06.11.2019 - 09:45 Uhr
WaidhausOberpfalz

Tourismus in Waidhaus: Im Hoch oder am Tiefpunkt?

Statistisch gesehen durchleben die Waidhauser Quartiergeber ein goldenes Zeitalter mit bestens ausgebuchten Pensionen, Gasthöfen und Ferienwohnungen. Doch der Schein trügt.

Autorin Heike Bauriedl (links) stellt den Vermietern mit Bürgermeisterin Margit Kirzinger (Fünfte von links) die neuen Broschüren der Marktgemeinde vor.
von Josef ForsterProfil

Der Tourismus im Grenzmarkt kommt nicht zur Ruhe. Beständig wandelt sich das Klientel und auf schlechte Jahre folgten immer wieder bessere. So wie aktuell, denn bei der Vermieterversammlung am Montagabend gab es bezüglich der Übernachtungszahlen keinerlei Klagen. Wäre da nicht die Kehrseite der Medaille, die gar von einem Erliegen und Niedergang als Urlaubsregion spricht.

Mit Bezeichnungen, wie „unsere Zocker“ oder „Spieletourismus“ umschrieben die Teilnehmer der Zusammenkunft im Rathaussaal jenes Phänomen, welches nun die große Masse der Gäste ausmache. Die lange Vakanz zur letzten Versammlung sah Bürgermeisterin Margit Kirzinger in einem direkten Zusammenhang: „Irgendwie hat man das Gefühl es läuft sehr gut, und die Quartiere sind ausgebucht.“

Um die „normalen Touristen“ nicht aus den Augen zu verlieren, wolle die Marktgemeinde mit einer neuen Broschüre auf tschechische Ziele im „wunderschönen Nachbarland“ hinweisen. Die Bürgermeisterin präsentierte eine Zusammenfassung kleiner Rundwanderungen für gemütliche Spaziergänge um Waidhaus. Gemeindebedienstete Heike Bauriedl hatte eine Vorschlagsammlung im Format DIN-A 6 für die Jackentasche kreiert.

Die Vorstellung beider Projekte übernahm Bauriedl, welche auch für einen Großteil der Fotos verantwortlich zeichnete. Der Prospekt zu Böhmen wäre sortiert nach Entfernungen und führe von der Partner- und Nachbargemeinde Rozvadov bis ins rund 170 Kilometer entfernte Prag. „So ein gesammeltes kurzes Heft hatten wir noch nicht.“ Die Idee sei aus den Anfragen von Gästen entstanden, welche sich nach einer derartigen Zusammenstellung im Rathaus erkundigten. Das Geheft zu den Spaziergängen enthalte kurze Beschreibungen und sei im Rathaus selbst gedruckt worden. Die acht Vorschläge dienten lediglich zur Orientierung und für die Auswahl der Route. Das Augenmerk wäre auf einen Zeitaufwand von drei bis vier Stunden gerichtet.

Bauriedls Dank galt den OWV-Wanderwarten für das Kontrollieren und Korrigieren. Beide neuen Werke seien kostenlos im Rathaus erhältlich. Darüber hinaus informierte Bauriedl die Vermieter über die bei der Gemeindeverwaltung vorrätigen Wanderkarten von Naturparkland, Metropolregion oder Tourismusverband. Teilweise wären diese jedoch kostenpflichtig.

Die bevorstehende Zertifizierung des Glasschleiferwegs mit einer neuen Beschilderung aus Glastafeln bildete die Überleitung Bauriedls zu weiteren Informationen der Bürgermeisterin: „Hierfür bekommen die beteiligten Gemeinden eine gute Förderung.“

Zur neu ausgerichteten Zusammenarbeit in der Tourismusgemeinschaft auf der Basis einer integrierten ländlichen Entwicklung gab Kirzinger im Anschluss einen Überblick. Der Sektor Tourismus solle dabei nur ein Teil sein, es gebe gute Fördermöglichkeiten. Unter anderem wäre die Einstellung einer Fachkraft mit Arbeitsplatz im Vohenstraußer Schloss Friedrichsburg geplant. Momentan bewältige diese Arbeit noch Claudia Ries in Moosbach: „Wenn wir wieder Personal haben, können wir uns damit wieder intensiver beschäftigen.“

Die Bürgermeisterin informierte auch zum Tourismus auf Landkreisebene. Es liefen einige Projekte, welche durch Förderung ein „intensiveres Arbeiten und ein Mehrmachen“ ermöglichten. Kirzinger streifte die Markenbildung „NEW“, die Hervorhebung der Oberpfälzer Radlwelt, das Modellprojekt Naturtourismus sowie neue Publikationen. Für die Vermieter und Gastwirte stand eine reichhaltige Auswahl der vorgestellten Broschüren gleich zum Mitnehmen parat. Einen neuen Schwerpunkt bildeten Familienaufenthalte und Freizeitangebote für Kinder. „Es wird Einiges getan. Hoffen wir, dass die Vorarbeiten einigen Erfolg bringen wird“, resümierte die Bürgermeisterin. Generell solle der Tourismus moderner werden und ein neues Gesicht mit anderen Ideen bekommen: „Die Maßnahmen des Landkreises in dieser Masse sollten schon etwas bewirken.“

Das Fehlen einer Mountainbike-Strecke weit und breit brachte Josef Hösl aus Reinhardsrieth zur Sprache. Nach Kirzingers Auskunft sei für den Fahrenberg in naher Zukunft durch die anliegenden Gemeinden ein neuer Versuch angedacht – eventuell unter Einbindung der vorhandenen Liftstrecke: „Es gibt einen neuen Vorstoß, aber es dauert noch.“ Nicht mit Lob an die Gemeindebediensteten im Rathaus sparte Gisela Dierl: Wenn man etwas braucht, helfen die immer.“ Monika Zeitler-Kals informierte über die Möglichkeit von Führungen im neuen Areal „Dufthang“ und durchs Grenzgebiet für Touristen und Vermieter. Zweiter Bürgermeister Markus Bauriedl wies auf die Bedeutung der Gastronomie hin.

Solaranlagen in der Kritik:

Die geplanten Solarfelder brachten Roland Hösl in Rage: „Da sollten wir aufpassen, das dies nicht zu uns herkommt. Dann können wir einpacken mit unserem Tourismus.“ Strom sollte dort erzeugt werden, wo er gebraucht wird. „Warum bei uns?“ wetterte Hösl: „Da werde ich so grantig. Wir müssen da schon im Vorfeld dagegen sein. Wenn es rollt, halten wir nichts mehr auf.“

Kirzinger nahm daraufhin Stellung zu der realisierten, sowie zu der in Aussicht gestellten Anlage bei Marxmühle und jener am Kreßberg. In der nächsten Sitzung des Marktrats komme das neueste Projekt entlang der Autobahn in Richtung Grenze auf den Tisch. Wie dies im Gremium ausgehe, könne sie nicht abschätzen. Durch die Bürgerinitiative zeige sich Widerstand. „Warum lässt man Fremdinvestoren überhaupt her“, wollte Christa Hösl wissen und vermutete als Grund „die billigeren Grundstücke hier“. Die Bürgermeisterin hielt dagegen: „Mit welcher Begründung sollen wir das ablehnen?“ Ergänzend ließ sie wissen: „Es sind keine Einheimischen, die das machen wollen.“ Auch Vermieterin Gisela Dierl meldete sich zu Wort: „Waidhaus hat keine Chance, finanziell davon etwas zu bekommen. So eine Anlage schädigt doch die Natur.“

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