31.08.2020 - 13:22 Uhr
Waldeck bei KemnathOberpfalz

Noch Platz für mindestens 120 Jahre

Das Kassenbuch der Krieger- und Soldatenkameradschaft wird seit der Gründung geführt und zeichnet 120 Jahre Vereinsleben nach. Auch für die nächsten 120 Jahre ist noch Platz.

von Hans LukasProfil

Die Krieger- und Soldatenkameradschaft (KSK) Waldeck hätte 2019 ihr 120-jähriges Bestehen feiern können. Die Mitgliederversammlung hat aber beschlossen, erst das 125. in einem etwas größeren Rahmen zu feiern. Die KSK besitzt etwas, das wohl als echte Raritäten bezeichnet werden kann. Zum einen existiert ein Protokoll- und Beschlussbuch, das seit Gründung des Veteranen- und Kriegervereins Waldeck "Mit Gott angelegt am 4. Juni 1899" und handschriftlich bis Ende des vergangenen Jahrhunderts geführt wurde. Danach hielten die modernen Medien Einzug, die die handschriftlichen Eintragungen überflüssig machten.

Ein weiteres Dokument von unschätzbarem Wert für den Verein ist das Kassenbuch, das ebenfalls seit Gründung handschriftlich geführt wird. Es ist circa 21,5 bis 32 Zentimeter groß, hat einen Kartoneinband und umfasst insgesamt 480 Seiten, 235 Seiten davon sind bisher verbraucht. Es ist darin somit noch Platz für 245 Seiten und könnte noch etwa 120 Jahre weitergeführt werden.

An Einnahmen stand 1899 ein Betrag von 213,90 Mark zu Buche und der Abschluss wies ein "kleines Vermögen" von 13,55 Mark aus. Die Richtigkeit dieser Angaben wurde vom damaligen Vorsitzenden Karl Mößbauer und seinem Stellvertreter Johann Linhardt bestätigt.

Was dieses kleine Vermögen bedeutet hat, ist daran zu sehen, dass der Verein im Gründungsjahr am 29. September als erste Ausgabe einen Betrag von 24,70 Mark für Vereinsabzeichen verbucht hat. Für das Gründungsjahr ist im Dezember der Eingang von Spenden gegen Ende des Jahres wie folgt eingetragen: Prinz Leopold (10 Mark), Prinz Arnulf (20), ein Herrn Köstler (25) und Heining aus Anzenberg (3).

Von Anfang an rührig

Bei der Gründung zählte der Verein 37 Mitglieder, die bereits am 24. Juli des gleichen Jahres beschlossen, das Gründungsfest am 30. Juli 1899 abzuhalten. Das Protokollbuch weist aus, dass der Verein anscheinend von Anfang recht rührig war: Weil der neu gegründete Verein keine eigene Fahne hatte, trugen die Mitglieder beim Fest- und Kirchenzug "die von den Franzosen erbeutete Feldzugfahne vom Jahre 1795" voran. Wo sich diese Fahne heute befindet, ist nicht bekannt und wahrscheinlich in den Wirren der beiden Weltkriege abhanden gekommen.

Bereits am 28. und 29. Juni 1901 feierte der Veteranen- und Kriegerverein seine eigene Fahnenweihe. Seltsamerweise fehlen im Kassenbuch Einträge über Einnahmen und Ausgaben zu dem Fest, die offensichtlich anderweitig getragen wurden.

Probleme bereitete lediglich die Finanzierung der Fahne. Da sprang Vereinswirt Michael Merkl ein und streckte die Kosten in Höhe von 373 Mark vor. Der Verein verpflichtete sich, jährlich 50 Mark zurückzuzahlen. Die letzte Rate von 25 Mark wurde laut Kassenbuch am 1. Januar 1909 beglichen. Diese Fahne ist nach mehreren Restaurierungen noch heute bei allen Festlichkeiten im Einsatz.

