26.05.2020 - 12:57 Uhr
Waldeck bei KemnathOberpfalz

Patrozinium in Waldeck: "Beten öffnet die Augen"

So wie am Sonntag hatten die Waldecker das Patrozinium des Patrons der Pfarrkirche noch nicht gefeiert. Statt das Gotteshaus komplett zu füllen, saßen die Gläubigen auf ihnen zugewiesenen Plätzen. Die Fahnenabordnungen fehlten ganz.

Alleine vor der Kirche segnete Pfarrer Heribert Stretz mit der Monstranz in alle Himmelsrichtungen die gesamte Pfarrei.
von Hans LukasProfil

Die Corona-Pandemie hat, wie im gesellschaftlichen Leben, auch das Patroziniumsfest durcheinander gewirbelt. Die Kirchenbesucher mussten sich anmelden und auf zugewiesenen Plätzen in den Bänken mit genügend Abständen sowie Mundschutz die Messe verfolgen. Die Vereine der Pfarrei, die mit ihren Fahnen sonst im Altarraum Aufstellung nehmen, fehlten. Ebenso entfiel die eucharistische Prozession durch den Markt.

Göttliche Gnadengaben

Pfarrer Heribert Stretz erinnerte in seinen Einführungsworten an die Jünger Jesu, die sich nach der Auferstehung immer wieder getroffen haben. Im gemeinsamen Beten haben sich die Freunde Jesu auf das Kommen des Heiligen Geistes vorbereitet. Das gemeinsame Gebet solle gerade jetzt, "wenn wir uns trotz der gegenwärtig geltenden Abstandsregeln versammeln, helfen, viel von den göttlichen Gnadengaben mitzubekommen".

Nach der Auferstehung hätten die Jünger nicht gewusst, wie sich verhalten sollten. Laut der Apostelgeschichte zogen sie sich in den Raum zurück, wo Jesus mit ihnen das letzte Abendmahl gefeiert hatte. Dieser heilige Ort auf dem Berg Zion in Jerusalem haben ihnen geholfen, nach und nach das Geschehene zu begreifen, erklärte Stretz in seiner Predigt.

Ausgiebige Klausur

Auf die Gegenwart eingehend meinte der Pfarrer, dass es eine tückische Versuchung sei, in einer Zeit mit großer Unsicherheit so pessimistisch zu reagieren. Angesichts vieler Ausnahmeregelungen und Engpässe sowie Firmenpleiten trotz staatlicher Zuschüsse sei unter den Gläubigen Verunsicherung zu spüren. Nicht wenige konnten ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen. Eine ausgiebige Klausur zu Hause habe sich angeboten. Vielleicht wolle uns Gott mit Hilfe des Betens besser erkennen lassen, wo die tieferen Ursachen für die gegenwärtige Situation sind. Beten und Verweilen vor Gott könne die Augen öffnen für das, was nachhaltig zufriedener mache und mehr der Gesundheit diene.

Mit der Hingabe seines Lebens am Kreuz habe Jesus ein Zeugnis seiner Liebe zu den Menschen gegeben. Auch der heilige Johannes Nepomuk habe erkannt, dass König Wenzel nicht verraten dürfe, was die Königin gebeichtet hat. Die fünf Sterne, mit denen Johannes in der Kunst dargestellt werde, deuteten hin auf die fünf Buchstaben des Wortes Tacui hin, das zu Deutsch heiße: Ich habe geschwiegen.

Er habe richtig gehandelt, Christus nicht verleugnet und so Zeugnis für ihn abgegeben. Das Fresko im Chorraum halte dies fest, wenn hier stehe: "Beatus qui lingua sua non est lapsus" ("Glücklich, wer durch seine Zunge nicht zu Fall gekommen ist, denn er wird die Herrlichkeit des Himmels erreichen") An den Pfarrpatron gehe die Bitte, auch für uns darum mit Blick auf dieses Ziel einzutreten.

Alleine mit Monstranz

Vor dem Segen bedankte sich Stretz bei Christoph Dumler für die Begleitung an der Orgel, bei Lektorin Elfriede Schindler und bei Klaus Wegmann, der für den Blumenschmuck gesorgt hatte. Mit der Reliquie des heiligen Johannes Nepomuk im Holzkreuz erteilte der Pfarrer den Segen. Statt der sonst üblichen Prozession wurde das Allerheiligste in der Monstranz aufgestellt und eine kurze Anbetung gehalten. Dann zog der Pfarrer vor die Kirche und segnete damit in alle Himmelsrichtungen die gesamte Pfarrei.

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