14.06.2019 - 13:25 Uhr
Waldeck bei KemnathOberpfalz

Apostel der Dienstboten

Pfarrer Joseph Weis, der in Waldeck geboren und seine frühe Kindheit dort verbracht hat, gründete vor 162 Jahren die Ordensgemeinschaft der Marienanstalt in München. Über den Ordensgründer ist nicht sehr viel bekannt - bisher.

von Hans LukasProfil

Nachfragen in den Diözesanarchiven der Bistümer Regensburg und München-Freising brachten nicht viel über das Leben des Geistlichen, insbesondere über die Ordensgründung zutage. Ein direkter Kontakt mit der Marienanstalt Warnberg war schließlich erfolgreich. Eine der dort noch lebenden Ordensschwestern, die 84-jährige Schwester Angelika, stellte schließlich das Konzept einer Festschrift zur Verfügung, die anlässlich des 150. Bestehens der Marienanstalt herausgegeben wurde.

Der Gründer der Ordensgemeinschaft, Pfarrer Joseph Weis, wurde am 8. Januar 1817 in Waldeck geboren und bereits einen Tag später in der Pfarrkirche St. Johannes Nepomuk auf den Namen Josef Konrad getauft. Seine Eltern waren Eva und Konrad Weis. Sein Vater war Lehrer an der Volksschule Waldeck.

Joseph Weis war das Älteste von sieben Kindern. Den ersten Schulunterricht erhielt er in der Volksschule Waldeck in der Schulstube seines Vaters. Schon bei seiner Kommunion äußerte er den sehnlichen Berufswunsch, Priester zu werden. Dieser Wunsch scheiterte zunächst an der häuslichen Not. Erst durch die Unterstützung des Dorfpfarrers konnte er das Gymnasium in Amberg und das Lyzeum in Bayreuth besuchen.

Vater stirbt

Nach Abschluss des Priesterseminars in Regensburg empfing Josef Weis mit 26 Jahren die Priesterweihe durch Bischof Valentin Riedl. Seine ersten Seelsorgestellen waren in Oberviechtach, Weiden, Tirschenreuth, Pressath und als Pfarrprovisor in Neustadt an der Waldnaab. Nach vierjährigem priesterlichen Wirken verstarb Vater, der 44 Jahre in Waldeck Lehrer gewesen ist.

Somit oblag dem jungen Geistlichen die Sorge für seine Mutter und die jüngeren Geschwister. Er strebte nun eine selbstständige Stellung an, um seine Mutter und seine Geschwister zu sich nehmen zu können. Durch die Vermittlung von Staatsminister Giese, der in Neustadt eine großartige Predigt von Weis gehört hatte, erhielt er 1850 ein Benefizium in Ottenhofen in Oberbayern. Somit wechselte er von der Diözese Regensburg in die Diözese München-Freising. 1853 wurde der 36-jährige Weis in die Haupt- und Residenzstadt München berufen und ihm die Predigerstelle in der Stadtpfarrkirche Heilig Geist übertragen. Nebenher unterrichtete er an der Ludwigskreis-Gesellenschule Religion. Weiter war er Präses der Wallfahrerbruderschaft, Vorsitzender des katholischen Frauenbundes sowie des Vinzenziusvereins.

1856 gründete Pfarrer Weis den Marienverein, die Erzbruderschaft "Maria vom Trost". Er gehörte seit seiner Kindheit in Waldeck bereits dieser Bruderschaft an. Im gleichen Jahr, am 12. Oktober, am Namenstag des Königs Maximilian II., wurde mit einem feierlichen Gottesdienst in St. Bonifaz die Marienanstalt ins Leben gerufen. Mit der Gründung der Erzbruderschaft war auch der Grundstein zur Laienbruderschaft der Schwestern der Marienanstalt gelegt. Pfarrer Weis stellte von Anfang an die Marienanstalt unter den Schutz "Maria vom Trost".

Bekannte Persönlichkeiten wie Bischof Ketteler und Abt Hanneberg bestärkten Weis, ein eigenes Heim zu schaffen. Der Bischof vor allem, um den Dienstbotenstand zu fördern, zu schützen und im Alter zu versorgen. Von 1856 bis 1859 konnten so 1300 Stellen in der Hauswirtschaft vermittelt und betreut werden. 1859 erwarb der Pfarrer ein Häuschen mit Garten an der Brienner Straße 28. An der Dachauer Straße am Stiegelmeier Platz wurde kurz danach neu gebaut, weil die bisherige Unterkunft zu klein wurde. Auch hier wurde es bald zu eng, so dass weiter ausgebaut werden musste, das letzte Mal 1882.

Um die Erhaltung und den Ausbau finanzieren zu können, waren natürlich Spenden zwingend erforderlich. Aus einer vorliegenden Spendenübersicht geht hervor, dass ein Händler Hirschvogel mit 30 000 Gulden und sich unter anderem auch König Ludwig II. beteiligte.

Der eigentliche Grund, warum die Marienanstalt gegründet wurde, war eine soziale Frage am Anfang des Industriezeitalters: Pfarrer Weis erkannte die gesellschaftlichen Spannungen von Adel, Bürgertum und Geistlichkeit auf der einen und das Proletariat auf der anderen Seite. Warum es Pfarrer Weis besonders auf die Dienstboten abgesehen hatte? Weil er mit seinem Scharfsinn feststellte, dass mit der sozialen Frage in München bei den Dienstboten ansetzen musste.

