30.08.2019 - 09:17 Uhr
Waldeck bei KemnathOberpfalz

Dank Ägidius mit Christsein wieder beginnen

Dr. Peter Amevor aus Ghana feiert Festgottesdienst auf dem Schloßberg in Waldeck.

Der Pfarrer feiert mit den Gläubigen in der Burgkapelle einen Gottesdienst.
von Hans LukasProfil

Das Namensfest des heiligen Ägidius wird zwar erst am 1. September gefeiert und seit einigen Jahren wird zu dessen Ehren auf dem Schloßberg in der revitalisierten Ägidius-Kapelle in der Burgruine ein Patronatsgottesdienst gefeiert. Heuer wurde dieser Termin vorgezogen, da diesen Sonntag das Bruderschaftfest der Erzbruderschaft Maria vom Trost in der Pfarrei gefeiert wird.

Die Urlaubsvertretung von Pfarrer Heribert Stretz, Pfarrer Dr. Peter Amevor aus Ghana, hielt da seinen letzten Gottesdienst in der Pfarrei Waldeck. Zu Beginn begrüßte er die zahlreichen Besucher und gab seiner Freude Ausdruck, dass er diese Messe hier an historischer Stelle feiern dürfe. Der Gedenktag des heiligen Ägidius habe für die Pfarrei eine besondere Bedeutung und das gelte auch für die gesamte Christenheit.

In seiner beeindruckenden Predigt ging Dr. Amevor auf das Leben des Heiligen ein und betonte, dass er für alle Menschen auch noch heute nach fast 1400 Jahren ein Beispiel für gelebten Glauben sein kann. Die Anfänge seines Lebens führen nach Athen, wo er 640 als einziger Sohn reicher und gottesfürchtiger Eltern geboren wurde. Im christlichen Glauben erzogen, führte Ägidius schon als Kind und Jugendlicher ein frommes und religiöses Leben. Von seinen Eltern erbte er nach deren Tod nicht nur ein großes Vermögen, sondern auch die Haltung der Freigiebigkeit und Großzügigkeit.

Er beschloss, nachdem er sein Vermögen an die Armen der Stadt verteilt hatte, Athen zu verlassen und mit dem Schiff nach Rom zu reisen. Der Legende nach lebte Ägidius an der Rhonemündung in Einsamkeit. Eine Hirschkuh brachte ihm täglich Milch und nährte ihn so. Auf einer Jagd kam der Gotenkönig Flavius Wamba vorbei und sah die Hirschkuh. Von den Hunden des Königs verfolgt, suchte sie Zuflucht bei Ägidius und legte sich zu seinen Füßen nieder. Die Hunde konnten nicht näher als ein Steinwurf an sie herankommen und mussten wieder umkehren.

Als der König davon erfuhr, ging er zum Bischof von Nimes um der Sache nachzugehen. Als die Hunde wieder unverrichteter Dinge zurückkamen, schoss ein Jäger einen Pfeil ab, um die Hirschkuh herauszulocken. Doch er traf Ägidius am Schenkel und verwundete ihn schwer. Sie drangen durch das Gebüsch zu Ägidius vor, fanden ihn aus der Wunde blutend dasitzen und zu seinen Füßen die Hirschkuh. König und Bischof gingen auf ihn zu und fragten ihn, wer er sei. Sie baten ihn um Verzeihung und versprachen, ihm einen Arzt zu schicken. Ägidius lehnte das ab und erklärte, dass die Wunde bis zu seinem Tode bleibe, damit Gottes Gnade in seiner Schwachheit vollendet würde. So blieb er verwundet bis zu seinem Lebensende.

Zwei Nöte, so Pfarrer Amevor, seien es, die vor allem mit dem Heiligen verbunden werden: Aussatz und Krebs sowie die Bitte um eine gute Beichte. Bei Krebs werde er offenbar angerufen wegen seiner offenen Wunde, die er bis zu seinem Tod behielt, um immer von neuem an Gottes Gnade erinnert zu werden. Krebs sei heute die Krankheit, die böse Macht, vor der die meisten Menschen Angst hätten und von der man nicht wisse, woher sie kommt. Aber alle Erklärungsversuche könnten nicht vor der Krankheit schützen. Ägidius wolle uns lehren, dass wir uns mit unserer Wunde, mit unserer Krankheit, aussöhnen sollten. Sie solle daran erinnern, dass Gottes Gnade in unserer Schwachheit zur Vollendung komme. Durch den Heiligen sei Gottes Sanftmut und Zärtlichkeit, Gottes Liebe und Menschenfreundlichkeit aufgeleuchtet. Die Menschen damals seien fasziniert von seiner liebenden Ausstrahlung gewesen. "Ägidius lädt uns ein, auch unsere Wunde offen zu halten, damit Gottes Gnade in uns einströmen kann, damit sie durch uns etwas von Gottes Güte und Zärtlichkeit erfahren", sagte der Pfarrer.

Am Ende seiner Predigt fragte der Geistliche, was uns das Zeugnis dieses Heiligen sagen könne? Denn ein Mensch des 6./7. Jahrhunderts, aus einer völlig anderen Kultur und einer völlig anderen Zeit, könne der uns wirklich Anstöße geben für unser Christsein im 3. Jahrtausend? "Ist da nicht ein Graben, der es uns eigentlich unmöglich macht, sich etwas abzuschauen und inspirieren zu lassen? Vielleicht sind die Inspirationen, die das Zeugnis des heiligen Ägidius gibt, mehr Provokationen für unsere Zeit." Das Fest des Heiligen solle uns dazu ermutigen, mit unserem Christsein wieder ganz neu ernst zu machen, kurz einfach wieder zu beginnen.

Lesung und Fürbitten trug Thomas Stingl vor und musikalisch wurde der Gottesdienst mit Volksgesang und Trompetenklängen umrahmt. Der Vorsitzende des Heimat- und Kulturvereins, Georg Wagner, bedankte sich bei Pfarrer Dr. Peter Amevor für die würdige Gestaltung des Gottesdienstes und die eindrucksvolle Predigt.

Im Bild die Bläser vor der eindrucksvollen Kulisse der Burgruine.
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