11.08.2020 - 14:17 Uhr
Waldeck bei KemnathOberpfalz

Bruderschaftsfest in Waldeck ohne Prozession

Lange sah es so aus, als ob die Corona-Pandemie in Waldeck eine Tradition unterbrechen würde. Doch die Pfarrei feiert am Sonntag, 6. September, das Hoch- und Titularfest der Erzbruderschaft Maria vom Trost - aber in abgespeckter Form.

Das Gnadenbild „Maria vom Trost“ in der Pfarrkirche St. Johannes von Nepomuk.
von Hans LukasProfil

Das Hoch- und Titularfest der Erzbruderschaft Maria vom Trost wird seit 300 Jahren begangen. Es findet immer am Sonntag nach St. Augustinus statt und wird im Volksmund auch "Schutzengelfest" genannt.

Aufgrund der Coroana-Pandemie muss die sonst übliche und bisher ununterbrochen jedes Jahr stattgefundene Prozession durch den Unteren und Oberen Markt entfallen. Stattdessen gibt es eine kurze eucharistische Andacht mit feierlichem sakramentalen Segen. Am Ende der Festmesse wird der Päpstliche Segen erteilt.

Pater Rudolf Götz predigt

Der geplante Ablauf: Um 8.30 Uhr wird am Sonntag 6. September der Rosenkranz zu Ehren der heiligen Muttergottes Maria vom Trost gebetet, um 9 Uhr ist in der Pfarrkirche der Festgottesdienst. Festprediger ist Pater Rudolf Götz vom Augustinerkloster Münnerstadt im Bistum Würzburg. Das hat sich zum einen angeboten, weil der heilige Augustinus einer der Bruderschaftspatrone ist, zum anderen stammt der Geistliche aus Gründlhut bei Altköslarn, wo auch sein Bruder wohnt. In seiner Heimatpfarrei Kastl St. Margaretha und auch in der Waldecker Pfarrkirche ist er öfter zu Gast. Der Bruderschaftstag endet mit einer Andacht um 14 Uhr in der Pfarrkirche. Anmeldungen für Messe und Andacht werden ab sofort im Pfarrhof, Telefon 09642/1383, entgegengenommen.

Bittschrift ans Ordinariat

Die Bruderschaft gab es schon im Alten Markt Waldeck auf dem Schloßberg. Der Bürgermeister und der Rat des Marktes Waldeck hatten das Anliegen der Pfarrei unterstützt und 1723 sowie 1726 Bittschriften an das Bischöfliche Ordinariat in Regensburg zur Gründung der Bruderschaft in der Marktkirche St. Anna gerichtet. Laut den Aufzeichnungen des Heimatforschers Anton Reger in seiner "Geschichte zur Pfarrei Waldeck" begründeten sie das Anliegen unter anderem damit, dass es in der ganzen "Oberen Pfalz" keine Maria-Trost-Bruderschaft gebe. Eine Ausnahme sei die im Augustiner-Eremiten-Kloster Schönthal (bei Waldmünchen), was aber sehr weit von Waldeck entfernt sei.

Am 27. Mai 1727 traf das Antwortschreiben aus Regensburg ein, in dem der "Consensus" zur Errichtung der Erzbruderschaft erteilt wurde. Es war allerdings an die Bedingung geknüpft, dass der Corpus-Christi-Bruderschaft, die zu diesem Zeitpunkt in Kulmain bestand, kein Nachteil erwachsen dürfe. Es darf deswegen auch "kein Bruder oder Schwester" aufgenommen werden, sofern er oder sie "nicht ehevor schon in der C.Cr.Bruderschaft engeschrieben sein würde". Die Bitte um Errichtung der Bruderschaft war nicht von der Pfarrei ausgegangen, sondern von der Gemeindeverwaltung, die das Patronat über die Marktkirche innehatte. Deshalb ist anzunehmen, dass Bürgermeister und Rat sich auch einen irdischen Nutzen von einem "blühenden" Bruderschaftswesen in ihrem "bergigen" Marktflecken versprochen hatten Dessen Abgelegenheit und Unerschlossenheit war seit langem beklagt worden.

Die Gründung der Maria-Trost-Bruderschaft erfolgte 1729 in der St.-Anna-Kirche im Alten Markt auf dem Schloßberg. Das geht aus einem Schreiben des damaligen Pfarrers Johann Pulling aus dem Jahr 1738 hervor. Die Bruderschaft konnte sich alsbald einer beachtlichen Mitgliederzahl erfreuen. Viele hundert Gläubige und Mitglieder fanden sich am Hauptfest der Bruderschaft aus den Pfarreien der Umgebung von Waldeck ein.

