Waldau bei Vohenstrauß
13.06.2019 - 09:39 Uhr

"Grouber"-Marterl gehört nun der Stadt

Das Wegkreuz mit Stein war früher ein Grabmal eines Waldauer Lehrers. Jetzt kommt es als Fronleichnamsaltar wieder zu neuen Ehren.

Waltraud Kick (rechts) erbte das Kreuz von ihrem Vater. Brigitte Kick (Zweite von rechts) hatte die zündende Idee, das Mahnmal in die Fronleichnamsprozession einzubinden und Elisabeth Ertl (Vierte von rechts) trug das Ansinnen ins Rathaus zu BÜrgermeister Andreas Wutzlhofer (links). Hans Oppelt und Außendienstleiter Karl Frey (Zweiter und Dritter von links) schlossen sich daraufhin mit Marterl-Experte Rudolf Großmann (Dritter von rechts) für die Erneuerung zusammen . Bild: dob
Waltraud Kick (rechts) erbte das Kreuz von ihrem Vater. Brigitte Kick (Zweite von rechts) hatte die zündende Idee, das Mahnmal in die Fronleichnamsprozession einzubinden und Elisabeth Ertl (Vierte von rechts) trug das Ansinnen ins Rathaus zu BÜrgermeister Andreas Wutzlhofer (links). Hans Oppelt und Außendienstleiter Karl Frey (Zweiter und Dritter von links) schlossen sich daraufhin mit Marterl-Experte Rudolf Großmann (Dritter von rechts) für die Erneuerung zusammen .

Sie stehen so still und so allein, die Marterl am Wegesrand und sie könnten Geschichten von Tränen aber auch von Trost erzählen. Waltraud Kick war noch ein kleines Mädchen, als das „Grouber“-Feldkreuzmarterl schon auf einem Acker ihrer Eltern gegenüber vom Wohnort stand. „Für die Flurprozessionen wurde es immer schön hergerichtet.“ Jetzt erstrahlt das „Grouber-Kreiz“ im Ortsteil wieder im neuen Glanz und wird zukünftig als dritte Station in die Fronleichnamsprozession integriert werden. Bis es soweit war, legte das Marterl einen teilweise beschwerlichen und über Jahre hinweg von der Öffentlichkeit unbeachteten Weg zurück.

So soll das Marterl, laut Erzählungen, ein Grabstein auf dem Waldauer Friedhof gewesen sein. Hauptlehrer Joseph Eiban war der ursprüngliche Besitzer dieses wunderschönen Grabsteins mit Kreuz. Er wurde 1917 von der Fichtelgebirgsschule Schloppach bei Waldsassen nach Waldau versetzt. Sechs Jahre später soll der Lehrer an einem Magenleiden verstorben sein und wurde auf dem Waldauer Friedhof zur letzten Ruhe geleitet. Dieser Grabstein zeugte von seinem Leben. Allerdings wurde diese Begräbnisstätte nach dem Zweiten Weltkrieg aufgelöst und der Stein mit dem schönen Kunstschmiedekreuz verschwand ungeachtet in einer Friedhofsecke. Waltraud Kicks Vater nahm sich dann 1958 um den besitzlosen Grabstein an, ließ die Beschriftung entfernen und errichtete ihn an seiner Ackerfeldgrenze als Flurkreuz. Oft wurde zu dieser Zeit ein solches Kleindenkmal aus Dankbarkeit, der Hoffnung und des Gebets in Wald und Flur aufgestellt.

Allerdings wurden die Grundstücksgrenzen und die Böschungen beim Bau der Umgehungsstraße, Ende der 1970er Jahre, etwas abgeändert und das Feldkreuz rund 40 Meter weiter nordöstlich auf der gegenüberliegenden Straßenseite, auf einem kleinen Wiesengrundstück, das sich im städtischen Besitz befindet, neu postiert. Bis im vergangenen Jahr kümmerte Waltraud Kick mit ihrer Familie um das Kreuz, das sie von ihrem Vater ererbte. Brigitte Kick, an deren Anwesen bisher immer der dritte Fronleichnamsaltar aufgebaut wurde, hatte schließlich die zündende Idee, doch den Altar ein paar Meter weiter hin zu diesem Kreuz zu verlegen. Erstens stand das Kreuz auf öffentlichem Grund und das Schmücken des Altars für Fronleichnam würde sich dann auf mehrere Personen verteilen und es müsste sich nicht nur eine Familie dazu verpflichtet sehen. Elisabeth und Johann Ertl brachten dieses Anliegen schließlich bei Bürgermeister Andreas Wutzlhofer im Rathaus vor, der bei den Besitzern anklopfte und diesen Wunsch äußerte. Der Stadtchef erhielt umgehend grünes Licht.

Deshalb bezog er Rudolf Großmann als „Marterl-Experten“ hinzu. Die Eigentümer-Familie Kick war bereit, das Feldkreuz der Stadt zu überlassen, die den Stein und das Kreuz umgehend zur Renovierung in Auftrag gab. Hans Oppelt grundierte das Kreuz und strich es mit glänzender schwarzer Lackfarbe. Die Christusfigur und darunter der „Lieblingsjünger“ Jesu, Apostel Johannes, überzog Oppelt nach alter handwerklicher Kunst mit Blattgold, das ein sehr korrosionsbeständiges Metall ist. Die drei Kreuzenden bilden drei Sterne und auch ein Strahlenkranz leuchtet nun golden. Auf dem Stein, soll noch eine Aluminiumtafel mit dem Schriftzug „Zur Ehre Gottes“ angebracht werden, informierten Wutzlhofer und Außendienstleiter Karl Frey bei der offiziellen Übergabe. Elisabeth Ertl bedankte sich herzlich im Namen der ganzen Pfarrgemeinde Waldau bei der Stadt für die spontane Zusage, sich zukünftig des Marterls anzunehmen. Johann Ertl half beim Ab- und Aufbau des Steins, den er mit einem Schutzlack überzog, und auf dem städtischen Bauhof wurde das verwitterte gut zwei Meter hohe Denkmal abgestrahlt, gesäubert und für den Anstrich vorbereitet.

 
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