01.10.2019 - 11:24 Uhr
Waldau bei VohenstraußOberpfalz

Meldungen über Krankenhaus bewegt die Bürger

In der Waldauer Bürgerversammlung nimmt Norbert Gößl kein Blatt vor den Mund und fordert: "Die Gesundheit des Menschen ist doch das Allerwichtigste."

Eine Umstrukturierung für das Krankenhaus in Vohenstrauß wird nicht abzuwenden sein. Es könnte aber eine nachhaltige ambulante und erweiterte Versorgung mit einer bettenführenden Einheit erhalten bleiben, sollte das ins Gespräch gebrachte Modellprojekt IGZ umgesetzt werden. .
von Elisabeth DobmayerProfil

Der Erhalt des Krankenhauses in Vohenstrauß war am Montagabend auch großes Thema in der Bürgerversammlung. Eingehend nahm Bürgermeister Andreas Wutzlhofer Stellung zu der angedachten Umwandlung zum Modellprojekt Intersektorales Gesundheitszentrum (IGZ) mit angegliederter Kurzzeitpflege. Außerdem informierte er, wie sich die Gesellschaftsanteile der Kliniken AG an die Landkreise und die Stadt Weiden aufgliedern. Weiden hält die Mehrheit mit 51 Prozent, der Landkreis Tirschenreuth besitzt 47,5 Prozent und der Landkreis Neustadt/WN besitzt lediglich 1,5 Prozent. Wie kommt es zu diesem ungleichen Verhältnis? Man müsse wissen, dass im Jahr 2006 die Kreiskrankenhäuser nicht besonders gut aufgestellt waren.

Das Klinikum Weiden war dagegen die „Cashcow“. Wutzlhofer: „Damit war richtig Geld zu verdienen.“ Deswegen gab es damals die Überlegung, eine Fusion zwischen den Häusern anzustreben. Weidens Forderung waren die Mehrheitsanteile und auch Tirschenreuth erhob Anspruch an einen großen Anteil, weil damals auch diese Häuser noch finanziell gut dastanden. Sonst wäre der Zusammenschluss geplatzt. Aufgrund eines Ertragswertverfahrens, das als Grundlage für die Berechnungen hergenommen wurde, seien die Krankenhäuser des Landkreises Neustadt auf die 1,5 Prozent heruntergerechnet worden, erklärte der Redner. „Jetzt wo 50 Millionen Darlehen fällig sind, kommen die Tirschenreuther plötzlich daher und äußern sich dahingehend, als würden die Neustädter Kreisräte keine Solidarität beweisen.“ Ihr Vorschlag: „Wir könnten die Summe doch dritteln.“ Wutzlhofer: „Jetzt wo sie Geld einbringen müssen, wirft man uns mangelnde Solidarität vor“, klagte Wutzlhofer an.

Landrat Andreas Meier sei er dankbar, dass dieser klar Stellung für das Krankenhaus Vohenstrauß bezog, wenn schon vom Landkreis mehr Geld für die Kliniken AG geleistet werden soll. Gewisse Voraussetzungen müssten an den Forderungen dann schon geknüpft sein und deshalb gab der Landrat aus: „Schließung Krankenhaus Vohenstrauß eine rote Linie.“ Auch der Landrat spreche von Möglichkeiten wie Telemedizin, IGZ und auch von einer Kurzzeitpflege. Da auch einige Kreisräte unter den Zuhörern im Gasthaus Zilbauer waren, meinte der Bürgermeister auch in deren Namen, dass man sich da keineswegs aus der Verantwortung stehle. 1,5 Prozent sind 700 000 Euro und die werde der Landkreis locker schultern können. Weiden würde aufgrund der Eigentümeranteile und laut Beschluss 25,5 Millionen zahlen und Tirschenreuth gut 23 Millionen. Letztere knüpften diese Summe allerdings an große Bedingungen und da tauche die Frage auf, ob die Regierung „die uns mehr oder weniger das Messer auf die Brust gesetzt hat“, diese Forderungen mit der vorgelegten Beschlussvorlage akzeptiert“, sagte Wutzlhofer. Experten wagen dazu jedenfalls keine Prognose.

Sollte diese Darlehenszusage von der Regierung verworfen werden, dann steht am Ende im November die Insolvenz. „Das würde bedeuten 2000 Arbeitsplätze stehen im Kreuzfeuer.“ Der Rathauschef befürchtet dann, dass ein Schachern unter den Investoren los gehe, die sicherlich die Klinik in Weiden übernehmen aber nicht das kleine Haus in Vohenstrauß oder in Kemnath, Waldsassen oder Eschenbach. „Die sind nur an den lukrativen Kliniken interessiert. Dann dreht jemand den Schlüssel um und das kann und darf nicht sein.“ Wutzlhofer hofft, „dass die Kuh vom Eis kommt und es sicherlich Lösungen gibt, die natürlich Geld kosten.“ Die einmalige Gesundheitsversorgung die man bei uns in Deutschland genieße, sei nicht zum Selbstkostenpreis zu erhalten.

„Gesundheitswesen kostet Geld, darauf müssen wir uns einstellen. Auch der Kreistag, der zur Sicherung unserer Krankenhäuser alljährlich Geld in die Hand nehmen muss.“ Für Norbert Gößl müsse das Krankenhaus oberste Priorität genießen. „Die Gesundheit der Menschen ist doch das Allerwichtigste.“ Jeder könne einmal in die Notlage kommen, eine schnellstmögliche Versorgung zu brauchen. Wutzlhofer gab ihm recht. „Deshalb brauchen wir eine nachhaltige und vernünftige Lösung.“ Sollte das IGZ zu verwirklichen sein, wäre es durch den Modellcharakter auch möglich, Fördergelder aus dem Strukturfond für den Umbau zu erhalten, sieht der Stadtchef einen weiteren Vorteil. „Die Umstrukturierung ist nicht abzuwenden.“ Für diese Deutlichkeit bat Wutzlhofer um Verständnis bei den Bürgern. Er könne aber nur als Bittsteller kommen, da sich das Haus im Besitz der Klinik AG befindet und auch dem Kreistag stehen nur begrenzte Möglichkeiten zur Verfügung.

„Wenn wir aber Geld geben, dann wollen wir auch ein Mitbestimmungsrecht im Aufsichtsrat“, machte zweiter Bürgermeister Uli Münchmeier deutlich. „Es kann nicht sein, dass Weiden und Tirschenreuth entscheiden und Vohenstrauß und der Landkreis Neustadt zahlen und kein Stimmrecht besitzen.“ Um diese Änderung der Einflussnahme kämpfe der Kreistag, informierte Münchmeier. „Der Strukturwandel der bei anderen jetzt ansteht, ist bei uns schon längst umgesetzt. Da müssen jetzt auch andere, aufgrund der hohen Defizite, ihre Hausaufgaben machen.“ Bei allen bisher geschlossenen Kliniken im Landkreis wurden gute Nachfolgenutzungen erzielt, ergänzte Wutzlhofer. „Und jetzt arbeiten wir daran, dass auch in Vohenstrauß eine nachhaltige ambulante und erweiterte Versorgung mit einer bettenführenden Einheit erhalten bleibt.“ Der Bürgermeister nahm noch einmal klar Stellung: „Wenn wir diese Chance verstreichen lassen, dann würden wir unverantwortlich unserer Bevölkerung gegenüber handeln.“

Wenn wir diese Chance verstreichen lassen, dann würden wir unverantwortlich unserer Bevölkerung gegenüber handeln.
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