21.02.2020 - 11:58 Uhr
WaidhausOberpfalz

Narrenvolk übernimmt Regentschaft

Ein bunt gemischtes Völkchen zieht am unsinningen Donnerstag durch die Ortsmitte von Waidhaus.
von Josef ForsterProfil

Eine kaum überschaubare Menschenmenge frönt dem Ausackern des Faschings am "Nasch'n Pfinsta". Bunt und fesch kostümiert, mit fröhlichen Minen und bei bester Laune, zogen die vielen Teilnehmer ab der Mittagszeit ins "Haus am Eck". Immer dichter und lustiger geriet die Stimmung.

Viele Mitglieder aus Reihen der beiden Waidhauser Faschingsgruppen „Public Surprise“ und „Dirty Surprise“ mischten sich in großer Zahl unter die juchzende Schar. Als „Prinz Dubbe der Erste“ im Leiterwägelchen und wenig später auch der uralte Traktor mit vielen angebrachten Luftballons vorfuhren, war die Zeit für den Aufbruch gekommen. In großer Besetzung spielten die einheitlich verkleideten Musikanten des Musikvereins auf und gaben den Takt für den Abmarsch zum Rathaus vor.

In tollen Faschingskostümen erwarteten die Bediensteten bereits den Karnevalszug. Bürgermeisterin Margit Kirzinger wurde vom Rädelsführer der Horde zur Schlüsselübergabe und zur Aushändigung der Gemeindekasse aufgefordert. Immer wieder ertönte dazwischen der ureigene Fastnachtsruf „Heng, heng – leck, leck“.

Zur Musik tanzte das Narrenvolk ausgiebig zwischen Rathaus und Brunnen, auch wenn Regentropfen und Kälte nicht ohne waren. Beim anschließenden Umzug stürmte die Masse zuerst die Filiale der Sparkasse und bettelte bei den Beschäftigten um Unterstützung, nachdem die Gemeindekasse so gut wie leer gewesen sei. Mit einem Musikstück nach dem anderen versuchte die Gesellschaft die Herzen der Bediensteten zu erweichen.

Kaum eine halbe Stunde später wiederholte sich das Prozedere gegenüber in der Raiffeisenbank. Autos und Lastwagen hatten in dieser Zeit ihre liebe Mühe auf der Ortsdurchfahrt. Fast pausenlos drückten die Teilnehmer die Ampelschaltung, um hin und her wechseln zu können.

Markträtin Monika Zeitler-Kals nutzte gar die Gelegenheit, die Fahrer der bei Rot haltenden Fahrzeuge mit einem Klingelbeutel anzubetteln. Bis weit in die Nacht hinein ließ der Pulk kein Geschäft und schon gar kein Wirtshaus aus, um den Höhepunkt der närrischen Zeit überall zu verkünden und auszurufen. So intensiv im Grenzort am Donnerstag der Fasching ausgegraben wurde, so rituell wird er am Aschermittwoch auch wieder eingegraben. Dazu ist wieder Treffpunkt im „Haus am Eck“ ab 18 Uhr. Danach geht es gemeinsam zum Rathaus, um den Schlüssel und die ganz sicher vollkommen geleerte Gemeindekasse wieder an die Bürgermeisterin zurückzugeben.

Der seit den 1950er Jahren wieder eingeführte Brauch des Verbrennens von Prinz Fasching am Marktplatz darf dabei nicht fehlen. Danach ist Rückmarsch zum „Haus am Eck“ zum Ausklang mit Fischessen.

Bunte Luftballons schmücken den Oldtimer-Traktor, der einen historischen Handpflug als Symbol des Ausackerns zieht.
Instrumentalisten aus Reihen des Musikvereins spielen beim Zug von einem Geschäft zum nächsten.
Prinz "Dubbe, der Erste" ist es heuer, den das Narrenvolk zu seinem Rädelsführer erhebt.
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