In der Jahreshauptversammlung fordern die Mitglieder mehr Toleranz gegenüber der Bundeswehr

Waldeck bei Kemnath

Der Verein war auch bei festlichen Anlässen in der näheren und weiteren Umgebung vertreten. Aus den Aufzeichnungen ist zu entnehmen, dass die Fahne überall große Bewunderung fand, zum Beispiel bei den Fahnenweihen in Marktredwitz beim Katholischen Gefallenenbund und in Bayreuth. Der Chronist berichtete dazu: "17. Juni 1906 - Fahnenweihe in Bayreuth - Die Fahnenweihe war großartig. Auch wurde unsere schöne Fahne allseitig bewundert, so dass die erste Festjungfrau in Bucket dem Begleiter übergeben hat." Zu Marktredwitz hielt er fest: "Auch ein schönes Fahnenband haben wir bekommen. - 8. Juni 1908 - Fahnenweihe in Marktredwitz: Viele Leute sagen, unter 53 Fahnen hat Waldeck die schwerste und die schönste Fahne."

Fahnenweihe mit Musik

Die Fahnenweihe in Waldeck am 28. und 29. Mai 1901 ist ebenfalls im Protokollbuch eingehendst beschrieben. So spielte dabei eine zehn Mann starke Regimentsmusik aus Bayreuth. Erste Fahnenjungfrau war Fräulein Anna Meister, Fahnenjunker Joseph Schraml aus Guttenberg und die Fahnenbegleiter Kallmaier und Schneider aus Atzmannsberg.

Besonders groß wurde auch immer das "Geburtstagsfest seiner königlichen Hoheit Prinzregent Luitpold von Bayern" begangen. Auswärtige Festbesuche standen unter anderem in Amberg, Auerbach oder Michelfeld an. Derartige Festbesuche dauerten meistens den ganzen Tag und nicht selten brach man bereits vor 3 Uhr auf und kam erst nachts wieder heim. Entweder gingen die Vereinsmitglieder zu Fuß hinaus oder aber sie fuhren mit einem "dekorierten Wagen".

Die Fahne trägt um das Bayerische Wappen die Inschriften "Mit Gott für König und Vaterland" und darunter "In Treue fest". In den vier Ecken sind die Städtenamen Wörth, Paris, Sedan und Orleans eingestickt. Dies deutet darauf hin, warum der Veteranen- und Kriegerverein Waldeck gegründet wurde. Alles hängt vermutlich mit dem Feldzug gegen Frankreich 1870/71 zusammen, denn danach wurden die Veteranenvereine in ganz Deutschland gegründet, der erste 1874. Die Mitglieder waren sicherlich noch selbst an diesem Krieg beteiligt. Aus den Satzungen und Ordnungen geht als Zweck hervor, dass die verstorbenen Mitglieder mit militärischen Ehren zu Grabe getragen wurden, an die Hinterbliebenen Beihilfen zu den Kosten der Beerdigung gewährt und bedürftige Mitglieder bei Bedarf unterstützt werden sollten.

Viele Leute sagen, unter 53 Fahnen hat Waldeck die schwerste und die schönste Fahne.

Aus der Chronik der KSK

Das Vereinsleben wurde in der Folgezeit sehr intensiv gestaltet. So stand jeden Monat eine Mitgliederversammlung an. Die Mitglieder verstanden es, die Feste würdig zu feiern. Sie traten aber auch in Erscheinung, wenn es zu helfen galt: So wurde am 5. August 1914 der Beschluss gefasst, "hilfsbedürftigen Hinterbliebenen von Reservisten, die zur Fahne gerufen wurden, vorläufig aus der Vereinskasse eine wöchentliche Unterstützung von zwei Mark zu gewähren". Die Kassenberichte bei den Generalversammlungen 1915 bis 1919 konnten deshalb nur einen geringen Kassenstand aufweisen.

In der Generalversammlung am 1. Februar 1920 beschlossen die Mitglieder, für die aus dem Ersten Weltkrieg zurückgekehrten Kameraden am 7. März 1920 ein Heimkehrerfest abzuhalten. Dazu kam es aber nicht, weil es "trotz einer persönlichen Vorstellung des Vorstandes beim Bezirkstierarzt nicht möglich war, Fleisch zu diesem Fest zu bekommen". Stattdessen wurde ein kleines Gartenfest abgehalten. Hier zeichnete sich schon deutlich die bevorstehende schlechte Zeit ab. Ein Beispiel dazu sind die Einträge im Kassenbuch für die Jahre 1922 und 1923: Wegen der Währungsreform standen 1922 Einnahmen von 8.531 Mark Ausgaben von 6.033 Mark gegenüber. Ein Jahr später waren es Einträge von 87.298 gegenüber 77.541 Mark.

