31.03.2020 - 11:12 Uhr
WaidhausOberpfalz

Waidhauser Harley-Freunde in den Startlöchern

Normalerweise sind im Frühling auch viele Motorradfahrer unterwegs. In Zeiten von Corona ist aber auch in der Hinsicht vieles anders.

Der Leuchtenberger Bernhard Grötsch mit seiner 2010er Harley „Street Gilde“ mit 1800 Kubikzentimetern und 95 PS. Er nennt sie liebevoll „Die Dicke“.
von Franz VölklProfil

Irgendwann wird es nach den Willen der „Harley Freunde Waidhaus B 14 Oberpfalz“ wieder möglich sein, dass sie sich den Wind und einen Hauch von Freiheit um die Nase wehen lassen können. Sie stehen in den Startlöchern und setzen sich, selbstverständlich jeder für sich, in der heimischen Garage auf ihr geliebtes Fortbewegungsmittel aus Chrom und Stahl, um das herannahende Gefühl wenigstens im Vorfeld schon mal zu spüren.

Die Begeisterung für das „Schönste auf der Welt“ und das gemeinsame Erleben beim Cruisen und Tourenfahren verbindet sie alle auf eine kameradschaftliche Weise. Die wahre Idee einer Harley ist nicht die säuselnde Fortbewegung. Nein, in ihr leben die Wurzeln des Fahrzeugbaus, polternd, zuckend, irgendwie archaisch.

„Schon in den vergangenen Wintermonaten wurde das Zweirad gepflegt und gehegt“, erklärte der in Eslarn aufgewachsene und in Leuchtenberg beheimatete Bernhard Grötsch, der mittlerweile drei dieser Kultmotorräder sein Eigen nennt. Grötsch behauptet, dass jeder vor dem Saisonstart so manche genehmigte Überraschung an sein Motorrad gebaut hat, um seine Freunde im Frühjahr bei der ersten Ausfahrt zu verblüffen. Eine Selbstverständlichkeit ist die akribische Wartung inklusive Ölwechsel und Batteriepflege. Grötsch ist Bundespolizist und im gemeinsamen deutsch-tschechischen Zentrum der Polizei- und Zollzusammenarbeit in Schwandorf beschäftigt. Der „Roadcaptain“ koordiniert Ausflüge, große Ausfahrten wie beispielweise zum Gardasee oder an den Plattensee nach Ungarn. Er bestellt Unterkünfte, kümmert sich um das Rahmenprogramm und führt die Motorradgruppe von der Spitze aus an. „Wenn ich zehn Mal im Kreisverkehr fahre, fahren trotzdem alle hinter mir her“, meint er scherzhaft.

Für die gestandenen Männer steht fest, dass eine Harley-Davidson nicht nur ein Fahrzeug, wesentlich mehr als ein Motorrad und ein Ausdruck von Lebensgefühl ist. „Hoher Lenker, tiefer Sitz, und der Auspuff muss laut sein“, das sind die Kriterien dieses faszinierenden und kultigen Bikes.

Die „Harley-Freunde Waidhaus“ sind kein Motorradclub sondern ein freundschaftlicher und zwangloser Zusammenschluss von Harley-Begeisterten, die in ihrer Freizeit dem Kult-Bike frönen. Bei den Waidhausern geben 18 Anhänger dieses edlen Looks ihrer Leidenschaft ein Gemeinschaftsgefühl. Cool und lässig handelt es sich bei den vermeintlich und nach außen „harten Hunden“ um ganz normale Männer aus der ganzen Region, die beim Anblick ihrer „Lieblinge aus Chrom und Lack“ feuchte Augen bekommen. Denn mindestens so wichtig wie das Fahren ist bei jeder Harley freilich das Aussehen, das mehr als spektakulär und einem vor Neid erblassen lässt. Im normalen Leben gehen die Harley-Freunde richtigen Beschäftigungen nach, sind teilweise Firmenchefs oder auch Polizeibeamte – gemeinsam sind sie aber alle in ihre Harleys vernarrt.

Das Alter der „Members“, wie die Mitglieder der Harley-Freunde genannt werden, reicht von 30 bis 69 Jahren. Es handelt sich um ein reine Männerrunde, zwei Mitglieder fahren kein Bike sondern sind lediglich vom Harleyfeeling befallen und freuen sich auf die wöchentlichen Zusammenkünfte im „Haus am Eck" in Waidhaus. „An jedem 1. Freitag im Monat ist an gleicher Stelle eine offizielle Versammlung angesagt“, erklärte Grötsch und hofft, dass dies bald wieder möglich ist.

Der derzeitige Präsident und einer der Urväter der Motorradfreunde und absolut Harley-Verrückter ist Arthur Pflaum, der „Wegmacher vom Georgenberger Faislbach“.

Im Dezember 2014 gründeten zehn Freunde des außergewöhnlichen Gefährts die „Harley-Freunde Waidhaus“. Wolfgang „Wolfi“ Tischler aus Neustadt/WN, der eine Street Gilde fährt, ist Vizepräsident. Roland Dierl, Schornsteinfeger aus Waidhaus, bekleidet den Posten des „Secretary“, organisiert die wöchentlichen Stammtische und führt die schriftlichen Unterlagen.

Die Mitglieder tragen Clubjacken mit vereinseigenem Logo auf der Rückseite, das sie als Harleyfreunde ausweist. Nicht zu vergessen ist das „Ehrenmitglied ohne Motorrad“ Anton Binder aus Waidhaus. Es fährt zwar so wie ein weiteres Vereinsmitglied keine Harley, ist aber mindestens genauso vom Edelbike fasziniert.

Auch der kommende Sommer wird es hoffentlich wieder bringen, dass überall wo die Harley-Fahrer mit ihren Motorrädern auftauchen, sie mit ihren blitzenden, donnernden und komfortablen Gefährten, auf die sie mächtig stolz sind, richtig Aufsehen erregen.

Der Leuchtenberger Bernhard Grötsch mit seiner 2010er Harley „Street Gilde“ mit 1800 Kubikzentimetern und 95 PS. Er nennt sie liebevoll „Die Dicke“.
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