25.05.2020 - 17:04 Uhr
Waldeck bei KemnathOberpfalz

Fast wäre der Waldecker Schlossberg verschwunden

Vor mehr als 100 Jahren fasste der Ausschuss der damaligen Marktgemeinde - heute würde man Gemeinderat sagen - einen Beschluss, der für die Nachwelt dramatische Folgen gehabt hätte.

Waldeck mit Schloßberg vor dem Ersten Weltkrieg.
von Hans LukasProfil

Am 17. Dezember 1913 tagte der Gemeindeausschuss und beschloss, dass der Schloßberg zur "Gewinnung von Basaltsteinen im ganzen" verkauft wird. Der Bürgermeister trug den Sachverhalt vor und stellte den Antrag zur Abstimmung, der dann gegen "keine Stimme" genehmigt wurde. Als vorläufiges Gebot wurden 50 000 Mark genannt. Um die "Unterhandlungen mit Umsicht" vornehmen zu können, sollten fünf außerordentliche Mitglieder, die im Protokoll namentlich genannt sind, die Prüfung übernehmen. Sobald ein endgültiger Verkauf zustande kommt, würde sofort der Gemeindeausschuss und die Gemeindeversammlung einberufen.

Kein Geld im Säckel

Grund für dieses Vorhaben dürfte gewesen sein, dass die Marktgemeinde nicht gerade üppig mit finanziellen Mitteln ausgestattet war und als größere Maßnahme der Bau der Straße nach Zwergau anstand. Ein weiterer Aspekt dürfte hier ebenfalls nicht außer Acht gelassen werden. Es war nämlich auch in Betracht gezogen worden, eventuell die Bahnstrecke Kemnath-Neustadt nach Weiden am Schloßberg vorbei zu bauen und dafür wären die Basaltsteine benötigt worden. Die Planung für Grundstücksverhandlungen für den Bau einer Drahtseilbahn in Richtung Kemnath-Neustadt zum Abtransport fanden damals schon statt.

Die Basaltgewinnung schien ein sehr lukratives Geschäft zu sein, da sich zahlreiche Interessenten meldeten. Daraufhin erschien in einer Bayreuther Zeitung eine Leserzuschrift, die gegen solch ein Projekt Protest erhob. So hieß es darin, die Waldecker sollten stolz auf dieses Naturdenkmal sein und dessen Erhalt mit allen Mitteln sichern. Die Marktgemeinde Waldeck antwortete dazu in der Kemnather Zeitung und begründete die Verkaufsabsicht wie folgt: Die Bevölkerung des Gegend sei sehr arm und "von der landschaftlichen Schönheit und dem historischen Wert des Schloßberges hat die Gemeinde soviel wie gar nichts". Und es kämen auch nur selten Besucher, die auf den Schloßberg steigen wollen. Ein Grund sei sicherlich darin zu suchen, weil keine Bahnlinie nach Waldeck führe.

Ausschuss bleibt dabei

Der Gemeindeausschuss blieb aber trotz der Einwendungen am 9. Juni 1914 bei seiner Verkaufsabsicht. An dieser änderte sich auch nach dem Ersten Weltkrieg nichts.

Am 29. März 1919 beschäftigte sich der Gemeindeausschuss erneut mit dem Verkauf des Schloßbergs zur Ausbeutung von Basalt. Da wurde bestätigt, dass die Beschlüsse aus dem Jahr 1914 aufrecht erhalten werden sollten. Der Verkaufspreis sollte nun, unter Beibehaltung der anderen Bedingungen, 75 000 Mark betragen. Dieser Beschluss sollte nun den Gemeindeberechtigten in einer Gemeindeversammlung zur Begutachtung unterbreitet werden.

Der letzte Eintrag im Beschlussbuch des Waldecker Gemeindeausschusses bezüglich des Verkaufs des Schloßbergs findet sich unter dem Datum 7. September 1919. Als einziger Satz ist dort vermerkt: "Die Anlage der Bahn muß für Waldeck zukünftig werden." Der Vermerk ist aber durchgestrichen worden und trägt zudem keine Unterschrift. Mit diesem Hinweis wird auch auf das Thema Bahnlinie hingewiesen, das, beginnend in den 20er Jahren, die Gemüter der Bürger noch lange bewegt hatte.

Eine Ablehnung des Vertrags über den Verkauf des Schloßbergs durch die Bürgerversammlung dürfte diesem Eintrag vorausgegangen sein. Die Mehrheit der Bürger war bei der Abstimmung wohl zu der Überzeugung gekommen, dass die Nutzung des Schloßbergs als Gemeindeweide auf Dauer ertragreicher sei als der Verkauf. Als Fazit ist festzustellen, dass mit dieser Entscheidung der Basaltkegel des Schloßbergs als markanter Punkt der nordoberpfälzischen Landschaft erhalten geblieben ist. Für diesen Artikel wurden übrigens Aufzeichnungen des Waldecker Heimatforschers Dr. Anton Reger, ein Artikel im Nordbayerischen Kurier sowie die Protokolle des Gemeindeausschusses der Marktgemeinde Waldeck herangezogen.

Der malerische Ortskern von Waldeck mit dem Schloßberg im Hintergrund
Waldeck mit Schloßberg kurz nach dem Ersten Weltkrieg
Eine gemalte Postkarte von Altwaldeck.
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