19.04.2019 - 17:37 Uhr
WaidhausOberpfalz

"Jesus lädt die Schuld auf sich"

Ostern ist für evangelische und katholische Christen das höchste Fest im Kirchenjahr. Das Wesen des Karsamstags wird im evangelischen Gottesdienst in der Autobahnkirche in Waidhaus aufgegriffen.

Vor einem Bild von Emil Nolde feiert eine kleine Schar mit Gunhild Stempel am Karfreitag einen evangelischen Gottesdienst in der Waidhauser Autobahnkirche.
von Josef ForsterProfil

Wenige Tage nach ihrem 80. Geburtstag feierte Gunhild Stempel in der einzigen Autobahnkirche der Oberpfalz einen evangelischen Karfreitagsgottesdienst. Große Plakate im Umfeld des Gotteshauses bewarben seit Tagen das Angebot. „Wir sind hier manchmal nur zu dritt oder zu viert“, freute sich die ordinierte Laienpredigerin, nachdem sie sogar Feriengäste, katholische und ökumenische Gläubige begrüßen konnte.

Als Küsterin stand Gisela Dierl zur Verfügung, und die Kirchenorgel spielte Gerhard Stahl aus Vohenstrauß. Heizstrahler erwärmten die Autobahn- und Radwegekirche, nachdem es drinnen doch noch immer recht kühl war. Zum Komfort gehörte wie immer ein eigens vorbereitetes Ablaufprogramm mit allen Texten für die Teilnehmer. Gleich zum Beginn sangen die Mitfeiernden „O Haupt voll Blut und Wunden“ in der Urversion, wozu Stempel sagte: „Ohne dieses Lied ist kein Karfreitagsgottesdienst denkbar.“

Die von ihr vorbereitete Feier richtete die Beauftragte der evangelischen Kirche Deutschlands für die Autobahnkirche ganz auf den Kreuzestod Christi aus: „Wir glauben, dass Jesus die Schuld der Menschheit freiwillig auf sich geladen hat - ja sogar überwunden hat.“ Das orthodoxe Kyrie-Eleison aus der Ukraine verstand Stempel als „Verbeugung vor den orthodoxen Mitchristen“. Inmitten des rumänischen Kreuzwegs an den umlaufenden Wänden der Autobahnkirche mit seinen goldfarbenen Bildern deutete die Zelebrantin das Geschehen des Karfreitags vor 2000 Jahren. Dazu drang das Ratschen der katholischen Ministranten von draußen deutlich hörbar ins Gotteshaus. Ebenso der fast pausenlos rollende Verkehrslärm eines starken Grenztourismus nach Böhmen.

Den aus der Heiligen Schrift zitierten Ausschnitt fasste Stempel zusammen: „Alles zielt auf Jesu letzten Satz ‚Es ist vollbracht‘ ab. Man kann nur noch schweigen.“ Dieses Schweigen des Karfreitags lasse sich aber auch als „Widerhall des Schweigen Gottes“ deuten. Für den Karsamstag hatte die Leiterin des Gottesdienstes ein großes Bild von Emil Nolde mitgebracht, das einen Satz aus dem Glaubensbekenntnis zum Inhalt habe: Hinabgestiegen in das Reich des Todes. Eine eindrucksvolle Bildmeditation griff verschiedene Aspekte zu dieser Glaubensaussage auf. Aus Bechern und einer Schale, die ein armenischer Christ in Jerusalem getöpfert hat, nahmen die Mitfeierenden am gemeinsamen Abendmahl teil. Die im Zweiten Weltkrieg zerbombte Kathedrale von Coventry in England stand als Zeichen der Versöhnung im Blickpunkt der Fürbitten.

Schale und Becher aus Jerusalem hatte Gunhild Stempel von einem armenischen Töpfer aus Jerusalem eigens mitgebracht.
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