08.01.2020 - 09:23 Uhr
WaidhausOberpfalz

Im Chor zählt jede Stimme

Der Gesangverein 1910 hat 70 Mitglieder. Das scheint eine gute Basis zu sein. "Doch 67 Mitglieder sind bereits älter als 75 Jahre", merkte Gisela Olbrich an. Aktiv an den Singstunden beteiligen sich nur noch neun Mitglieder.

Auf Anhieb finden sich beim Gesangverein 1910 mit Andrea Olbrich (Fünfte von rechts) und Dominik Schaller (Zweiter von links) neue Köpfe für das Führungsgremium um Vorsitzende Martina Schaller (Fünfte von links).
von Josef ForsterProfil

Singstunden finden jeden Dienstag statt, abwechselnd in Waidhaus und Vohenstrauß. Der Besuch ist sehr gut, da die wenigen Sänger wissen, dass jede Stimme zählt. Vorsitzende Martina Schaller umschrieb die aktuelle Situation bei der Jahreshauptversammlung treffend: „Dies ist auch allen bewusst, daher bemüht sich fast jeder, die Singstunden zu besuchen.“

Ihr Dank galt Chorleiter Alexander Völkl: „Er ist immer bemüht, neues Liedgut zu finden und auch ältere Stücke immer mehr zu perfektionieren. Der Leuchtenberger Chorleiter Holger Scheufler übernimmt die Vertretung, wenn er verhindert ist.“ Mit großer Freude erinnerte die Vorsitzende an den „Tag des Gesangs“ in Waldsassen, der bei allen Teilnehmern mächtigen Eindruck hinterlassen habe.

Trotz der enorm dünnen Decke an Aktiven bleibt der Gesangverein eine Größe in Waidhaus. Das ist vor allem ein Verdienst der rührigen Vorsitzenden: „Wenn die Vereinsgemeinschaft ruft, dann machen wir was geht.“ Bürgermeisterin Margit Kirzinger würdigte diese Verdienste besonders. Vorsitzende Schaller gestand, mit ihren Vorgängern Simon Puff und Karl Rauch, um große Vorbilder zu wissen.

Am Dienstagabend wählten sieben Mitglieder im Vereinslokal „Alte Post“ bei Helene Wolf einen neuen Vorstand. Die Neuwahlen wurden als dringlich eingestuft, nachdem Schriftführer Karl Langbein aus gesundheitlichen Gründen schon 2019 sein Amt niedergelegt hatte. Aus Zeitmangel sei zudem Kassier Roland Dierl zurückgetreten. Eine Übersicht zur finanziellen Situation übernahm deshalb die Vorsitzende.

Doch die Neuwahlen unter Bürgermeisterin Kirzinger liefen wie am Schnürchen. Mit Dominik Schaller kann der Verein ab sofort auf einen fundierten Kenner der digitalen Buchführung als neuen Kassier zurückgreifen. Gleiches gilt für Andrea Olbrich, die für das Amt als Schriftführerin sofort zusagte.

Bereits seit 30 Jahren steht Gisela Olbrich dem Gesangverein als stellvertretende Vorsitzende zur Verfügung. Ihre Bereitschaft für eine Wiederwahl honorierten die Mitglieder mit einer geschlossenen Zustimmung. Als Unterkassier konnte Hermann Wölfel bestätigt werden. Alle aktiven Sänger berief die Versammlung darüber hinaus zu neuen Beisitzern.

„Ich komme gerne zu euch, auch wenn es ein kleiner Verein ist“, formulierte Bürgermeisterin Kirzinger. Den Verlust vieler älterer Sänger kommentierte die Rathauschefin mit den Worten: „Derzeit ist es zwar nicht leicht bei euch, aber ihr besteht aus einer kleinen, feinen Truppe.“ Mit Freude vernehme sie den beständigen Stellenwert der wöchentlichen Singstunde. Alexander Völkl sei dafür der ideale Mann. Für die Zukunft hoffte Kirzinger bald wieder einmal auf eine Teilnahme des Chors an den Waidhauser Sommerserenaden. Dankesworte für die Mitarbeit im Vereinskartell und der Wunsch eines Zulaufs von Mitgliedern und Sängern waren der Bürgermeisterin ebenso wichtig.

Als Kenner der Waidhauser Problematik bedauerte Ehrenvorsitzender Herbert Kick aus Waldthurn im Namen des fränkischen Sängerbundes das Ausfallen des 110-jährigen Jubiläums. Weil auch in den Nachbarorten Eslarn, Moosbach und Burgtreswitz die gleiche Situation bestünde, riet er zu einer Einladung von Sängern aus diesen Orten und bekräftigte ausdrücklich: „Bitte lasst den Gesangverein nicht sterben.“ Dazu riet er allen Mitgliedern, neue Leute anzusprechen, warnte aber zugleich: „Die Handy-Generation lässt sich schlecht binden.“

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