Alleine die Anordnung der Harfen glich bereits einer Komposition. Zum Abschluss der etablierten und beliebten Konzertreihe „Musikalischer Sommer“ standen fünf begnadete Musikerinnen im Mittelpunkt. Dort, wo die Marktgemeinde Waidhaus ihre Sommerserenaden begann, beschloss die Stadt Bor ihr Festival am Freitagabend. Das „Prah-a-harP Quartet“ lieferte dazu Klänge in einer selten zu hörenden Mixtur.
Gegründet im Jahr 2016, wird das Ensemble von Hana Müllerová-Jouzová, einer bekannten tschechischen Harfenistin, geleitet. Die anderen drei Mitglieder sind ihre Töchter, Hedvika Mousa Bacha, Kamila Jouzová und Mariana Jouzová. Im Zusammenspiel der vier Harfen kamen die Gäste von diesseits und jenseits der Grenze in den Genuss einer exquisiten Musik. Die zarten Töne der wenig verbreiteten Instrumente erklangen durch die kahlen Wände kraftvoll verstärkt und kamen ohne jeglichen zusätzlichen technischen Aufwand voll zur Geltung. Bei der Interpretation der gewählten Werke nutzte das weibliche Quartett so ziemlich alles, was an Stilmitteln beim Einsatz von vier Instrumenten möglich ist.
Die Bandbreite reichte dabei von gemeinsam einstimmig gespielten Melodien über zwei-, drei- und vierstimmige Sätze. Noch mehr Verspieltheit und Können bewies das Ensemble beim gemeinsamen Spiel, wenn verschiedene Aufgaben, wie etwa die Übernahme der Rhythmik oder der Begleitung auf die Harfinistinnen übertragen war. Bestand der erste Block aus speziellen Harfenstücken, so rückten im zweiten Teil auf Harfen umgeschriebene bekannte Melodien in den Mittelpunkt. Berühmte Komponisten, wie Bach, Händel, Dvorak und Ravel bestimmten das Repertoire des rund einstündigen Programms.
Für die „Mesias-Arie“ konnte zudem Sopranistin Zuzana Marková gewonnen werden. Ebenso erfüllte sie drei Sätze der „Biblicke Pisne“ mit ihrer wunderbaren Stimme. Da reckten sich die Köpfe der aus beiden Nationen zu gleichen Teilen vertretenen Gäste gleich noch mehr in die Höhe, um den Kunstgenuss gänzlich aufsaugen zu können. Der hell erleuchtete Raum der als Gedächtnisstätte renovierten Wenzelskirche von Rozvadov glich darüber hinaus einem stolzen Festsaal.
So stellte sich das Konzert in seinen reichen Variationen mit großem Gelingen gegen die draußen hereinbrechende Dämmerung. Smetanas „Moldau“ etwa wurde mit genial aus Harfenklängen erzeugten Sprudelquellen zu einem ganz besonderem Hörgenuss. Freilich fehlten dem breiten, ruhigen Fluss dann später die lang anhaltenden Töne, die ein Zupfinstrument nicht hergeben kann. Mit Handstreichen über alle Saiten und bloßer Verlängerung mittels Betätigen der Fußtasten versuchten die Musikerinnen dieses Manko auszugleichen. Aber wo sich die Passagen vortrefflich für Harfen eigneten, machte das Quartett einfach Zauberhaftes daraus.
Ein läutendes Handy schoss dann aufgrund des simplen Klingeltons den sprichwörtlichen Vogel ab, dürfte aber im Sinne Smetana‘s gewesen sein, der lebendige Szenen entlang der Moldau ja unbedingt in seine Komposition einbauen wollte. Der Vortrag dieses Stücks schlug sich gehörig im darauf folgenden Beifall nieder, wozu alle Gäste zudem aufstanden. Gleiches galt nach der Zugabe, die aus einer kraftvollen Version von Bachs „Ave Maria“ bestand.













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