03.08.2021 - 12:25 Uhr
Waldeck bei KemnathOberpfalz

"Schikander" in Waldeck: Lustig und sozialkritisch zugleich

Es rumort gewaltig. Nicht nur in dem Bergdorf an der österreichischen Grenze, sondern auch in der Theatergruppe von Emanuel Schikaneder: Das Landestheater Oberpfalz bringt das Stück von Robert Hültner trefflich auf die Bühne in Waldeck.

Florian Weber brillierte in seiner Rolle als Schikaneder auf dem Waldecker Schloßberg
von Holger Stiegler (STG)Profil

Das Landestheater Oberpfalz (LTO) gastierte am Wochenende mit zwei Aufführungen von "Schikaneder - Sommer der Gaukler" am Waldecker Schloßberg. Till Rickelt, Künstlerischer Leiter des LTO, hat die dramatische Komödie von Robert Hültner in Szene gesetzt - kurzweilig, lustig, aber auch mit deutlich sozialkritischen Untertönen. Ein hervorragendes Ensemble hatte er hier zur Verfügung, das für alle Rollen sehr gute Besetzungen hergab. Länger als geplant muss die Schauspieltruppe rund um "Manü" - wie sich der Prinzipal Emanuel Schikaneder selbst weltmännisch nennt - in einem kleinen Bergdorf an der österreichischen Grenze auf eine Spielerlaubnis in Salzburg warten. Grandios besetzt ist die titelgebende Rolle mit Florian Weber, dem eine perfekte Mischung aus großen Gesten, Selbstüberschätzung, Charme und männlichem Ur-trieb gelingt. Denn die Zeit des Wartens weiß ein Lebenskünstler wie Schikaneder sinnvoll zu nutzen und so versüßt er sich - sehr zum Ärger seiner Gattin (resolut: Claudia Lohmann) - die Stunden mit der Schauspielerin Bichler (kokett-schwärmerisch und zielstrebig zugleich: Magdalena Meier).

Derweil beginnt es im Dorf zu rumoren gegen Bergwerksbesitzer Paccoli und den Kolber-Wirt - Hans-Jürgen Gmeiner und Gerhard Wölfel glänzen als Verkörperungen der Skrupellosigkeit, der eine vornehmtuerisch bis zum Würgereiz, der andere derb-brachial - sowie gegen den diesen beiden wohlgesonnen Richter (korrupt und trottelig zugleich: Uli Scherr): Knechte, Mägde und Arbeiter wollen ihre Ausbeutung nicht mehr hinnehmen und rebellieren für mehr Rechte. Als Schikaneders Truppe sich aus Geldnot entscheidet, vorerst im Dorf zu gastieren und ein Stück über Agnes Bernauer zu spielen, stachelt ihre Aufführung das Volk und dessen Unzufriedenheit noch weiter an.

Die historischen Kostüme (verantwortlich: Eva Schwab) lassen die Zuschauer tief in die Historie eintauchen, die verschiedenen Szenen entfalten durch die Breite und Höhe von Bühne und Ruinen-Kulisse eine ganz besonders eindringliche Wirkung. Die Musik von Michael Bauer, die von Martin Kubetz eingespielt wird, verstärkt dies und fügt sich bestens in die Handlung ein. Viel Applaus gab es dafür von den Zuschauern für dieses Volksstück im besten Sinne.

Mit einem anderen Stück trat das LTO in Grafenwöhr auf

Grafenwöhr
Die Burgruine am Schloßberg Waldeck war beim Gastspiel des Landestheaters Oberpfalz Bühne und Kulisse zugleich.

 

 

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