In einem späteren Schreiben der Markt- und Pfarrgemeinde von 1842 ist zu lesen: "Jetzt (nach 1729) strömten Tausende herbei nach dem Waldecker-Berge, wo das Gnadenbild Mariens vom Troste verehrt" wird. Mit großer Dankbarkeit wurde weiter vermerkt: "Waldeck ward da blühend und glücklich."

Auch nachdem der Alte Markt 1794 abgebrannt war, erlitt die Bruderschaft keine Einbußen. In der neuen Pfarrkirche St. Johannes Nepomuk im Höritz, die einen eigenen Bruderschaftsaltar erhielt, besaß sie ebenfalls eine große Anziehungskraft.

Fünf Priester für Beichte

Aus den Pfarrbüchern kann entnommen werden, dass in der Zeit nach 1850 mitunter mehr als fünf Priester benötigt wurden, die die Beichten der Wallfahrer abnahmen. Zur Feier des Schutzengelfestes kamen zahlreiche Pilger unter anderem aus Oberwarmensteinach, Mitterteich, Kirchenlaibach, Falkenberg, Pressath, Windischeschenbach und Parkstein. Sie mussten schon am Vortag eintreffen und die Nacht im Markt verbringen. Die Bürger von Waldeck erwiesen den Wallfahrern uneigennützige Freundschaftsdienste und errichteten in ihren Wohnstuben Strohlager, um sie notdürftig beherbergen zu können.

Gnadenbild aus Wien

Beim Gnadenbild auf dem Marienalter (rechter Seitenaltar) hielt sich das Gerücht, dass es beim Brand von Altwaldeck noch aus der St.-Anna-Kirche gerettet werden konnte. Dieses hatte eine "Guetthäterin" aus Freising namens Catharina Haanin gestiftet. Die "hochfürstliche Controleurin" hatte der Kirche auch eine Monstranz mit einem "Creitz Paricl" und einen "Creitz weeg" geschenkt. Das in der Pfarrkirche Johannes Nepomuk verehrte Bruderschaftsbild stammt allerdings aus der Rochuskirche in Wien, wo es im 18. Jahrhundert verehrt wurde. Der damalige Pfarrer Paul Hirsch hatte sich einen Tag nach dem Brandunglück an das Ordinat mit der Bitte gewandt, ihm anzuzeigen, wo er ein Bild "Maria vom Trost vorstellend" bekommen könne. So dürfte also das jetzige Bild nach Waldeck gekommen sein.

Beim Bruderschaftsfest wird auch der Päpstliche Segen, sowohl beim Festgottesdienst als auch in der feierlichen Bruderschaftsandacht, erteilt. Dieser Segen ist ein Privileg, das den Pfarreien vorbehalten bleibt, die eine Maria-vom-Trost-Bruderschaft haben. Er darf darüber hinaus bei den kirchlichen Hochfesten und beim Kirchenpatrozinium gespendet werden.

Nach der Beschreibung des Heimatforschers Anton Reger könnte das erste Maria-Trost-Bild in der St.-Anna-Kirche so ausgesehen haben. Es zeigt Maria mit dem Jesusknaben und die Heiligen Monika, Augustinus und Nikolaus von Tolentin sowie und im unteren Teil, die „armen Seelen“ im Fegefeuer.
Info:

Vollkommener Ablass und Mitgliedschaft

Am Tag des Bruderschaftsfestes kann ein Vollkommener Ablass gewonnen werden, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind:

  • Besuch der Pfarrkirche
  • Beichte
  • heilige Kommunion
  • Gebet nach Meinung des Heiligen Vaters: Glaubensbekenntnis, Vaterunser, Gegrüßet seist du Maria, Ehre sei dem Vater.

Wer neu in die Bruderschaft aufgenommen werden will, soll nach dem Gottesdienst am Samstagabend zur Anmeldung in die Sakristei kommen. Die Neuaufnahme erfolgen nach vorheriger Anmeldung im Pfarramt, Telefon 09642/1383, am Sonntag um 14 Uhr während der Bruderschaftsandacht.

Mitglied kann jeder katholischer Christ werden, der getauft und gefirmt ist, unabhängig davon, zu welcher Pfarrei er gehört.

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