Der Gemeindesaal in Waidhaus füllte sich zum Abschied und zur Amtseinführung am Dienstag mit Uniformträgern, viele Herren, wenige Damen - darunter Bürgermeisterin Margit Kirzinger, die für die enge Zusammenarbeit dankte. Launig begrüßte Sprecher Hans Miesbeck die Gäste in Reimform.
Sehr persönlich fiel der Abschied durch Bundespolizei-Präsident Karl-Heinz Blümel vom bisherigen Inspektionsleiter Wolfgang Franz aus. Man kennt und schätzt sich seit über 20 Jahren: "Wir haben eine ähnliche Einstellung zur Dienstverrichtung und erstaunlich deckungsgleiche Hobbys." Beide interessieren sich für das Imperium Romanum und können sich so lange über die Zusammensetzung einer römischer Legion unterhalten, "bis alle übrigen Gesprächspartner ins Koma stürzen". "Das nehmen wir kaltlächelnd hin wie abgebrühte Centurios."
"Centurio" Franz trat als 17-Jähriger vor 44 Jahren in Nabburg als Grenzjäger seinen Dienst an. Die erste Beurteilung beschrieb den jungen Mannheimer als "schwungvoll, wendig, aufgeweckt".
Früh empfahl er sich für Führungsaufgaben: Er war Lehrgangsbester für den gehobenen Dienst, eignete sich Englischkenntnisse am Police Staff College in Bramshill an. Selbst in seiner Waidhauser Zeit war er an Auslandsmissionen beteiligt. Unter anderem setzte er ab 2000 mit Blümel ein Grenzschutzprojekt in der Ukraine um. 2008 erarbeitete er ein Konzept für die kroatisch-bosnische Grenze. 2011 folgte ein Einsatz in Riad (Saudi-Arabien). Parallel leitete Franz ab 2003 im Wechsel mit Uwe Landgrebe die Bundespolizei Waidhaus als aufgriffsstärkste Dienststelle zur tschechischen Grenze.
Sein Nachfolger ist ihm bestens vertraut und kennt den Standort von der Pike auf: Gerhard Höfler tut jetzt schon zum vierten Mal Dienst in Waidhaus - in allen Laufbahnen. 2006/2007 leitete er als Stellvertreter mit Wolfgang Franz die Inspektion. Gemeinsam setzten sie die Verschmelzung der Dienststellen Waidhaus und Bärnau um - eine große Herausforderung. Aus der Konkurrenz zur Landespolizei ist ein "gelebtes Miteinander" geworden. Franz erwähnte die Brüder Josef und Martin Zehent, die von Seiten der Landespolizei maßgeblich zu dieser "Lex Waidhaus" beigetragen hätten. Und selbstverständlich mischten sich in die Reihen am Dienstag auch tschechische Polizeivertreter.
Dem neuen Chef eilt der Ruf eines "ungeheuer fleißigen Beamten" voraus, so Präsident Blümel. In Franken hatte Höfler schon einige Führungsfunktionen, eher er 2016 die Leitung der Inspektion Waldmünchen übernahm. Das erste Halbjahr 2018 leitete er zusätzlich die Inspektion Nürnberg. Blümel: "Sie hatten in der Zeit keinen Tag Urlaub." Die Belastung wird für den Familienvater, der vor zwei Jahren von Schmidgaden nach Burglengenfeld übersiedelte, nicht kleiner. Höfler selbst sieht "eine Fülle an Herausforderungen, begleitet von teilweise ungünstigen Rahmenbedingungen".
Die Bundespolizeiinspektion Waidhaus hat an der deutsch-tschechischen Grenze unbestritten eine besondere Rolle. Der bisherige Leiter Erster Polizeihauptkommissar Wolfgang Franz nannte 1300 unerlaubte Einreisen 2018 (bis November), dazu über 300 Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz und einige Schleusungen, teilweise im Bereich der organisierten Kriminalität.
Diese Arbeit bewältigt die Dienststelle mit konstant zu wenig Personal. Aktuell sind in Waidhaus (mit Bärnau und Weiden) 198 Polizeivollzugsbeamte tätig – bei einer Sollstärke von 225. Sprich: 27 Beamte fehlen. Die Inspektion muss seit Jahren Umsetzungen an den Flughafen München sowie die Bahnhöfe München und Nürnberg verkraften, so Dr. Karl-Heinz Blümel, Präsident der Bundespolizeidirektion München
Der Chef aus München rechnet auch nicht damit, dass 2019 für die Inspektion in Waidhaus Erleichterungen bringt: „Die Umsetzungen werden fortgesetzt.“ Aber es gebe einen „hellen, großen Silberstreif“ am Horizont: Der Bund stellt 12 000 zusätzliche Planstellen zur Verfügung. „Davon werden mittelfristig auch Waidhaus und alle anderen Grenzdienststellen profitieren.“ Ziel sei, 2020 die Umsetzungen zu reduzieren und in der Folge „frisches Blut“ nach Waidhaus zu bringen. Der Altersdurchschnitt liegt aktuell bei 51.
Der Dank des neuen Inspektionsleiters Polizeioberrat Gerhard Höfler galt dafür Bundestagsabgeordneten Uli Grötsch (SPD) für seinen Einsatz. Höfler ist zuversichtlich, „dass wir zumindest 2020 deutliche Entspannung spüren und unser Personal wieder bei uns haben“. Abgeordneter Grötsch versprach auch in seiner Eigenschaft als Mitglied des Innenausschusses weitere Unterstützung: „Wir sind uns der Verantwortung bewusst.“ (ca)













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