neuer Dimension.

Pfarrer Vaclav Vojtíšek, Pater Franz Sigmund und Pfarrer Georg Hartl (von links) feiern den Heimatgottesdienst beim Jubiläumstreffen in Altzedlisch.
von Josef ForsterProfil

Ehemalige und Nachkommen der Altzedlischer feierten den 30. Heimatgottesdienst in großer Gemeinschaft. Die Teilnehmer kamen aus St. Gallen, Wien und Südtirol. Ein neuer Asphaltbelag entlang der rund fünf Kilometer langen Strecke von der Autobahnanbindung bis zur Kirche überraschte die Gäste. Vor der Festmesse dankte Pfarrer Václav Vojtíšek aus Tachau/Tachov als Hausherr für die vielen Spenden, die eine Renovierung der einstigen Pfarrkirche ermöglichen.

Das Jubiläum ist für Bürgermeisterin Jitka Valíčková ein besonderes Ereignis, worauf „sich viele Leute schon lange freuen – auch, weil die Entfernung zwischen der neuen und der alten Heimat oft groß ist“. In einem knappen Rückblick zählte sie die Neugestaltung der vergangenen Jahre im Ortsbereich auf. Erstmals habe das Dorf den Titel „Dorf des Jahres“ gewonnen. Der Ortsbetreuer von Maschakotten, Reinhold Wurdak, informierte über die jüngsten Sanierungen am Gotteshaus unter Federführung des Renovierungsvereins. Er dankte allen Spendern und Unterstützern.

„Wenn junge Leute heutzutage umziehen, geschieht dies aus privaten oder beruflichen Gründen, aber sie werden nicht vertrieben“, sagte die Altzedlischer Marktbetreuerin Sieglinde Wolf aus Nürnberg zu Beginn ihrer zweisprachigen Begrüßung. 73 Jahre nach der Vertreibung überwiege nun die Freude, schon zum 30. Male in ununterbrochener Folge das Patrozinium der Pfarrkirche feiern zu können.

Pater Franz Sigmund aus Günzburg in Westfalen zelebrierte den Heimatgottesdienst gemeinsam mit Pfarrer Georg Hartl aus Waidhaus und Pfarrer Vojtíšek. Das Vereinsorchester des Musikvereins Waidhaus unter Leitung von Hermann Mack gestaltete die Feier mit. Festliche Fanfaren und Lieder aus der Schubert-Messe erklangen. „Heute sind es viele Menschen in vielen Ländern, die als Flüchtlinge ihre Heimat verlassen“, sagte Pater Sigmund in der Predigt. Aus der am 27. November 1949 unterzeichneten „Eichstätter Erklärung“ zitierte er die Forderung zur Aufhebung der Vertreibung und wies zugleich auf den damit verbundenen Verzicht auf Rache und Vergeltung hin. Mit der Aussage: „Europa ist unser aller Heimat“ bat er die Mitfeiernden, zu bedenken: „Immer wieder erleben wir, wie gefährdet Frieden, Freiheit und Menschlichkeit sind“.

Josef Mascher aus Brixen informierte vor dem gemeinsam gesungenen Böhmerwaldlied über die schwere Erkrankung von Baron Rudolf von Unterrichter, weshalb dieser erstmals nicht teilnehmen könne. Bislang sei das Heimattreffen „immer fixer Bestandteil seiner Jahresplanung gewesen und der Weg hierher war ihm nie zu weit“. In einer Fürbitte baten die Gläubigen um Genesung des Adligen, der ein vorbereitetes Referat im nächsten Jahr unbedingt vortragen wolle.

Organisatorin Wolf dankte dem Vereinsorchester Waidhaus für die zehnte Begleitung des Jubiläums. Der Gemeinde Altzedlisch zollte sie Lob für die Pflege des Friedhofs. Erst dann ging sie auf das eigentliche Jubiläum ein: „Wir, die ehemaligen Einwohner, sind glücklich, dass wir diesen Gottesdienst zum 30. Mal feiern konnten.“ Dazu übermittelte sie Grüße von verschiedenen Landsleuten bis aus Texas. Den Teilnehmern wünschte sie „schöne Stunden in den Heimatorten“, nachdem auch Ehemalige aus dem einstigen Pfarrsprengel seit 1990 das Heimattreffen mitfeiern. Ein umfangreiches Standkonzert des Musikvereins schloss sich zur Freude aller Gäste vor der Kirche an. Darauf folgte ein Mittagessen in der Schule des Orts. Rundgänge durch den Ort und ein geselliges Kaffeetrinken im Pfarrhaus waren weitere Programmpunkte des Treffens.

Unter Leitung von Hermann Mack spielt das Vereinsorchester des Musikvereins Wunsch-Lieder beim Standkonzert vor dem Hauptportal der Heimatkirche.
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