Bad Alexandersbad
28.08.2019 - 14:52 Uhr

Im Wald gesund werden

Der Bayerische Heilbäder-Verband (BHV) hat sein Projekt „Wald und Gesundheit“ in 14 bayerischen Heilbädern und Kurorten gestartet. Mit dabei ist Bad Alexandersbad.

Das Moor- und Mineralheilbad Bad Alexandersbad ist aufgrund seiner Lagegunst umgeben von Wäldern und Wiesen prädestiniert für Gesundheitsangebote in der Natur. Bild: Gemeinde Bad Alexandersbad/exb
Das Moor- und Mineralheilbad Bad Alexandersbad ist aufgrund seiner Lagegunst umgeben von Wäldern und Wiesen prädestiniert für Gesundheitsangebote in der Natur.

Ziel ist es, Kriterien für Kur- und Heilwälder zu entwickeln, Waldgesundheitstrainer und -therapeuten auszubilden und individuelle, für die Orte maßgeschneiderte Präventions-, Therapie- und Rehabilitationsangebote in Verbindung mit dem Wald zu entwickeln. Dabei sollen auch die ortsgebundenen Heilmittel der Kurorte einbezogen werden. Der BHV ist bei diesem Projekt Partner des Bayerischen Wirtschaftsministeriums. Geleitet wird es von Professor Dr. Dr. Angela Schuh vom Lehrstuhl für Public Health und Versorgungsforschung (IBE) der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU).

Bei der offiziellen Kick-Off-Veranstaltung im Bayerischen Wirtschaftsministerium überreichte Amtschefin Sabine Jarothe den Förderbescheid des Freistaates Bayern. Die Mittel gehen direkt an die LMU und werden von dort für das Projekt eingesetzt und verwaltet.

Eingebunden ist auch Bad Alexandersbad, das kleinste der bayerischen Heilbäder. Das einzige Mineral- und Moorheilbad im Naturpark Fichtelgebirge ist aufgrund seiner Lagegunst umgeben von Wäldern und Wiesen, am Fuße der Luisenburg und des Felsenlabyrinths prädestiniert für Gesundheitsangebote in der Natur, heißt es in einer Pressemitteilung.

Das Thema Wald in Verbindung mit gesundheitlichen Aspekten spielt in Bad Alexandersbad seit jeher eine besondere Rolle und ist zudem historisch begründet. So war beispielsweise die sogenannte Doktorswiese nichts anderes als eine Waldlichtung, die für die Kurgäste der Kaltwasser-Heilanstalt angelegt wurde. Außerdem verfügt das Heilbad bereits über diverse Angebote zum Thema „Wald und Gesundheit“. Bei einer Wald-Erlebnis-Wanderung im Rahmen des Individuellen Gesundheits-Managements (IGM) zum Beispiel lernen die Teilnehmer, den Wald achtsam und mit allen Sinnen wahrzunehmen. Entlang der Luisenburgallee sollen nun Kur- und Heilwaldangebote, wie Perlen an einer Kette gereiht, entstehen.

Bayerns Wirtschafts- und Tourismusminister Hubert Aiwanger lobt das Projekt als zukunftsweisende Innovation im Gesundheitstourismus: „Unsere Kurorte und Heilbäder sind hochqualifizierte Dienstleister im Bereich der Gesundheitsvorsorge für die Bürger in Bayern und unsere Gäste. Mit dem Thema Wald und Gesundheit greifen die Orte einen aktuellen Trend auf mit dem Ziel, auf wissenschaftlich fundierter Basis qualitativ hochwertige Gesundheitsprodukte für ihre Gäste bereitstellen zu können. Ich freue mich, dass an diesem Pilotprojekt bereits 14 renommierte Heilbäder und Kurorte aus allen bayerischen Tourismusregionen teilnehmen.“ Den Verantwortlichen des BHV dankte er für ihr Engagement als Projektpartner ebenso wie den Landtagsabgeordneten, die das Geld hierfür genehmigten.

Für den BHV-Vorsitzenden Klaus Holetschek bietet das Projekt eine große Zukunftschance für die Heilbäder und Kurorte. „Unser Ziel ist es, die größte deutsche Waldstudie durchzuführen. Wälder sind die grüne Lunge unseres Planeten und spielen für die Gesundheit der Menschen und unser Klima eine große Rolle. Laubwälder produzieren jedes Jahr 15 Tonnen Sauerstoff pro Hektar, Nadelwälder kommen sogar auf 30 Tonnen. Walderlebnisse stärken das Immunsystem, senken den Blutdruck und hellen die Stimmung auf. Mit diesem Konzept verbinden wir Nachhaltigkeit und Ökologie mit unseren Gesundheitsangeboten.“

Zunächst werden in dem neuen Projekt Kriterien für Heil- und Kurwälder entwickelt. „Wir werden nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen einen Katalog für bayerische Kur- und Heilwälder erarbeiten“, so Professor Angela Schuh. Grundsätzliche Anforderungen an gesundheitsfördernde Wälder seien unter anderem ein spezifisches Waldinnenklima, die Biodiversität in Flora und Fauna, die Beachtung von Schutzzonen, aber auch der freie Zutritt in den Bestand und die Verkehrssicherung. Ein Kurwald ist unter anderem für Klima- und Kneipptherapie vorgesehen und soll auch Verweil- und Ruheplätze bieten. Der Heilwald ist spezifisch auf Therapien und die Indikationen des einzelnen Pilotortes ausgerichtet. Im Gegensatz zum Kurwald soll es hier auch eine Besucherlenkung geben, um bei Therapien eine gewisse Privatheit zu ermöglichen. Möglich sind im Heilwald auch so genannte „Sinnesräume“ für Waldtherapien.

Das Bayerische Wirtschaftsministerium hat eine interministerielle Arbeitsgruppe eingerichtet. Sie soll den rechtlichen und strukturellen Rahmen entwickeln. Die Wissenschaftler der LMU werden nun alle 14 Pilotorte besuchen, um die Strukturen und Potenziale für Kur- und Heilwälder zu analysieren. Ab Herbst findet eine Ausbildung zum Waldgesundheitstrainer für Mitarbeiter aus den Orten statt. Zum Abschluss des Projektes wird ein Handbuch für Kur- und Heilwälder erarbeitet, das Handlungsempfehlungen für die bayerischen Heilbäder und Kurorte enthält. Insgesamt läuft das Projekt „Wald und Gesundheit“ in fünf Modulen von 2019 bis zum 30. Juni 2021.

Hintergrund:

Diese Heilbäder und Kurorte sind dabei: Bad Alexandersbad, Bad Berneck, Weißenstadt, Neualbenreuth, Bischofsgrün, Bad Kötzting, Bad Füssing, Bad Birnbach, Bad Reichenhall, Bad Bayersoien, Garmisch-Partenkirchen, Bad Wörishofen, Pfronten, Treuchtlingen.

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