17.04.2019 - 15:08 Uhr
Waldeck bei KemnathOberpfalz

Hingabe an Gott und Menschen

Theresia von Lisieux hat zwar keine Wunder gewirkt und dennoch wurde sie heilig gesprochen und zur Kirchenlehrerin erhoben. Weshalb, erklärt Irene Schleicher in einem Vortrag.

Der Blumenteppich, der die Heilige abbildet. Köglitzer Frauen legen ihn vor der Kapelle.
von Hans LukasProfil
Die Eltern der heiligen Theresia, Bild in der Theresienkapelle Köglitz.
Irene Schleicher

Im Glaubensseminar hielt Irene Schleicher aus Köglitz einen Vortrag zum Thema "Die heilige Theresia von Lisieux und ihre Eltern - Beispiele gelebten Glaubens". Familie Schleicher hat in Köglitz in der Nähe ihres Wohnhauses die Theresienkapelle erbaut.

Theresia von Lisieux hat außer ihrem tapfer ertragenen Krankenlager keine großen heroischen oder asketischen Taten in ihrem kurzen Leben vorweisen können. Trotzdem sind ihr weltweit etwa 21 000 Kirchen geweiht. Sie hat der Nachwelt in ihrer Spiritualität den "kleinen Weg" hinterlassen, mit dem Versprechen, dass ihre Sendung erst im Himmel beginnen werde und sie dann Rosen auf die Erde regnen lassen wolle. So wurde sie auch dargestellt, wie der Blumenteppich, den Köglitzer Frauen vor der Kapelle legen, zeigt. Der kleine Weg bedeutet: "Den Weg der liebevollen Hingabe an Gott und die Mitmenschen", die sich gerade in den kleinen Gesten des Alltags äußern und im Gegensatz zum sonst so strengen Gottesziel ihrer Zeit stand.

Schlimme Jahre

Theresia erkrankte als Säugling schwer und man fürchtete, dass sie sterben könnte. Der Arzt verschrieb ihr Muttermilch. Daraufhin brachte man sie aufs Land zu einer Amme, wo sie sich innerhalb eines Jahres schnell erholte und sich zu einem willensstarken Wesen entwickelte. Das änderte sich, als ihre Mutter an Brustkrebs starb.

Theresia besuchte mit ihrer Schwester Celie das Mädchenpensionat der Benediktinerinnen in Lisieux und beschrieb diese Jahre als die schlimmsten ihres Lebens. Sie konnte nur schwer Freundschaften schließen, fühlte sich allein und ausgeschlossen und wurde immer introvertierter. Sie erkrankte lebensbedrohlich und wurde von einer Sekunde auf die andere durch die Fürbitte an die Gottesmutter geheilt.

Als drei ihrer Schwestern ins Kloster gingen, verlor Theresia auch deren die mütterliche Zuwendung. Sie fühlte, dass ihr die Gottesmutter zulächelte und fortan ihre unvergängliche Heimat nur der Himmel sein kann. 1888 trat sie ins Kloster ein, das sie fast zehn Jahre bis zu ihrem Tod nicht verließ. Geschont wurde die 15-Jährige im Kloster nicht. Im Gegenteil, die Oberin behauptete, dass so eine starke Seele nicht geschont werden müsse. Das harte Klosterleben stärkte sie in ihrem Glauben und führte sie an ihre Grenzen. Sie erkrankte an TBC, es folgte ein eineinhalbjähriges schreckliches Krankenlager ohne Schmerzmittel. Theresia beantwortete ihren kleinen Weg der Liebe und das Vertrauen bis in den Tod, ihre letzten Worte waren: "Oh, mein Gott, ich liebe Dich!"

Erste Wunder

Ein Jahr nach ihrem Tod wurden die autobiografischen Schriften "Geschichte einer Seele" veröffentlicht, die sie während ihrer Krankheit geschrieben hatte. Ihre Behauptung, dass ihre Arbeit erst im Himmel beginne, bewahrheitete sich schnell, bald wurde auch von den ersten Wundern berichtet, die ihrer Fürsprache bei Gott zugeschrieben wurden. Nach Prüfung durch ein Gericht des Apostolischen Stuhls erhob sie der Papst zur Kirchenlehrerin.

Schleicher ging auch auf die Eltern der heiligen Theresia, Louis und Zelie Martin ein, die am 2008 selig- und am 18. Oktober 2015 ebenfalls heiliggesprochen wurden. Theresia selbst sagte über ihre Eltern, dass der liebe Gott ihr einen Vater und eine Mutter gegeben habe, die mehr des Himmels als der Erde würdig wären. Zu ihrem vorbildlichen Leben kommt hinzu, dass nachweislich Wunder an kleinen Kindern geschehen sind, die laut Ärzten dem Tode geweiht waren. Durch inständiges Beten ihrer Familien sind Genesungen eingetreten, die kein Arzt mit medizinischen Mitteln nachvollziehen konnte.

Info:

Lebenslauf

Die Heilige Theresia wurde am 2. Januar 1873 in Alencon in der Normandie als neuntes und letztes Kind des Ehepaares Louis und Celie Martin geboren. Bereits mit 15 Jahren trat sie ins Kloster ein. Mit 24 Jahren starb sie am 30. September 1897. Die Seligsprechung erfolgte 1923, die Heiligsprechung 1925 durch Papst Pius XI.. Papst Johannes Paul II. erhob sie 1997 zur Kirchenlehrerin.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.