Grundidee: Dreiteilung

Ursprünglich sollte es nur eine Versorgunganstalt für alte Dienstboten werden. Bald stellte sich jedoch heraus, dass auch den jüngeren in der Stadt gefährdeten Hausgehilfinnen geholfen werden müsse. Und so entwickelte sich sein Plan einer eigenen Dienstbotenerziehungsanstalt sowie die Vermittlung stellenloser Dienstmädchen. Diese Dreiteilung - Altersbetreuung, Stellenvermittlung und Ausbildung - war die Grundidee von Pfarrer Joseph Weis. Ohne eine feste Einrichtung beziehungsweise ein Haus ging das aber nicht.

So wurde die erste Niederlassung eine Wohnung im 4. Stock an der Karlsstraße 5, die zwei Zöglinge, drei stellenlose Dienstboten und vier alte Dienstboten beherbergte.

Um die für die Anstalt benötigten Schwestern zu bekommen, trat Präses Weis zunächst an die Generaloberin der Barmherzigen Schwestern heran. Weil man seiner Bitte nicht entsprechen konnte, gründete er 1882 eine eigene Schwesternschaft "Maria vom Trost". Sie wurde mit Stiftungsurkunde von König Ludwig II. bestätigt. 1872 waren es schon 10 Schwestern und bis zum Tode des Stifters stieg die Zahl auf 64 an.

Hilfe zur Unterstützung

Auf Veranlassung von Joseph Weis wurde 1862 in Landshut ein Verein gegründet, dessen Zweck Hilfe zur Unterstützung von Dienstboten war. 1872 kaufte man dort ein Haus mit der Bestimmung, stellenlose, aus dem Krankenhaus entlassene Dienstboten aufzunehmen und bei unverschuldeter Dienstlosigkeit Stellen zu vermitteln. 1925 ging das Dienstmädchenheim in Landshut in den Besitz der Marienanstalt München über. Es wurde umgebaut, eine kleine Hauskapelle errichtet, ein Zimmer für alte Dienstmädchen und ein Kontor zur Stellenvermittlung eingerichtet. Damit konnte der dreifache Zweck des Stifters auch in Landshut erfüllt werden.

Um den großen Bedarf der Anstalt an Viktualien im eigenen Betrieb decken zu können, kaufte Monsignore Joseph Weis 1886 das herabgewirtschaftete Gut Warnberg mit 200 Tagwerk zum Preis von 170 000 Mark. Im Gut war bereits eine von den Jesuiten erbaute Kapelle vorhanden.

Weitere Gründe für den Kauf des Gutes waren für Pfarrer Weis, Erholung zur Gesundheit und den Genuss der freien Natur zu schaffen, für arme Kinder vom Land eine landwirtschaftliche Ausbildung zu ermöglichen und für Mädchen vom Land eine sogenannte Haushaltungsschule zu errichten. Weiter sollten Dienstmädchen nach schwerer Krankheit die nötige Erholung erhalten. Ein besonderer Grund, ein Herzensanliegen war für Weis, die von den Jesuiten erbaute Kapelle vor dem Verfall zu retten.

"Musterschule"

1893, zwei Jahre vor seinem Tod, gehörten ein Baumeister und circa zehn Knechte zur Bewirtschaftung zum Gut, die bei den Saisonarbeiten von den Schwestern unterstützt wurden. Im Stall standen 24 Milchkühe, 10 Ackergäule, 16 Stück Jungvieh, 80 Schweine und einige 100 Hühner und Tauben. Um das Haus war ein großer Obstgarten mit 300 Obstbäumen, ein Gemüsegarten, ein Bienen- sowie ein Backhaus angelegt und erstellt worden. 1888 wurde eine Haushaltungsschule für circa 40 Zöglinge eröffnet. 1891 wurde die Ausbildungsstätte Warnberg als "Musterschule" bezeichnet, armen Mädchen wurden "Freiplätze" gewährt.

Mit 78 Jahren starb Präses Joseph Weis am 13. November 1895. Unter großer Anteilnahme erfolgte seine Beisetzung auf dem alten südlichen Friedhof in München. Der Erzbischof Antonius von Thoma bezeichnete ihn als den großen "Dienstboten-Apostel".

Info:

Auszeichnungen

Präses Weis erhielt wegen seiner großen Verdienste viele Auszeichnungen: So verlieh ihm König Ludwig II. das Verdienstkreuz, 1878 erfolgte die Ernennung zum Königlichen Geistlichen Rat. Prinzregent Luitpold zeichnete ihn 1887 zum 70. Geburtstag mit dem Michaelsorden I. Klasse aus. Papst Leo XII. ernannte ihn 1893 zum Päpstlichen Geheimkämmerer.

Info:

70000 Zöglinge

Wie erfolgreich die Gründung der Marienanstalt war, zeigt eine Statistik nach 80 Jahren (1856 bis 1936): Aus den anfangs 2 Zöglingen wurden 6237, davon 1124 Freiplätze für arme Mädchen und aus den 4 alten Dienstboten wurden 687. Außerdem waren in diesen Jahren 218 888 Übernachtungen, von denen 215 578 vermittelt werden konnten. Die Marienanstalt besteht heute noch, zwei Schwestern sind noch dort. Bis zum Tode von Joseph Weis sind 70 000 Mädchen, Dienstboten und alte Menschen durch die Marienanstalt gegangen.

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