Kriegerdenkmal 1921 eingeweiht

1920 wurde ebenfalls beschlossen, ein Kriegerdenkmal zu errichten. Trotz der überall finanziellen schlechten Lage konnte am 10. Juli 1921 das Kriegerdenkmal eingeweiht werden. Das Denkmal hat der Bildhauer Burger aus Auerbach angefertigt. Eine Vielzahl von Spenden ist ebenfalls genannt. Bittbriefe gingen sogar nach Amerika, wahrscheinlich an Auswanderer aus Waldeck und der Umgebung. Letztere hatten anscheinend Erfolg, denn nach der Einweihungsfeier wurden fünf Fotos vom Kriegerdenkmal als Dankeschön nach Übersee geschickt.

Zur Generalversammlung am 6. Januar 1931 heißt es unter anderem: "Von der Abhaltung irgendeiner Festlichkeit wird Abstand genommen, denn die heutige schwere Zeit ist nicht angetan zu Vergnügungen, sondern zu ernster Arbeit." Und weiter: "Die dem Ernst der Zeit entsprechende Versammlung wurde mittags um 1 Uhr vom Vorstand geschlossen." Der Jahresbericht des Schriftführers macht das noch deutlicher, der mit folgendem Satz abschließt: "Not und Schrecken, Tod und Verderben. Möge Gott es anders lenken und die Welt wieder zur Besinnung zurückführen, Menschen können es nicht mehr bewerkstelligen."

Obwohl das NS-Regime den Verein 1935 aufgelöst hat, sind noch bis 1940 Beträge aufgeführt. Alle sind danach mit dem Vermerk "America" durchgestrichen oder entwertet worden. Was dieser Eintrag bedeuten soll, ist jedenfalls nicht bekannt. Aus den durchgestrichenen Einträgen ist aber auch zu schließen, dass der Verein trotz Verbotes offensichtlich in eingeschränkter Form noch bestanden hat. Auch im Protokollbuch lässt sich in den folgenden Jahren die Sorge um die Zukunft aus jedem Eintrag zu entnehmen. Der letzte Bericht vor dem Krieg erscheint unter dem Datum 17. Februar 1935. Das alte Kassenbuch wurde 1953 übernommen und weitergeführt, auf dieser Seite sind alle namentlich aufgeführt, die bei der Neugründung dabei waren. Gleiches galt für das alte Protokollbuch.

Info:

Hintergrund

An Fronleichnam 1953 traten 30 frühere Mitglieder zusammen, um den Veteranen- und Kriegerverein wieder neu zu gründen. 1955 traten die Mitglieder aus Schönreuth aus dem Verein aus und gründeten selbst einen Kriegerverein, für den die Waldecker die Patenschaft übernahmen.

Das Gründungsfest zum 80-jährigen wurde mit der Einweihung des neu gestalteten Kriegerdenkmals an der bisherigen Stelle groß gefeiert. Das neue Denkmal hat die Firma Zwack aus Kohlbühl gestaltet und geliefert. Ebenfalls wurde im gleichen Jahr ein Böllerkanone angeschafft. 1957 wurde beschlossen, den Verein in "Krieger- und Soldatenkameradschaft Waldeck" umzubenennen. Am 6. Januar 1970 bestimmte die Generalversammlung einstimmig, dem Deutschen Soldaten- und Kriegerbund (DSKB) beizutreten. Zum 100. Gründungsfest hat wiederum die Firma Zwack das Kriegerdenkmal neu gestaltet und eingeweiht. Karl Mößbauer aus Waldeck war Gründungsvorsitzender. Derzeit steht Karl Reger aus Köglitz der Krieger- und Soldatenkameradschaft vor.

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