14.04.2019 - 09:17 Uhr
WaidhausOberpfalz

Autobahnkirche ihr Lebenswerk

Die 80 Lebensjahre sieht man ihr beileibe nicht an. In den Jahren seit dem Umzug in die neue oberpfälzer Wahlheimat ist Gunhild Stempel auch hier zu einer festen Größe geworden.

Daheim im eigenen Wohnzimmer empfing Gunhild Stempel (rechts) die Gratulanten zu ihrem 80. Geburtstag, darunter Bürgermeisterin Margit Kirzinger (links) und AWO-Vorsitzende Andrea Grötsch (Mitte).
von Josef ForsterProfil

Auf der Ziegelhütte, einem kleinen Weiler zwischen Pfrentsch und Waidhaus, ist die Neuachzigerin längst daheim. Dort empfing die Jubilarin auch den ganzen Tag lang ihre Gäste. Das war ein buntes Stelldichein der Kulturen und Sprachen, denn die Gratulanten wechselten ständig und die Jubilarin feute sich über jeden Besucher: "Es ist nicht wichtig, ob jemand katholisch, evangelisch oder orthodox ist."

Bürgermeisterin Margit Kirzinger übermittelte mit original Waidhauser Pralinen im Gepäck die herzlichsten Glückwünsche auch in ihrer Funktion als stellvertretende Landrätin. Mitgebracht hatte sie zudem AWO-Vorsitzende Andrea Grötsch, nachdem sich Stempel im Arbeitskreis Asyl mit ihren Fähigkeiten enorm einbringt. Pfarrer Georg Hartl gratulierte als Freund, Mitstreiter, Kollege und Ortsseelsorger. Bekannt wurde die ordinierte Laienpredigerin nicht zuletzt durch ihren Einsatz für die Ernennung der Waidhauser Dreifaltigkeitskapelle am westlichen Ortseingang zur einzigen Autobahnkirche der Oberpfalz.

Im später gegründeten Trägerverein übernahm sie deshalb bewusst die Aufgabe der evangelischen Vorsitzenden. Längst ist aus der Autobahnkirche mehr geworden. Eine der wenigen ökumenisch ausgerichteten und darüber hinaus Radwegekirche mit einer starken Orientierung zu den östlichen Nachbarn in Europa. Seit 15 Jahren kümmert sich die pensionierte Lehrerin als Beauftragte der evangelischen Landeskirche um das besondere Kleinod mitsamt den Gottesdiensten und die Gläubigen. Ehrenamtlich und mit ganzen Herzen. Sie will geben und für andere da sein, anstatt nur zu nehmen. "Mir ist es wichtig, anderen etwas von meiner Zeit zu schenken."

Genauso wichtig ist ihr die Predigt, um die Kirchenbesucher zu erreichen, sie zum Nach- und auch zum Umdenken anzuregen. "Die Leute sollen ja nicht einschlafen dabei, sondern etwas aus meinen Worten mitnehmen." Meistens gelinge ihr das ganz gut, denn sie gestalte ihre Reden lebendig und unterhaltsam. "Ein Vorteil der Ökumene, da kann man frei reden", sagte Stempel mit einem Augenzwinkern. Als persönlichen Geburtstagswunsch hoffte sie, dass sich die Konfessionen irgendwann einmal gegenseitig in ihre Kirchen einladen. Die einzige Autobahn- und Radwegekirche in der Oberpfalz ist ein Wegbereiter dazu. Gemeinsam mit ihren Mitstreitern freut sich die Vorsitzende auf den 13. Juli, wenn das nun schon 15-jährige Bestehen mit einem Festgottesdienst gefeiert wird.

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