27.03.2020 - 09:44 Uhr
WaidhausOberpfalz

Zwischen Brünst und Brunst

Viele Besonderheiten und Kuriositäten hält der Grenzverlauf der Marktgemeinde parat. Zwei Ortschaften benachbarter Kommunen sind vom Waidhauser Gemeindegebiet fast eingeschlossen.

Unweit der renaturierten Pfreimd bei Pfrentsch bildet der Waldsaum den südlichen Teil der Waidhauser Gemeindegrenze zu Eslarner Gebiet.
von Josef ForsterProfil

Vom Samstagberg im Nordwesten - eine Bezeichnung die es übrigens nur einmal in ganz Deutschland gibt - bis zur Waldabteilung Zanklholz im Südosten dehnt sich das Gemeindegebiet aus. Bei einer Exkursion entlang der Gemeindegrenze tauchen manche Besonderheiten auf. So reicht das Gebiet im Norden bis an das Ortsschild von Leßlohe heran. Der bekannte „Kastanienhof“ liegt gar nur einen Steinwurf weit von der Waidhauser Gemeindegrenze entfernt.

Recht eigenartig mutet der Grenzverlauf am Ortsende von Reinhardsrieth an. Gehört doch die Straße bis hinauf zur Kreuzung noch einen halben Kilometer lang weiter zu Waidhaus, während links und rechts davon bereits Georgenberger Gemeindegebiet liegt.

Die hoch oben gelegene Lichtung beim Wasserreservoir in Reinhardsrieth lässt sich als eine Art Dreiländereck bezeichnen, da hier zwischen Wolfswinkel- und Samstagberg die Grenzen von Georgenberg, Pleystein und Waidhaus aufeinandertreffen. Während die markanten Höhenzüge Kleinhohen-, Vorder- und Mitterberg im weitläufigen Forstrevier liegen, das zur Stadt Pleystein gehört, befinden sich der kleine Hochberg und der Pleysteiner Sulzberg auf Waidhauser Seite.

Unweit von Miesbrunn wiederholt sich die Grenzsituation von Leßlohe erneut. Der Pleysteiner Weiler Dürrenlohe an der neu gebauten Kreisstraße präsentiert sich fast eingeschlossen von Waidhauser Gebiet, so nah reicht die Gemeinde hier an das Gehöft. Noch kurioser wird es im Nachbarort Ödhäuser, durch den die Grenze zwischen Waidhaus und Pleystein mitten hindurch führt. Der Waidhauser Marktrat beschloss deshalb im Jahr 2018 eine Umbenennung seines Ortsteils in die Bezeichnung „Am Spatwerk“.

So weit sich die Marktgemeinde im Norden und Süden ausdehnt, so beträchtlich ist die Verengung auf Höhe des Marktfleckens selbst. Ist dies im Osten der bayerisch-böhmischen Landesgrenze geschuldet, so reicht das Pleysteiner Stadtgebiet in Richtung Vohenstrauß direkt bis zur Hörlmühle heran.

Die nächste Auffälligkeit findet sich auf dem Gipfel des Ulrichsbergs. Nicht nur ein beträchtlicher Teil der markanten Bergkuppe gehört noch zu Waidhaus, sondern die Grenze reicht exakt bis an die Mauer der dortigen Wallfahrtskirche heran. Genau umgekehrt gestaltet sich beim Gestüt Heilinghaus die Grenzsituation zu den Orten Dürrenlohe und Leßlohe. Denn hier umschließt die Grenze zu Pleystein das Gebiet.

Die sanft hügelige Landschaft zwischen Heilinghaus, Burkhardsrieth, Riedlhof und Bruckhof wird auf aktuellen Landkarten mit dem Flurnamen „Brunst“ bezeichnet. Seitdem liegt die Gemeinde Waidhaus tatsächlich zwischen Brünst (im Norden) und Brunst (im Süden). Hier findet sich außerdem das zweite Dreiländereck durch das Aufeinandertreffen der Grenzen von Waidhaus, Eslarn und Pleystein. Weil sich zudem die Grenze von Eslarn weit ausladend um die mundartlich mit „Dreihöf“ bezeichnete Ortschaft legt, fehlt ein Aufeinandertreffen von Waidhauser auf Moosbacher Gemeindegebiet gänzlich. Es gibt also trotz der Nähe nicht einen einzigen Meter gemeinsame Grenze.

Im „Zanklholz“ am Rande der Pfrentschweiherwiesen findet sich der südlichste Waidhauser Besitz, in dem auch der größte Teil des Waidhauser Gemeindewalds liegt. Eslarner Marktgebiet reicht gleich im Anschluss auf ganzer Breite weit bis an die Ortschaft Pfrentsch heran. Während die Flur „Binsenstöckerl“ wiederum Waidhaus zugeschlagen ist, reicht im folgenden Eslarner Gebiet entlang der Landesgrenze gar bis zum „Steinernen Wehr“.

Und zum Abschluss nimmt die gesamte östliche Grenze noch eine extra Stellung ein. Der gänzliche Verlauf ist einerseits durch den stark mäandernden Rehlingbach bestimmt und andererseits vollständig identisch mit der Landesgrenze zwischen Tschechien und der Bundesrepublik Deutschland.

Die gesamte östliche Gemeindegrenze ist identisch mit dem Lauf des Rehlingbachs, der hier zugleich die bayerisch-böhmische Landesgrenze bildet.
Bis an den Turm der Ulrichsbergkirche reicht das Gebiet der Marktgemeinde Waidhaus heran.

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